Tor-Netzwerk Darknet - unliebsames Kind der US-Geheimdienste

Wie sieht das Darknet aus, das für viele Menschen so beängstigend wie anziehend ist? Ist es gut, böse oder irgendetwas dazwischen? Und lohnt sich ein Besuch? Der Journalist Stefan Mey hat sich in die Tiefen des Darknets begeben. Cover C.H. Beck Verlag

Das Darknet ist bekannt als Netzwerk von Kriminellen, die mit Drogen, Waffen und pornografischen Material handeln, aber es wird auch von Journalisten genutzt, um Informanten vor Represalien zu schützen. Weniger bekannt ist, dass das Darkent ursprünglich für die Kommunikation von Militär und Geheimdiensten entwickelte wurde und auch weiterhin genutzt wird.

Im August letzen Jahres erschien im C.H.Beck Verlag das Buch „Darknet: Waffen, Drogen, Whistleblower“ von Stefan Mey. Der Autor gibt dem Leser einen sehr guten Einblick, in die Geheimnisse des Darknet und der dahinterliegenden Technologie. Das Darknet ist keines Wegs ein Netz von Kriminellen und es wird weltweit von vielen gemeinnützigen Vereinen unterstützt, um ein Kommunikationsnetz am Leben zu halten, die frei von staatlichen Einflüssen ist.

Kennt man die Geschichte des Darknet, dann scheint das Ziel, frei von staatlichen Einflussnahme zu sein, eher paradox. Die Technik hinter dem Darknet ist das sogenannte Tor-Projekt. Die Tor-Technologie wurde Mitte der 90er Jahre in einem Forschungslabor der US-Marine entwickelt. Die erste wissenschaftliche Veröffentlichung erschien 1996 von Paul Syverson, einem Mathematiker am Naval Research Laboratory und trug den Titel „Hiding Routing Information“. Ziel der Arbeit war es, eine Lösung zu finden, die es verhindert, dass Informationen auf dem Weg durch das Internet ausspioniert werden können. Insbesondere sollte verhindert werden, dass Absender und Empfänger einer Nachricht auf dem Weg durch das Internet erkannt werden können.

Die Tor-Technolgie hat jedoch eine Haken, würde Sie ausschließlich von den US-Geheimdiensten genutzt werden, würden Internetprovider sofort erkennen, wann und wo sich ein Anwender einwählt und auf welche Server zugegriffen wird. Die Technologie ist erst dann sicher, wenn möglichst viele Anwender auf diesem Netzwerk Informationen austauschen. Deshalb entschloss sich der US-Geheimdienst dazu, diese Technologie für alle zu öffnen und nahm damit bewusst in Kauf, dass diese Technik auch von Kriminellen und Terroristen genutzt wird. Bis zum Jahr 2006 unterstützte die US-Navy den Aufbau des Netzwerkes mit durchschnittlich 4,4 Millionen US-Dollar.

Das bekannteste Eigentor schoss sich die US-Regierung mit der Veröffentlichung der Geheimen Papiere des ehemaligen CIA-Mitarbeiters Edward Snowden im Sommer 2013. Durch die Veröffentlichung geheimer Papiere über das Tor-Netzwerk, gab Snowden schockierende Einblicke in das Ausmaß der weltweiten Überwachungs- und Spionagepraktiken von Geheimdiensten – überwiegend jenen der Vereinigten Staaten und Großbritanniens. Snowden musste daraufhin fliehen und lebt seitdem im Exil in Russland.

Auf 240 Seiten erklärt Stefan Mey das Darknet und gibt dem Leser Anleitung, selbst das Darknet zu erforschen. „Darknet: Waffen, Drogen, Whistleblower“ is im August 2021 beim C.H.Beck Verlag erschienen.

Stefan Mey hat Soziologie und Publizistik studiert und ist freier Journalist in Berlin. Seit Jahren berichtet er über Technologie und über die Frage, was das Internet mit Politik, Wirtschaft und Gesellschaft macht. Über das Darknet hat er bisher für mehr als ein Dutzend Medien geschrieben, darunter das ZDF-Portal "heute.de", die IT-Medien "Heise online" und "iX", die Branchenzeitschrift "Deutsches Ärzteblatt" sowie das Politikmagazin "Le Monde Diplomatique".

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