Die Wiener Schriftstellerin Raphaela Edelbauer erhält den mit 20.000 Euro dotierten Österreichischen Buchpreis für ihren dystopischen Roman "Dave". Bereits zum sechsten Mal wurde am Montagabend der Preis für das beste Buch eines österreichischen oder in Österreich lebenden Autors sowie für das beste Debüt vergeben. In ihrem dystopischen Roman verknüpft Edelbauer den technologischen Fortschritt mit philosophischen Elementen. Dem übergeordnet steht die Frage nach der Vernunft.
Die 31-jährige Autorin Raphaela Edelbauer erhält den Österreichischen Buchpreis für ihren Roman "Dave". Bereits vor zwei Jahren war Edelbauer mit ihrem Erstling "Das flüssige Land" auf der Shortlist vertreten. Damals beschäftigte sie sich mit unzureichender Vergangenheitsbewältigung, insbesondre hinsichtlich der nationalsozialistischen Vergangenheit. In ihrem neuen Buch entwirft sie eine Dystopie, die beinahe keine mehr ist. So knapp stehen wir vor den dort geschilderten Ereignissen, so gut vorstellbar ist die Umsetzung des Beschriebenen.
Im Zentrum steht eine künstliche Intelligenz, "Dave", die noch in der Entwicklungsphase steckt. Klimawandel und Wassermangel haben die Erde zu weiten Teilen unbewohnbar gemacht; knapp 100.000 Menschen sind noch am Leben und fristen ihr Dasein in einer Art Labor. Edelbauer verwebt technologische Ansätze mit philosophischen Überlegungen. Dabei geraten wir als Lesende erschreckend nahe an die Gegenwart heran: Die Lust nach technologischer Erneuerungen erscheint als diktatorisch den Zukunftston angebende Entität. Die philosophischen Überlegungen zur Vernunft werden in kalte Formen gegossen; es wird umgesetzt, nicht gedacht.
Ein Science-Fiction-Roman mit Liebesgeschichte nach den Gesetzen eines Thrillers
In der ausgiebigen Begründung der Jury hieß es: „Wir befinden uns in einer gar nicht fernen Zukunft, das System auf der Erde ist dank ungebremster Klimaerwärmung und extremem Wassermangel kollabiert, in einem ‚Labor‘ knapp über dem Erdboden bilden 118 998 Menschen die vermeintliche Restbevölkerung. Der nicht ganz zuverlässige Ich-Erzähler, der Mathematiker Syz, wird vom dubiosen Laborleiter rekrutiert, um mit seinen Erinnerungen DAVE zu füttern, den in Entwicklung befindlichen Prototyp einer künstlichen Superintelligenz. Raphaela Edelbauer hat mit DAVE einen raffinierten Science-Fiction-Roman mit eingebauter Liebesgeschichte geschaffen, der nach den Gesetzen des Thrillers funktioniert. Dabei unterhält man sich nicht nur, sondern erfährt dank Edelbauers erstaunlicher Belesenheit viel über philosophische Debatten, Bewusstseins- und Gedächtnisforschung, Informatik und lernende Systeme, deren Heilsversprechen die Autorin spürbar misstraut. Denn der Weg zu einer schmerzlosen und total vernünftigen Gesellschaft nach dem Ebenbild des Computers führt durch Überwachung und Repression. Edelbauer erzählt elegant und pointiert, mit galligem Witz, Lust an der Anspielung und immer wieder verblüffenden Wendungen von der Ohnmacht des einzelnen in einer Diktatur der Weltverbesserer.“
Zur Autorin
Die 1990 geborene Raphaela Edelbauer studierte nach dem Matura Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst in Wien und Philosophie an der Universität Wien. Zwischen ihren Büchern, erklärte Edelbauer während der Preis-Verleihung, nehme sie sich nicht sonderlich viel Zeit. Sie versuche aus jedem Buch etwas zu lernen und an den damit einhergehenden Aufgaben zu wachsen.
Edelbauer wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Rauriser Literaturpreis 2018 und, im selben Jahr, mit dem Publikumspreis des Bachmannpreises. Ihr Debütroman "Das flüssige Land" war für den Deutschen Buchpreis nominiert.
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