Der Kojote versetzt Jack Reacher in die Gluthitze Arizonas – dorthin, wo endlose Straßen, Grenzlagernähe und kriminelle Netzwerke ein explosives Gemisch bilden. Der 26. Reihenband (Original: „Better Off Dead“, 2021) erscheint in Deutschland bei Blanvalet/Penguin Random House, in der Übersetzung von Wulf Bergner – und stammt aus der mittlerweile eingespielten Zusammenarbeit von Lee Child mit Andrew Child. Wer Reachers Mischung aus Beobachtungsschärfe, kompromissloser Tatkraft und trockenem Humor mag, bekommt hier eine konzentrierte Dosis – ohne überflüssigen Zierrat, dafür mit staubtrockener Spannung.
Der Kojote (Jack Reacher 26) –Reacher in der Wüste – wenn Hitze, Staub und Moral kollidieren | Lee Child & Andrew Child
Worum geht es in „Der Kojote“
Auf einer abgelegenen Straße entdeckt Reacher ein verunglücktes Fahrzeug – der einzige Baum weit und breit wurde zum Aufprallpunkt. Die Fahrerin hält ihn zunächst für einen der Täter, die den Unfall verursacht haben; Missverständnis geklärt, wird klar: Ihr Bruder, ein Spezialist für Sprengstoffe, ist in den Händen einer Gang, die seine Expertise für einen katastrophalen Plan missbrauchen will. Reacher, der sich selten lang bitten lässt, mischt sich ein: Er folgt Spuren in eine Grenzstadt, trifft auf Schlepper- und Bandenlogik, und deckt Schicht um Schicht auf, was wirklich hinter der Entführung steckt.
Der Roman arbeitet stark über Szenenfolgen – Nachtbeobachtungen, knappe Verhöre, physische Auseinandersetzungen – und treibt Reacher in einen Konflikt, der nicht nur Schlagkraft, sondern Taktik verlangt. (Deutscher Klappentext & Leseprobe bestätigen Setting, Konstellation und Grundkonflikt.)
Themen & Motive: Grenzraum, Schuld, Abschreckung
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Grenze als Morallabor: Nahe der US-Grenze werden Menschen, Waren, Informationen gehandelt – wer hier agiert, definiert Gerechtigkeit oft situativ. Reacher kontert mit einem sturen Kompass: Schutz der Schwachen, klare Konsequenzen für Täter.
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Technik & Terror: Der entführte Bombenexperte verlagert die Bedrohung vom Faustkampf zur Sprenglogik – das macht die Einsätze kalkulierter, riskanter, unberechenbarer.
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Kojote als Bild: Der Titel spielt auf das Ausharren im Terrain an – ein geschmeidiger, zäher Räuber im Grenzökosystem. Im Roman wird daraus ein Motiv für Anpassung, Täuschung, Grenzüberschritt – bei Jägern wie Gejagten.
Wüste, Schmuggel, Schattenökonomie
Child/Child zeichnen keine soziologische Studie, aber sie platzieren die Handlung bewusst dort, wo Sicherheitsbehörden, Gangs und Söldnerlogik ineinandergreifen. Der Roman nutzt reale Grenz-Topoi als Spannungsverstärker: illegale Routen, temporäre Camps, anonyme Garagenzeilen, die als Umschlagplätze dienen – Schauplätze, wie sie auch die offizielle Leseprobe im Einstieg andeutet.
Schnörkellos, bildstark, mit Taktgefühl für Tempo
Reacher-Romane leben von Taktik statt Zufall. Hier ist das Timing besonders straff: kurze Kapitel, klare Verben, logische Ketten. Die Kampfszenen sind nicht ornamental; sie erklären Mechanik (Stand, Winkel, Hebel) und sichern so Glaubwürdigkeit. Dialoge bleiben knapp, aber verräterisch – ein falsches Wort, und Reacher erkennt Muster. Das Setting Arizona/Borderland liefert dabei eine sensorische Bühne: gleißendes Licht, dünne Schatten, der Geruch von heißem Metall, das Reiben von Sand im Getriebe. (Tonfall & Struktur entsprechen dem, was Verlag und Leseprobe erwarten lassen.)
