Barbi Marković´s Buch "Minihorror" steht auf Platz 1 der ersten SWR-Bestenliste des Jahres 2024. Auf Platz 2 folgt Jan Wagners Gedichtband "Steine & Erden". Auf Rang drei hat die Jury Paul Austers Roman "Baumgartner" gewählt. Was steht drin? Und wer hat es außerdem auf die Liste geschafft?
Barbi Marković steht mit ihrem Roman "Minihorror" auf Platz 1 der SWR-Bestenliste des Monats Januar. In ihrem Buch erzählt die 1980 in Belgrad geborene und heute in Wien lebende Autorin vom alltäglichen Grauen. Im Zentrum stehen dabei Mini und Miki, ein binationales Duo, welches, wie die Autorin auch, in Wien lebt. Eine Stadt, die Marković in einem Rundfunkbeitrag einmal mit Entenhausen verglichen hat - hübsch ist die Oberfläche, doch der Schein trügt.
Ironischer Sprachwitz statt blinde Hassrede
"Minihorror" durchbricht diesen Schein, zeigt kurze Momentaufnahmen des alltäglichen Schreckens, Augenblicke, die alles für kurze Zeit surreal, unwirklich wirken lassen. Das geht so weit, dass die Charaktere an oft nicht einmal wissen, ob sie leben oder doch nur träumen. Das geschieht beispielsweise im Supermarkt während des Einkaufes, wo sich Mini plötzlich einen glitzernden, im Mund explodierenden Pizzaburger wünscht, und kurzzeitig die Struktur der behäbigen Lebenswiederholung durchbricht. Solcherlei Ausrisse führen dazu, dass uns die Zerbrechlichkeit der Figuren, ihr stets von einem Quäntchen Angst begleitetes Leben deutlicher werden.
Ein Roman über die kleinen und großen Zumutungen, der nicht in rigoroser, kategorischer Ablehnung mündet, sondern den uns allen bekannten Horror mit Sprachwitz und Ironie auf die Spitze treibt.
Platz 2: Jan Wager - "Steine & Erden"
Zweiundzwanzig Jahre nach der „Probebohrung im Himmel“ lässt sich Jan Wagner von der schnöden Scholle inspirieren: „Steine & Erden“. Aus dem lehmigsten, kalkigsten Boden der Tatsachen fördert sein Blick mit Lust das Erstaunliche zutage und verwandelt es in Gedichte, deren Leichtigkeit und Klangmagie immer wieder verblüffend sind. Alles lebt und erzählt Geschichten in diesem neuen beeindruckenden lyrischen Kosmos – von der Karottenrakete auf ihrem Weg zum Erdmittelpunkt über die schleichend wachsende Gummiakropolis ausgedienter Reifen bis zu Dürers „Rhinozeros“.
Platz 3: Paul Auster - "Baumgartner"
Professor Seymour T. Baumgartner, unter Freunden Sy, ist ein über siebzigjähriger emeritierter Phänomenologe aus Princeton, der sich dem Schreiben philosophischer Bücher und, zunehmend, seinen Jugendreminiszenzen widmet: seiner kleinbürgerlichen Herkunft aus Newark; der schwierigen Ehe der Eltern, dem Collegebesuch und einem Studienaufenthalt in Paris; schließlich der wie ein Blitz einschlagenden Liebe zur Übersetzerin und Dichterin Anna, mit der er die glücklichsten Jahre verbrachte, bevor sie vor zehn Jahren einem Badeunfall zum Opfer fiel.
Annas Tod hat ein tiefes Loch in seinem Leben hinterlassen, das aller Pragmatismus, alle Selbstironie nicht füllen kann. Denn Anna war wirklich das, was man seine bessere Hälfte nennt. Eines Tages, um sich zu trösten, wagt Sy sich endlich in ihr Arbeitszimmer, das er seit ihrem Tod nicht betreten hat.
Die SWR-Bestenliste für den Januar 2024
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Platz 1: Barbi Marković - "Minihorror"
- Platz 2: Jan Wagner - "Steine & Erden"
- Platz 3: Paul Auster - "Baumgartner"
- Platz 4: Wolf Haas - "Eigentum"
- Platz 5: Karl Ove Knausgard - "Der Wald und der Fluss. Anselm Kiefer und seine Kunst"
- Platz 6: Inger-Maria Mahlke - "Unsereins"
- Platz 7: Thomas Hettche - "Sinkende Sterne"
- Platz 8: Tijan Sila - "Radio Sarajevo"
- Platz 9: Clarice Lispector - "Wofür ich mein Leben gebe"
- Platz 9: Zadie Smith - "Betrug"
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