Zur Weltliteratur werden literarische Werke gezählt, die über nationale und regionale Grenzen hinweg große Verbreitung gefunden haben und die gleichzeitig als für die Weltbevölkerung bedeutsam erachtet werden. Der Ansatz ist somit vergleichbar mit den Überlegungen, die zu einem Begriff wie Weltkulturerbe geführt haben. Der Begriff der „Weltliteratur“ wurde erstmals von Christoph Martin Wieland verwendet, der darunter jedoch Literatur für den homme du monde, den „Mann von Welt“ verstand. Goethe prägte den Begriff ab 1827 in seiner Zeitschrift Über Kunst und Altertum um und gab ihm dabei eine Bedeutung, die auch heute noch einen wesentlichen Bestandteil des Begriffs darstellt. Er verstand darunter die Literatur der Franzosen, Italiener, Deutschen, Engländer und Schotten, die aus einem übernationalen, kosmopolitischen Geist heraus geschaffen wurde.

Heute umfasst der Begriff „Weltliteratur“ zwei verschiedene, methodisch nicht immer klar voneinander getrennte Vorstellungen: eine qualitative und eine quantitative Definition. Bei der qualitativen Begriffsdefinition wird davon ausgegangen, dass die internationale Verbreitung eines Werks allein noch keine hinreichende Bedingung für die Zuordnung zur Weltliteratur darstelle. Ausschlaggebend sind hingegen der beispielhafte künstlerische Wert des jeweiligen Werkes und sein Einfluss auf die Entwicklung der weltweiten Literatur. Voraussetzungen dafür sind auch Verständlichkeit bzw. Übersetzbarkeit, die z. B. durch den Verzicht auf Dialekt, durch die Verwendung einer Lingua franca oder auch durch ähnliche soziale Verhältnisse und Weltanschauungen im Rezeptionsbereich der Literatur erreicht werden. So sieht Fritz Martini im höfischen Epos des 12. und 13. Jahrhunderts, das sich – basierend auf keltischen und germanischen Grundlagen – von Frankreich über den Niederrhein bis nach Süddeutschland verbreitete und dabei nicht nur übersetzt, sondern immer wieder umgearbeitet wurde, eine „Art Weltliteratur“, die Haltungen und Anschauungen „zwischen den Völkern und Literaturen vermittelte“.[1] Eine ähnliche sprachraumübergreifende Wirkung hatte das Vorbild der okzitanischen (altprovenzalischen) Literatur mit ihrer Trobadordichtung in Südfrankreich, Katalonien, Italien und darüber hinaus.

Quelle: Wikipedia

Weltliteratur

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