Bretonischer Glanz von Jean-Luc Bannalec: Kommissar Dupins fünfzehnter Fall zwischen Krimifestival, Roscoff-Zwiebeln und tödlichen Geheimnissen

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Krimireihen stehen irgendwann vor derselben Herausforderung. Nach zahlreichen Fällen kennen die Leser die Ermittler, ihre Eigenheiten und oft auch die erzählerischen Muster. Viele Serien verlieren dadurch an Spannung oder beginnen, sich zu wiederholen. Jean-Luc Bannalec gehört jedoch zu den wenigen Autoren, denen es gelingt, jeder neuen Geschichte eine eigene Identität zu verleihen.

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Bretonischer Glanz: Kommissar Dupins fünfzehnter Fall (Kommissar Dupin ermittelt, Band 15)

Mit „Bretonischer Glanz“, dem fünfzehnten Fall für Kommissar Georges Dupin, führt Bannalec seine erfolgreiche Bretagne-Reihe fort. Erneut verbindet er einen klassischen Kriminalfall mit den Landschaften, der Kultur und den kulinarischen Besonderheiten der Bretagne. Diesmal verschlägt es Dupin in den hohen Norden der Region nach Roscoff – eine Hafenstadt, die nicht nur für ihre berühmten Zwiebeln bekannt ist, sondern auch Schauplatz eines Mordes wird. Ausgerechnet während eines renommierten Krimifestivals gerät die beschauliche Stadt in Aufruhr.

Auch im fünfzehnten Band bleibt Bannalec seiner größten Stärke treu: Seine Romane sind weit mehr als klassische Regionalkrimis. Sie erzählen immer auch von einer Landschaft, ihren Menschen und ihrer Geschichte.

Worum geht es in „Bretonischer Glanz“?

Eigentlich möchte Kommissar Dupin den Tag ruhig beginnen. Doch seine Pläne werden abrupt unterbrochen, als ihn ein Anruf aus Roscoff erreicht. Im Norden der Bretagne wurde eine junge Frau ermordet aufgefunden – und das ausgerechnet während des berühmten Krimifestivals der Stadt. Weil der zuständige Kommissar kurz vor seiner Pensionierung steht und seine Nachfolgerin ihren Dienst noch nicht angetreten hat, wird Dupin gebeten, die Ermittlungen zu übernehmen.

Vor Ort stößt er auf eine Stadt im Ausnahmezustand. Neben dem Mord sorgen Proteste eines regionalen Fährunternehmens für Spannungen. Gleichzeitig geraten die traditionsreiche Bruderschaft der Roscoff-Zwiebel und ihre Mitglieder in den Fokus der Ermittlungen. Als zusätzlich rätselhafte Drohbotschaften auftauchen und weitere Gewalttaten folgen, wird deutlich, dass der Fall weit komplexer ist, als zunächst angenommen.

Ohne die Auflösung vorwegzunehmen, entwickelt sich der Roman zu einem vielschichtigen Kriminalfall, der persönliche Motive, regionale Traditionen und wirtschaftliche Interessen miteinander verbindet.

Roscoff wird zur eigentlichen Hauptfigur

Wie in nahezu jedem Dupin-Roman spielt der Schauplatz eine zentrale Rolle.

Roscoff gehört zu den bekanntesten Küstenorten der Bretagne. Die Stadt blickt auf eine lange Seefahrertradition zurück und ist weit über Frankreich hinaus für ihre rosa Roscoff-Zwiebeln bekannt, die sogar über eine geschützte Herkunftsbezeichnung verfügen. Bannalec nutzt diese Besonderheiten nicht bloß als dekorative Kulisse. Geschichte, regionale Identität und kulinarische Traditionen werden zu einem festen Bestandteil der Handlung.

Dabei entsteht erneut das Gefühl, die Bretagne nicht nur als Leser, sondern beinahe als Reisender kennenzulernen. Kleine Cafés, Hafenanlagen, Märkte und Küstenlandschaften verleihen dem Roman jene Atmosphäre, die die Reihe seit ihrem ersten Band auszeichnet.

