Der renommierte Peter-Huchel-Preis für deutschsprachige Lyrik geht 2026 an die Berliner Autorin Nadja Küchenmeister. Ausgezeichnet wird ihr im Schöffling Verlag erschienener Gedichtband „Der Große Wagen“ – ein formal streng komponiertes Langgedicht, das persönliche und geografische Übergänge poetisch reflektiert. Die feierliche Preisverleihung findet am 10. April 2026 in Staufen im Breisgau statt, dem letzten Wohnort Peter Huchels.
Peter-Huchel-Preis 2026 für Nadja Küchenmeister: „Der Große Wagen“ als lyrisches Sternbild der Übergänge
Drei Orte, drei Bewegungen, ein Sternbild
Die Jury, bestehend aus Literaturkritiker:innen, Autor:innen und Wissenschaftler:innen, würdigt die lyrische Dichte, emotionale Genauigkeit und formale Strenge des Werks. Küchenmeister verwebt drei Szenarien: das Wuhletal als Ort des Abschieds von den Eltern, Köln als durchlässigen Berufsort zwischen Ankunft und Aufbruch und Lissabon als schwebenden Schauplatz einer Liebe, die sich still zersetzt. Der Band beginnt mit dem Vers: „ich sehe den großen Wagen und alles, was war“, und endet – noch immer orientiert am Sternbild – mit: „über dem tejo / aufgespannt der große wagen.“
Formale Strenge: acht reimlose Dreizeiler
Strukturell folgt der Band einer klaren Form: acht reimlose Dreizeiler pro Seite, die sich zu weit gespannten Bilderbögen fügen. Diese visuelle und rhythmische Ordnung trägt die emotionale Bewegung des Textes. Der Große Wagen fungiert dabei nicht nur als Titel, sondern als poetisches Leitmotiv – ein Sternbild, das Orientierung verspricht, wo Sprache tastet.
Die Jury 2026
Die Jury 2026 setzte sich zusammen aus: Alexandru Bulucz, Gregor Dotzauer, Maren Jäger, Christian Metz, Holger Pils, Brigitte Schwens-Harrant und Lara Sielmann. Vorsitzender: Frank Hertweck (SWR), Stellvertretung: Ariane Limberg (MWK BW).
Ein Preis mit Geschichte
Seit 1984 vergeben vom Land Baden-Württemberg und dem Südwestrundfunk, erinnert der Peter-Huchel-Preis an den Lyriker und Herausgeber Peter Huchel (1903–1981). Er ist mit 15.000 Euro dotiert und ehrt herausragende Werke, die die deutschsprachige Gegenwartslyrik prägen. Frühere Preisträger*innen waren u. a. Elke Erb, Thomas Kling, Friederike Mayröcker, Judith Zander und Olga Martynova.
Erinnerung wird Orientierung
Mit „Der Große Wagen“ wird ein Werk ausgezeichnet, das zeigt, wie Lyrik Erinnerung, Ort und Gefühl in Sprache verwandelt – präzise, leise und leuchtend.
Topnews
Unser Geburtstagskind im August: Mary Shelley
Unser Geburtstagskind im Juli: Franz Kafka und die Kunst, sich nicht zurechtzufinden
Unser Geburtstagskind im Juni: Thomas Mann und die brüchige Ordnung der Welt
Unser Geburtstagskind im Mai: Novalis - Die Blaue Blume und die Wiederverzauberung der Welt
Unser Geburtstagskind im April: Samuel Beckett
Unser Geburtstagskind im März: Heinrich Mann
Unser Geburtstagskind für den Wintermonat Februar: Gertrude Stein
Ein Geburtstagskind im Januar: Edgar Allan Poe – Dichter der Struktur und des Schreckens
Geburtstagskind im Dezember – Emily Dickinson
Ein Geburtstagskind im November: Astrid Lindgren
Geburtstagskind im Oktober: Benno Pludra zum 100. Geburtstag
Das Geburtstagskind im September: Roald Dahl – Der Kinderschreck mit Engelszunge
Ein Geburtstagskind im August: Johann Wolfgang von Goethe
Hans Fallada – Chronist der kleinen Leute und der inneren Kämpfe
Ein Geburtstagskind im Juni: Bertha von Suttner – Die Unbequeme mit der Feder
Ein Geburtstagskind im Mai: Johannes R. Becher
Ein Geburtstagskind im April: Stefan Heym
Ein Geburtstagskind im März: Christa Wolf
Bertolt Brecht – Geburtstagskind im Februar: Ein literarisches Monument, das bleibt
Aktuelles
Zur See von Dörte Hansen: Eine Insel kann Heimat sein und trotzdem zu eng werden
Österreich und Deutschland stiften Lyrikpreis zum Bachmann-Jubiläum
Die verschlossene Tür von Freida McFadden: Wie weit fällt der Apfel vom Stamm?
Die Känguru-Rebellion von Marc-Uwe Kling: Die Revolution wird diesmal nicht vertagt
Deutscher Buchpreis 2026: Diese sechs Romane stehen auf der Shortlist
Lesen als Abendritual: Warum das gedruckte Buch den Bildschirm vor dem Schlafengehen schlägt
Die App – Sie kennen dich. Sie wissen, wo du wohnst von Arno Strobel: Wenn das eigene Zuhause zum Gegner wird
PISA 2025: Stiftung Lesen fordert frühe Leseförderung
Vielleicht bin ich nicht Gott von Stefania Gander: Die Welt gehört der Katze – der Mensch darf bleiben
Im Licht des neuen Tages von Jarka Kubsova: Was der Wald über Frauen erinnert
Ms Atkins und die Bibliothek der Träume von Vanessa Göcking: Was geschieht mit den Träumen, die wir vernünftig begraben?
Rückkehr nach Alaska von Wolf Cropp: Wo die Wildnis den Menschen auf seine Größe zurücksetzt
Fünf Finalisten für den ZDF-„aspekte“-Literaturpreis 2026
George Moore: Albert Nobbs – Das Leben im Dazwischen
MONOFUTURIS – Vom Fortschritt zum Verlust der Vielfalt von Konstantin Schamber
Rezensionen
Shida Bazyar: „Die Lücken“ – Was ein Dorf nicht vergessen kann
Karosh Taha: „Gulistan“ – Wenn selbst ein Name gefährlich wird
Eunike Grahofers „Wurzeln – Apotheke aus der Erde“
Rage – Du sollst brennen von S.T. Abby: Am Ende reicht Rache allein nicht mehr
Pain – Du sollst leiden von S.T. Abby: Wenn die Wahrheit nicht mehr verborgen bleiben kann
Sarah Elena Müller: „Unwucht“ – Die offene Seite der Liebe
Revenge – Du sollst flehen von S.T. Abby: Wenn aus Rache endgültig Krieg wird
Blood – Du sollst bereuen von S.T. Abby: Wie lange kann man jemanden lieben, den man nicht kennt?
Secret – Du sollst mich fürchten von S.T. Abby: Wenn die Serienkillerin zur Heldin wird
Giuliano Musio: „Aus anderem Holz“ – Der Mensch, der eine Puppe blieb