Mit Band 49 ihrer langlebigen Eve-Dallas-Serie führen J.D. Robb (Pseudonym von Nora Roberts) und Übersetzerin Uta Hege die „In Death“-Reihe zu neuen narrativen Taten: „Der Kuss der schwarzen Witwe“ verknüpft atemlose Ermittlungsarbeit mit einer femme fatale, die skrupellos ihre ganz eigene Form von Gerechtigkeit ausübt. In einer Welt, in der Frauen ihre Stimme erheben und systemische Machtstrukturen infrage stellen, zielt dieser Thriller direkt auf Machtmissbrauch, sexuelle Ausbeutung und das unerschütterliche Pflichtgefühl einer Kommissarin, die nie aufgibt – selbst wenn sie selbst zur Gejagten wird .
Handlungsüberblick: Wenn Verführung tödlich wird
Eve Dallas, Lieutenant beim New York Police Department im Jahr 2057, wird zu einem spektakulären Tatort gerufen: Im Penthouse eines Hochhauses liegt der korrupte Medienmagnat Nigel McEnroy – erstochen, sein letztes Erlebnis ein Kuss von Lady Justice, einer mysteriösen Verführerin, die ihre Opfer erst betört und dann kaltblütig tötet .
Dallas und ihr Partner Peabody stellen fest, dass McEnroy zahlreiche Frauen systematisch ausgebeutet hat. Die Ermittlungen führen in die glitzernde Welt der High Society, doch jedes glamouröse Event birgt eine neue Spur: ein Lippenstiftstempel, eine verschwundene Maske, eine chiffrierte Nachricht. Während Eve Dallas dem perfiden Beuteschema der „schwarzen Witwe“ nachjagt, deckt sie ein Netzwerk aus Angst, Verführung und tödlicher Rache auf. Die Ermittlerin gerät bald selbst ins Visier der Täterin, die zeigt, dass sie nicht nur ihre Opfer, sondern auch die Hüterin des Gesetzes herausfordert.
Gerechtigkeit, Verführung und Macht
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Selbstjustiz als moralisches Dilemma
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Lady Justice verkörpert das Spannungsfeld zwischen juridischer Ordnung und blutiger Rache. Ist ihre Methode gerecht, wenn das Rechtssystem versagt?
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Verführung als Waffe
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Der „Kuss“ wird zum Symbol für Macht: Wer verführt, hat Kontrolle – und kann ohne Warnung töten.
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Struktureller Machtmissbrauch
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Nigel McEnroy steht für jene Menschen, die ihre Stellung nutzen, um andere zu dominieren. Sein Schicksal wirft die Frage auf, wie tief sexuelle Ausbeutung in elitären Kreisen verwurzelt ist.
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Diese Motive verweben sich zu einem dichten Netz, in dem Verbrechen, psychologische Manipulation und gesellschaftliche Tabus aufeinandertreffen.
Macht, Missbrauch und Frauenrechte
Auch wenn die Handlung im futuristischen New York des Jahres 2057 verortet ist, spüren Leser:innen klare Parallelen zur Gegenwart: Die #MeToo-Debatte, die Forderung nach Gleichberechtigung und die Aufdeckung von Missbrauchsskandalen in Wirtschaft, Politik und Medien. Wie weit darf Rache reichen, wenn Institutionen versagen?Eve Dallas’ unbeirrbarer Wille, Gerechtigkeit herzustellen, spiegelt das kollektive Bedürfnis nach Aufklärung und Selbstermächtigung wider. Zugleich zeigt Robb, dass Opfer nicht untätig bleiben müssen und dass die Grenzen zwischen Recht und Rache oft unscharf sind .
Futuristischer Krimi in bestechender Klarheit
J.D. Robb kombiniert präzises Crime-Procedural mit atmosphärisch-dynamischer Erzählung:
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Kapitelstruktur: 56 kurze Kapitel, die häufig mit szenischen Cliffhangern enden und das Tempo hochhalten.
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Sprachbilder: Metaphern wie der „Lippenstiftsturm“ oder das „Schattenspiel im Penthouse“ erzeugen ein klares visuelles Szenario ohne überbordende Lyrik.
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Dialoge: Pointiert und direkt, die Konversationen wirken realistisch und setzen die Figuren eindrucksvoll in Szene.
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Innenperspektive: Eve Dallas’ Gedanken tauchen sparsam ein, geben aber Einblick in ihre Motivation und ihren Gerechtigkeitssinn.
Dieses Zusammenspiel aus schnörkelloser Ermittlung und detailreicher Weltzeichnung macht „Der Kuss der schwarzen Witwe“ zu einem mitreißenden Leseerlebnis.
Für wen eignet sich dieser Thriller?
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Fans der Eve-Dallas-Serie, die jeden neuen Band erwarten wie alte Freund:innen.
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Thriller-Leser:innen, die feministische Themen und Crime-Procedurals schätzen.
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Debattierfreudige Buchclubs, die über Selbstjustiz, Machtmissbrauch und Opferrechte diskutieren möchten.
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Sci-Fi-Crossover-Fans, die futuristische Technologien und gesellschaftliche Entwicklungen lieben.
Leser:innen, die neben spannender Action auch inhaltliche Tiefe suchen, finden hier beides.
Kritische Einschätzung: Stärken und Schwächen
Stärken
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Gegenwartsbezug: Die Aufarbeitung von Machtmissbrauch trifft den Zeitgeist.
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Vielschichtige Antagonistin: Lady Justice bleibt lange im Dunkeln – erst zum Showdown zeigen sich ihre wahren Motive.
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Bewährtes Ermittlerduo: Dallas und Peabody liefern gewohnt starke Teamdynamik und emotionalen Rückhalt .
Schwächen
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Altbewährtes Serienmuster: Die Grundstruktur (Opfer→Ermittlungen→Showdown) bietet wenig Überraschung.
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Nebenfiguren ohne Tiefe: Einige Verdächtige bleiben skizzenhaft, ihr Beitrag zur Handlung bleibt begrenzt.
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Technologie-Overload: Wer mit Sci-Fi-Details weniger anfangen kann, könnte von futuristischen Gadgets überfordert sein.
Was „Der Kuss der schwarzen Witwe“ auszeichnet
J.D. Robb liefert mit Band 49 einen krisenfesten Mix aus Crime-Procedural und feministischer Reflexion. Dornenkronen aus Lippenstift und Stahl – so könnte man Lady Justice’ Signatur nennen. Fans der Serie erleben ein neues Machtspiel, in dem Eve Dallas erneut zeigt, dass sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, um das Gesetz zu verteidigen.
Über die Autorin: Nora Roberts alias J.D. Robb
Nora Roberts (*1950) schreibt als J.D. Robb seit 1995 ihre „In Death“-Reihe, die inzwischen über 50 Bände umfasst. Übersetzerin Uta Hege überträgt den futuristischen New-York-Krimi seit Band 1 ins Deutsche. Roberts gilt mit über 500 Millionen verkauften Büchern als eine der erfolgreichsten Autorinnen weltweit
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