Gerade Fans der Serie wissen, dass ein Dupin-Krimi immer auch eine literarische Reise durch die Bretagne ist.

Ein Krimi über Tradition und Veränderung

Hinter dem eigentlichen Mordfall verbirgt sich erneut ein gesellschaftliches Thema.

Roscoff steht im Roman für eine Region, die zwischen Tradition und Moderne ihren Platz sucht. Historische Bruderschaften treffen auf wirtschaftlichen Wandel, Tourismus auf regionale Identität und kulturelles Erbe auf aktuelle Konflikte.

Bannalec gelingt es, diese Entwicklungen organisch in seine Geschichte einzubauen. Dabei entsteht nie der Eindruck, dass gesellschaftliche Fragen den Kriminalfall überlagern. Vielmehr ergänzen sie ihn und verleihen der Handlung zusätzliche Glaubwürdigkeit.

Gerade dieser Blick auf regionale Besonderheiten unterscheidet die Dupin-Reihe von vielen anderen Krimiserien.

Kommissar Dupin bleibt sich treu

Nach fünfzehn Romanen gehört Georges Dupin längst zu den bekanntesten Ermittlern der deutschsprachigen Kriminalliteratur.

Seine Liebe zum petit café, seine gelegentliche Ungeduld und sein unkonventioneller Ermittlungsstil gehören mittlerweile ebenso zur Reihe wie die Bretagne selbst. Dupin arbeitet selten streng nach Vorschrift. Er beobachtet, kombiniert und verlässt sich häufig auf sein Gespür für Menschen und Zusammenhänge.

Auch sein Team mit Riwal, Kadeg und Nolwenn sorgt erneut für die vertraute Dynamik, die viele Leser an der Reihe schätzen.

Jean-Luc Bannalec widersteht dabei der Versuchung, seine Hauptfigur künstlich zu verändern. Dupin entwickelt sich weiter, ohne seine charakteristischen Eigenheiten zu verlieren.

Spannung ohne übertriebene Dramatik

Wer einen actionreichen Thriller erwartet, wird bei der Dupin-Reihe grundsätzlich nicht fündig.

Bannalec setzt auf klassische Ermittlungsarbeit. Hinweise werden gesammelt, Gespräche geführt und Zusammenhänge langsam sichtbar. Die Spannung entsteht weniger durch spektakuläre Verfolgungsjagden als durch die stetige Verdichtung der Ereignisse.

Gerade in Bretonischer Glanz funktioniert dieses Konzept erneut sehr gut. Der Autor nimmt sich Zeit für Figuren und Schauplätze, ohne dass die Handlung an Dynamik verliert. Mit jeder neuen Erkenntnis erweitert sich das Bild des Falls, bis schließlich deutlich wird, wie eng scheinbar unabhängige Ereignisse miteinander verbunden sind.

Dieser ruhige Erzählstil gehört seit Jahren zu den Markenzeichen der Reihe.

Kulinarik, Kultur und Kriminalfall

Kaum eine Krimiserie verbindet regionale Kultur so selbstverständlich mit ihren Fällen wie die Dupin-Romane.

Auch in Bretonischer Glanz spielen lokale Spezialitäten, Traditionen und Geschichte eine wichtige Rolle. Die berühmten Roscoff-Zwiebeln, regionale Bruderschaften und das Krimifestival bilden nicht nur den Hintergrund der Geschichte, sondern liefern entscheidende Impulse für die Ermittlungen.

Dadurch entsteht eine Atmosphäre, die weit über einen gewöhnlichen Regionalkrimi hinausgeht. Leser erfahren ganz nebenbei viel über die Bretagne, ohne dass dies belehrend wirkt.

Stärken und Schwächen des Buches

Die größte Stärke von Bretonischer Glanz liegt erneut in seiner Atmosphäre. Jean-Luc Bannalec versteht es wie kaum ein anderer, Landschaft, Kultur und Kriminalhandlung miteinander zu verbinden. Roscoff wirkt lebendig, authentisch und entwickelt sich fast zu einer eigenen Figur.

