Thees Uhlmann: Sophia, der Tod und ich Der Tod von Thees Uhlmann ist eigentlich ganz in Ordnung

Der Tomte-Sänger trifft in seinem Debut-Roman auf den Sensenmann. Und der erweist sich als trinkfester Kumpel, der dem Weltlichen aufgeschlossen gegenübersteht.

Thees Uhlmann
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  	  	Tomte
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  	  	Buchtest
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  	  	Sophia der Tod und ich
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  	  	Rezension
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  	  	Roman
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  	  	ISBN 978-3462047936
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  	  	Buchtipp
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Foto: Kiepenheuer & Witsch

Was tun, wenn es an der Tür klingelt? Diese Frage ist für den Erzähler in "Sophia, der Tod und ich" ein zentraler Lebensbestandteil. Der passionierte Drückeberger und Faulpelz, der sich höchstens für Fußball begeistern kann, ignoriert die Türklingel in einem solchen Fall. Doch heute macht er einen entscheidenden Fehler: Er öffnet, und vor ihm steht der Sensenmann. Der Tod gönnt ihm vor seinem Ableben gerade noch drei Minuten und einen letzten Wunsch.

Der Sensenmann trinkt einen mit

Da fällt unserem Erzähler tatsächlich ein wichtiger Grund ein, um noch etwas über die drei Minuten hinaus zu leben. Er möchte noch einmal seinen Sohn Jonny sehen. Der Tod erweist sich abgesehen von der mit ihm einhergehenden Endlichkeit des Lebens eigentlich als ein ganz dufter Typ und sagt eine letzte Reise nach Süddeutschland zum Kind zu.

Dumm nur, dass im Jenseits andere Gesetze herrschen. So darf beispielsweise niemand den Tod berühren, während er gerade einen Todgeweihten abholt. Ansonsten ist derjenige selbst fällig, sowie er sich weiter als 400 Meter vom Tod in Aktion entfernt. Ausgerechnet Sophia, die burschikose Ex-Freundin des Erzählers, platzt in die Verhandlungen zwischen dem Erzähler und dem Tod und fängt sich den Fluch ein.

Gezwungenermaßen machen sich Sophia, der Tod und der Erzähler gemeinsam auf eine Odyssee, um Jonny ein letztes Mal zu sehen. Nach etlichen Abenteuern und einem gewaltigen Zug durch die Gemeinde, an dem insbesondere der Tod großes Vergnügen findet, trifft das Trio auf die Mutter des Erzählers und sind - der Todesfluch, Sie erinnern sich? - fortan ein Quartett.

Thees Uhlmann erhebt den Zeigefinger - und bestellt Bier

Die skurrile Landpartie endet darin, dass der Erzähler Versäumtes nachholt, sich an Vergessenes erinnert und schließlich nach einem vergleichsweise kurzen, aber erfüllten Leben sterben kann. Dass dies nicht zu sehr ins Triviale abgleitet, liegt am Tod. Der hat nämlich auf dem bierseligen Roadtrip zwischen Himmel und Hölle verdammt viel Spass.

Fazit: "Sophia, der Tod und ich" liest sich, als würde Thees Uhlmann nebenbei eine Anekdote vom Stapel lassen. Die ulkige Reisegruppe, zu der nach kurzer Zeit auch die Mutter des Erzählers gehört, ist ein wandelnder Krisenherd an Charakteren. Mithilfe der Kindheits-, Beziehungs- und Verantwortungstraumata des Protagonisten, die auch seine Mitstreiter umwabern, arbeitet er seine Vergangenheit auf, ohne den Leser zu nerven. Im Gegenteil: Da wird die überfürsorgliche Mutter vom Tod umgarnt (der plötzlich den Galan zu geben weiß), die Ex-Freundin duelliert sich zu allen und jeden Lebenssituation verbal mit dem Helden und alles wird von alkoholisierten Lebensweisheiten zusammengekittet. Kurzweilig, zum Schreien situationskomisch und absolut lesenswert. Für die Bevölkerung nördlich der Elbe ist der Roman oder das vom Autor selbst gelesene Hörbuch ohnehin Pflichtlektüre: Kenner des Hamburger Schnacks ziehen noch einige nordische Extralacher heraus.

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