Für wen eignet sich „Der Kojote“?
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Für Action-Leser, die glaubhafte Taktik über Superhelden-Pose stellen.
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Für Reacher-Fans, die die Child/Andrew-Ära verfolgen und sehen wollen, wie das Duo die Figur konturiert.
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Für Krimi-/Thriller-Leser, die Wüsten-/Grenz-Settings schätzen und Lust auf präzise Inszenierung statt bloßer Kulisse haben.
Kritische Einschätzung – Stärken & mögliche Schwächen
Stärken
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Konzentration aufs Wesentliche: Keine Nebenstränge um ihrer selbst willen; jede Szene schiebt Erkenntnis oder Gefahr voran.
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Set-Piece-Qualität: Der Roman baut starke Konfrontationen – beobachtende Nachtsequenzen, kontrollierte Eskalationen, finale Risikoentscheidungen.
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Reacher-DNA im Grenzraum: Das Arizona-Setting erdet die Action und verschiebt Gewicht von reiner Kraft auf Aufklärung + Präzision.
Mögliche Schwächen
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Formelgefühl: Wer viele Bände kennt, erkennt Baupläne (Kontakt – Problem – Eskalation – Gegenschlag); das gehört zum Seriencharakter.
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Emotionaler Fokus: Reacher bleibt stoisch – wer intime Figurenentwicklung erwartet, bekommt eher funktionale Tiefe.
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Bösewicht-Konturen: Antagonisten sind effektiv, aber selten tragisch gebrochen – die Serie priorisiert Druck über Ambivalenz.
Kurzvergleich innerhalb der Reihe
Im Vergleich zu urbanen Bänden wirkt Der Kojote breitflächiger: längere Wege, mehr Sichtachsen, klare Topografie. Gegenüber „klassischen“ Reacher-Schauplätzen (Busbahnhof, Motel, Kleinstadt) erhöht die Grenznähe das Risiko – Sprengstoffwissen und Auftragslogik machen Gegner strategisch potenter.
Fragen zum Buch
Ist „Der Kojote“ eigenständig lesbar oder sollte man vorherige Bände kennen?
Eigenständig lesbar. Reacher-Romane sind case-of-the-book konstruiert; Vorkenntnisse sind Bonus, aber keine Pflicht.
Spielen Lee und Andrew Child beide eine Rolle?
Ja. Der Band ist in der Co-Autorenschaft entstanden – ein inzwischen etabliertes Modell für die Reihe.
Wie „hart“ ist die Gewalt?
Klar und physikalisch beschrieben, aber ohne Splatter. Die Spannung entsteht aus Taktik und Konsequenz, nicht aus Schockbildern.
Wieviel „Wüste/Grenze“ steckt wirklich drin?
Viel. Straßen, Lager, Garagenreihen an der Grenze prägen Ton und Taktik des Buches – bereits die Leseprobe spielt genau dort.
Über die Autoren: Lee Child & Andrew Child
Lee Child (eigentlich Jim Grant) schuf mit Jack Reacher eine der prägendsten Thrillerfiguren der letzten Jahrzehnte. Seit einigen Jahren wirkt Andrew Child (Bruder) an Plot und Prosa mit – ein Schritt, der den Serienrhythmus sichert, ohne die Grundtemperatur (minimalistisch, scharf, lakonisch) zu verändern. In Der Kojote spürt man diese eingespielte Arbeitsteilung: klare Action-Geometrie trifft auf ökonomische Dialoge – klassischer Reacher, aber im modernen Grenz-Setup.
Reacher, reduziert auf Kernkompetenz
Der Kojote liefert reine Reacher-Energie: knapper Stil, taktisch saubere Action, glaubhafte Set-Pieces. Die Grenz- und Sprengstoffkomponente verschiebt die Gefahr vom Boxhandschuh zur Planabwehr – spannend, weil Fehler hier realzählen. Wer den Serienrhythmus liebt, wird bestens bedient; wer vor allem innere Wandlungen sucht, greift in der Reihe eher zu Bänden mit engerem Figurenfokus. Für einen Sommer-Thrill in der Wüste ist dieser Band sehr solide – und schnell.
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