Auch der Kriminalfall überzeugt durch seine Vielschichtigkeit. Statt einfacher Lösungen präsentiert Bannalec mehrere Erzählstränge, die sich nach und nach zu einem stimmigen Gesamtbild verbinden.

Hinzu kommt die vertraute Dynamik zwischen Dupin und seinem Team. Gerade langjährige Leser werden die Wiederbegegnung mit den bekannten Figuren genießen.

Als mögliche Schwäche könnte man anführen, dass sich der Roman bewusst Zeit nimmt. Wer temporeiche Thriller mit permanenten Wendungen bevorzugt, wird den ruhigeren Erzählrhythmus möglicherweise als gemächlich empfinden. Genau dieser Stil macht jedoch den besonderen Charakter der Reihe aus.

Die Kommissar-Dupin-Reihe: Muss man die Bücher der Reihe nach lesen?

Grundsätzlich funktioniert Bretonischer Glanz auch als eigenständiger Kriminalroman. Der Mordfall wird vollständig abgeschlossen, sodass Neueinsteiger der Handlung problemlos folgen können.

Dennoch lohnt sich die Reihenfolge, weil sich die Figuren und ihre Beziehungen über viele Bände hinweg weiterentwickeln.

Die Reihenfolge der neuesten Dupin-Bände

  • Bretonischer Ruhm (Band 12)
  • Bretonische Sehnsucht (Band 13)
  • Bretonische Versuchungen (Band 14)
  • Bretonischer Glanz (Band 15)

Für Lesering bietet sich insbesondere eine interne Verlinkung zu Bretonische Versuchungen an, da der vierzehnte Band unmittelbar vor den Ereignissen dieses Romans erschien.

Die Kommissar-Dupin-Verfilmungen

Der Erfolg der Romane führte bereits früh zu einer Fernsehreihe der ARD. Seit 2014 verkörpert Pasquale Aleardi den eigenwilligen Kommissar Dupin, unterstützt von Ludwig Blochberger als Riwal und Jan Georg Schütte als Kadeg. Die Filme wurden größtenteils an Originalschauplätzen in der Bretagne gedreht und tragen wesentlich zur Popularität der Reihe bei.

Ob auch Bretonischer Glanz verfilmt wird, ist derzeit noch nicht offiziell angekündigt. Angesichts des anhaltenden Erfolgs der Reihe erscheint eine spätere Umsetzung jedoch durchaus naheliegend.

Über Jean-Luc Bannalec

Hinter dem Pseudonym Jean-Luc Bannalec verbirgt sich der deutsche Autor und Verleger Jörg Bong. Mit den Dupin-Romanen gelang ihm einer der größten Erfolge im deutschsprachigen Krimigenre. Seine Bücher erscheinen regelmäßig auf den Bestsellerlisten und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.

Charakteristisch für seine Romane ist die Verbindung aus klassischer Ermittlungsarbeit, regionaler Kultur und sorgfältig recherchierten historischen Hintergründen. Die Bretagne steht dabei stets ebenso im Mittelpunkt wie die eigentlichen Kriminalfälle.

Bretagne-Krimi auf gewohnt hohem Niveau

Mit Bretonischer Glanz beweist Jean-Luc Bannalec eindrucksvoll, dass seine Reihe auch nach fünfzehn Bänden nichts von ihrem Reiz verloren hat.

Der Roman verbindet einen spannenden Kriminalfall mit liebevoll gezeichneten Figuren, regionalem Flair und einer großen Portion Bretagne. Roscoff wird dabei ebenso lebendig beschrieben wie die Menschen, die dort leben, arbeiten und ihre Geheimnisse bewahren.

Wer bereits Fan der Dupin-Reihe ist, wird auch diesen Band mit großer Freude lesen. Neue Leser erhalten einen gelungenen Einstieg in eine der erfolgreichsten Regionalkrimi-Serien der vergangenen Jahre.

Vielleicht liegt genau darin das Erfolgsgeheimnis der Reihe. Jean-Luc Bannalec erzählt nicht nur von Verbrechen. Er erzählt von einer Region, die man nach der letzten Seite am liebsten selbst bereisen würde.

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