Sebastian Fitzek: Das Joshua-Profil Der programmierte Rufmord

Fitzeks neuer Roman zeichnet ein finsteres Bild von polizeilichen Vorhersagesystemen. In diese Mühlen gerät der unbescholtene Held in "Das Joshua-Profil". Lesering hat den lang erwarteten Thriller bereits unter die Lupe genommen.

Sebastian Fitzek
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  	  	Das Joshua-Profil
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  	  	Buchtest
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  	  	Bastei Lübbe
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  	  	Predictive Policing
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  	  	ISBN 978-3785725450
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  	  	Rezension
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  	  	Roman
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  	  	Buchtipp
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Max Rhode ist Schriftsteller, doch die Leser meinen es nicht mehr gut mit dem Thriller-Autor. Seit seinem ersten Roman "Die Blutschule" ist ihm kein echter Hit mehr gelungen. Zudem muss er sich um seine Adoptiv-Tochter Jola praktisch allein kümmern, da Max´ Frau Kim als Pilotin zwischen den Kontinenten unterwegs ist. Dass Max mit seinem Bruder Cosmo ein dunkles Familiengeheimnis hat, macht die Sache nicht leichter. Cosmo sitzt als verurteilter Kinderschänder in Sicherheitsverwahrung.

Allen Unbilden einer zerrütteten Ehe zum Trotz kämpft sich Max durch das entbehrungsreiche Leben des freien Schriftstellers. Eines Tages erhält Rhode einen seltsamen Anruf: Ein Selbstmörder, der sich bei lebendigem Leibe verbrannt hat und im Krankenhaus liegt, verlangt nach Rhode - angeblich, um ihn zu warnen. Die Zeit drängt, der Mann hat nur noch wenige Stunden zu leben.

Ein grotesker Anruf löst das Grauen aus

Max Rhode, der von dem Sterbenden noch nie etwas gehört hat, ist auf bizarre Weise fasziniert. In der Klinik trifft er nicht nur auf einen grauenhaft entstellten Torso, sondern muss sich auch noch von dem Sterbenden eine für ihn völlig unverständliche Botschaft anhören: Er solle auf keinen Fall straffällig werden und müsse die Stadt sofort verlassen.

Max traut seinen Ohren nicht, war er doch noch nie straffällig geworden. Und doch wirken im Verborgenen Mächte, die genau dies vorhaben: Sie haben gute Gründe, aus dem unbescholtenen Bürger Max Rhode einen Schwerverbrecher zu machen - und wenn es nur so aussieht. Und so wird er zum Versuchskaninchen, ohne etwas zu ahnen. Diese Hintermänner haben nämlich ein System zur Vorhersage noch nicht ausgeführter Verbrechen entwickelt, in das ausgerechnet Max hinein gerät.

Die Welt des Schriftstellers gerät ins Wanken, als ihm das Jugendamt Jola entziehen und unter haarsträubenden Begründungen zu ihren drogenabhängigen leiblichen Eltern bringen will. Dass Kinderschänder Cosmo ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt auf Freigang bei Max auftaucht, macht seine Glaubwürdigkeit vor dem Amt nicht größer.

Vom Bürger zum Verbrecher

Irgendwann brennen bei Max die Sicherungen durch. Er verschwindet mit Jola, um sie vor dem Zugriff des Jugendamts und vor allem vor ihren leiblichen Eltern zu bewahren. Es beginnt eine wilde Flucht, bis Jola selbst entführt wird. Ausgerechnet Bruder Cosmo hilft Max bei der Suche nach der Tochter. Spätestens jetzt ist Max Rhode in den Augen der Polizei genau das, was aus ihm werden sollte: Ein gesuchter Schwerverbrecher.

Sebastian Fitzek bleibt seinem Stil mit relativ knapper Exposition der Charaktere und einem ausgearbeiteten Plot treu. Im Gegensatz zu einigen skandinavischen und amerikanischen Autoren baut Fitzek keine echten Parallelhandlungen auf, sondern arbeitet lieber mit den verschiedenen Perspektiven der handelnden Personen.

Der Roman "Die Blutschule", den Fitzek unter dem Pseudonym seines Romanhelden Max Rhode veröffentlicht hat, ist für das Verständnis von "Das Joshua-Profil" nicht zwingend notwendig, erhöht aber das Vergnügen.

Lasche Logik, aber hohe Spannung

Fazit: Sebastian Fitzek legt mit "Das Joshua-Profil" einen hochaktuellen Thriller rund um Predictive Policing vor. Thematisch bietet dies allerdings eher die Kulisse für einen unterhaltsamen Plot anstatt in Tiefe mit den Risiken und Techniken von Vorhersagesystemen zu informieren. Es ist aber kein Nachteil, diesen Anspruch nicht zu verfolgen. Fitzek punktet mit einem immer wieder überraschenden Thriller, der gerade in der skizzenhaften Darstellung eines außer Kontrolle geratenen Daten-Molochs beklemmend wird.

Aber der Leser stößt auch auf einige Ungereimtheiten. Man mag es noch hinnehmen, dass der Schriftsteller zur Inspiration eine illegale scharfe Waffe als Briefbeschwerer, ein Fläschchen K.O.-Tropfen für einen geplanten Selbstversuch und eine eingelegte abgetrennte Hand als Zimmer-Deko im Kinderhaushalt hortet. Oder dass der sicherheitsverwahrte, als Sittlichkeitsverbrecher brandgefährliche Bruder plötzlich Freigang erhält. Bei der Auflösung der Handlung und bei der Motivation einiger Akteure stellen sich doch einige ernsthafte Fragezeichen.

Im Gesamtpaket liefert Fitzek wieder einen echten Fitzek: Die Handlung eskaliert nach etwa 100 Seiten derart, dass es schwer ist, sich von "Das Joshua-Profil" zu lösen.

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