In einem Gespräch mit dem Philosophen Michel Onfray prophezeite der französische Schriftsteller Michel Houellebecq unlängst "umgekehrte Bataclans" und erregte damit nicht nur die französische Öffentlichkeit. "Wenn ganze Gebiete unter islamischer Kontrolle sein werden, nehme ich an, dass es Widerstandskämpfe geben wird.", so Houellebecq. Die Große Pariser Moschee sieht in den Äußerungen des Starautors eine "Aufstachelung zum Hass", und hat sich zur Klage entschieden.
Michel Houellebecq sei ein Autor, der die Leser verachte, sagte die Literaturkritikerin Sigrid Löffler in einem im August geführten Interview mit der NZZ. Es mag Leserinnen und Leser geben, die gerade in dieser Vehemenz, die mit Verbitterung und Ablehnung einhergeht, den großen Reiz des houellebecqschen Werkes sehen. Der Starautor gilt seit Jahrzehnten als das Enfant terrible der europäischen Literatur, als Provokateur, der immer wieder mit groben, sich dem rechtsnationalen annähernden Äußerungen auffällt und sich als ein Künstlertypus gebärdet, der Gespieltes und Authentisches verschwimmen und somit offen lässt, inwieweit Stil- und Regelbruch mythus- und verkaufsfördernde Gründe hat.
"Das Ende des Abendlandes"
Einen neuen Höhepunkt fand dieses Gebärden im Dezember vergangenen Jahres, als Houellebecq gemeinsam mit dem Philosophen Michel Onfray über "Das Ende des Abendlandes" ("Fin de l’Occident?") sprach. Erschienen ist das Gespräch in einer Sondernummer von Onfray´s Magazin "Front populaire", wo es ganze 44 Seiten einnimmt. Im Laufe des Gespräches prognostizierte Houellebecq "umgekehrte Bataclans", sprach von "Attentaten und Schießereien" in Moscheen und in den von Muslimen besuchten Cafés, sollte es soweit kommen, dass "ganze Territorien unter islamistischer Kontrolle" stehen.
Der Wunsch der eingesessenen Bevölkerung sei nicht, "dass die Muslime sich assimilieren, sondern dass sie aufhören, zu stehlen und gewalttätig zu sein", so Houellebecq, der sich bereits in seinem 2015 erschienenen Roman "Unterwerfung" mit dem Szenario einer islamischen Machtübernahme in Frankreich beschäftigt hatte. Man könne bereits feststellen, dass sich die Leute bewaffnen, sich Gewehre besorgen und schießen lernen. Die einzige Möglichkeit ("Überlebenschance"), solch erschreckende Szenarien abzuwenden, besteht für Houellebecq darin, dass der weiße Suprematismus in den USA ,trendy’ wird". Frankreich selbst befinde sich zu sehr im Schlepptau der USA.
Die Große Pariser Moschee hat mit Erschrecken auf die Äußerungen des Starautors reagiert, und nun auf Twitter bekannt gegeben, gegen Houellebecq zu klagen. Man sehe in diesen Aussagen eine "verblüffende Brutalität" sowie "Aufstachelung zum Hass", so Chems-eddine Mohamed Hafiz, Rektor der Großen Pariser Moschee.
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