"Das tiefschwarze Herz" Transphob? - J. K. Rowlings neuer Krimi ruft Kritiker auf den Plan

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Unter dem Pseudonym Robert Galbraith veröffentlicht die umstrittene Bestsellerautorin und Harry-Potter-Erfinderin J. K. Rowlings seit einigen Jahren Krimis. Ihr neuster Wurf trägt den Titel "Das tiefschwarze Herz" und ist seit Mittwoch auch in deutscher Übersetzung erhältlich. Rowling-Kritikerinnen und Kritiker haben sich bereits auf den Roman gestürzt, um Story, Figuren und Abläufe genauestens zu überprüfen und anzukreiden. Schnell wurden sie fündig. Wie transphobisch ist "Das tiefschwarze Herz"?

Unter dem Pseudonym Robert Galbraith hat die Schriftstellerin J.K. Rowlin den sechsten Band ihrer Krimi-Reihe, "Das tiefschwarze Herz", vorgelegt. Das Erscheinen des Buches heizt die Debatte um Rowlings Transfeindlichkeit erneut an. Bild: Daniel Ogren - Flickr (Wikipedia)

J.K. Rowling hat den sechsten Krimi um ihr Ermittler-Team Cormoran Strike und Robin Ellacott veröffentlicht. "Das tiefschwarze Herz" - so lautet der Titel des Buches, dessen deutschsprachige Ausgabe stolze 1360 Seiten umfasst und seit Mittwoch erhältlich ist. Dass Rowling aufgrund ihrer als transfeindlich gelesenen Äußerungen seit einigen Jahren in der Kritik steht, dürfte den Wenigsten entgangen sein. Beschimpfungen gab es zuhauf, Ausgrenzung auch, Bücherverbrennungen selbstverständlich und Morddrohungen - das ganze blumige Arsenal jener, die sich als Vorkämpfer einer der absoluten Wahlfreiheit zugewandten Zukunft verstehen, User, die der Linguist John McWhorter als "Erwählte" bezeichnen und einen gefährlichen, religiösen Fundamentalismus unterstellen würde. Es ist in keinster Weise überraschend, dass Rowlings Kritiker auch in dem neuen Krimi der Autorin transfeindliche Motive zu erkenne glauben. Man würde diese sehr wahrscheinlich in beinahe jedem Buch finden, wollte man es denn um jeden Preis.

Transphobie in "Das tiefschwarze Herz"?

Manch einer wird sich erinnern. Vor etwa zwei Jahren veröffentlichte Rowling den fünften Band ihrer Krimi-Serie - "Böses Blut" - in dem ein Mörder auftrat, der sich seinen Opfern in Damenmantel und mit Frauenperücke nährte. Damals war es dieses Auftreten des Mörders, das Frau-Werden um sich unverdächtig Frauen zu nähern zu können, das Kritikerinnen und Kritiker auf den Plan rief.

Im neuen Roman ist es die Figur der Comicautorin Edie Ledwell, der man Transphobie unterstellt. Tatsächlich spielt Rowling ganz offen mit dem Trans-Thema, wenngleich dieses, unter Berücksichtigung des gesamten Buches, nur eine periphere und für den Plot durchaus unwichtige Stellung einnimmt. Ledwell - die mutmaßlich transphobische Protagonistin - kreiert eine Comic-Serie, die auf Youtube läuft. Eine darin vorkommende Figur ist ein Wurm, den Rowling biologisch korrekt als Zwitter beschreibt. Äußerungen des Wurms, erfahren wir im Buch, werden hier und da als "transphob" beurteilt. Es gibt Beschwerden von "nichtbinären Kids". Am Rande der Geschichte tritt zudem eine Tierrechtlerin auf, der das "Misgendern" einer prominenten Transfrau vorgeworfen wird. Und dann erscheint da noch ein Blogger mit dem programmatischen Namen "Pen of Justice", der sich gegen die Verunglimpfung von "genderfluiden Menschen" stemmt, sich dabei aber zu einem nicht unerheblichen Teil von Rachegelüste leiten zu lassen scheint.

Gesellschaftskritische Elemente

Rowling macht deutlich: Oft verschwindet die eigene Fehlbarkeit hinter der Praxis des permanenten Richtens. Hier, in diesem nur kleinen Zweig der Geschichte, wird deutlich, wie die Autorin die Auseinandersetzungen, mit denen sie in den vergangenen Jahren immer wieder im Netz konfrontiert war, literarisch verarbeitet. Am deutlichsten wird das an der Figur Pen of Justice, dem rigorosen Krieger, der sich tollkühn in Schlacht wirft für das, was er und die seinigen Gerechtigkeit nennen. "Cancel-Culture", sagt der Blogger, sei ein wirksames Instrument, will man gesellschaftliche Veränderungen bewirken.

So sind jene Szenen, die von der Twitter-Kritik als transfeindliche Passagen gelesen werden, tatsächlich als gesellschaftskritische Einlassungen zu verstehen. Fragen nach Selbstgefälligkeit, nach dem eigenen, individuellen Interesse hinter den Rufen nach Gemeinschaft, schließlich nach Doppelmoral.

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