Der Berliner Thriller-Star spart auch in seinem neuen Roman nicht mit blutigen Horrorszenen. Doch Fitzek glaubt nicht, dass seine Leser morbide sind - im Gegenteil.
Sebastian Fitzek hat es geschafft: In der zweiten Woche nach Erscheinen von "Das Joshua-Profil" hat der Thriller-Autor Charlotte Links "Die Betrogene" an der Spitze der Krimi- und Thrillercharts von Amazon.de abgelöst.
Dass der Berliner in seinen Werken gerne mal das Blut fließen lässt, ist bekannt. Doch Sebastian Fitzek glaubt nicht, dass seine Leser aus Lust an der Gewalt zu seinen Büchern greifen.
"Menschen, die gerne Krimis lesen, haben ja weniger Interesse an dem Tod, als vielmehr am Leben", sagt Fitzek. "Die meisten fiebern ja nicht dem Tod des Helden entgegen und freuen sich, wenn er dann endlich den Löffel abgegeben hat, sondern sie fiebern seinem Überleben entgegen. Und diesen archaischen Urinstinkt, diesen Selbsterhaltungstrieb, den hat es schon immer gegeben. Und so gesehen, ist das Interesse am Leben - und damit auch das Interesse an der Auseinandersetzung mit dem Tod - nicht neu."
Reale Gewalt wirkt im Roman unrealistisch
Tatsächlich glaubt der Autor sogar, dass eine fiktive Geschichte schon aus Sachzwang weniger brutal als die Wirklichkeit ist.
"Angst machen mir nie meine Bücher, sondern immer nur das Leben. Keine Fiktion, die ein Autor sich ausdenkt, kann die Grausamkeit der Realität toppen. Da braucht man einfach nur die Zeitung aufzuschlagen. Und dann liest man die unvorstellbare Nachricht von 71 Flüchtlingen, die wirklich in einem kleinen Transporter verrecken. Hätte ich mir das ausgedacht und in einem Buch verarbeitet, hätte mir meine Lektorin an den Rand geschrieben: „71 Menschen? Die passen doch da gar nicht rein!“ Das ist tatsächlich so unvorstellbar grausam, dass wir Thriller-Autoren häufig gezwungen sind, die Realität abzumildern, damit sie uns in der Fiktion geglaubt wird."
Dabei ist "Das Joshua-Profil" der Roman, beim dem sich Fitzek noch mehr Mühe bei der Charaktere-Gestaltung gegeben hat. immerhin ist der Held Max Rhode ebenfalls Schriftsteller.
"Am nächsten steht mir natürlich Max Rhode als Autor, der einen ähnlichen Arbeitstag hat, der auch Familienvater ist und mit ähnlichen Problemen konfrontiert ist wie ich", sagt Sebastian Fitzek. "Seine Beziehung, die er zu seiner Frau hat, ist jetzt nicht ganz so wie meine - da bin ich etwas glücklicher dran als er. Aber das ist die Figur, in die ich am meisten hineingepackt habe. Aber es ist auch das erste Mal, dass ich sie alle mag. Ich mag alle Figuren, selbst die, die ich hasse. Selbst mit denen möchte ich mich gerne treffen."
Predictive Policing: Die Zukunft ist schon da
"In dem Film Minority Report wurde behauptet, dass man in ferner Zukunft Verbrechen vorhersehen kann, bevor sie geschehen. Die wenigsten Menschen wissen, dass sich diese Science-Fiction-Vision sehr viel früher und auf viel unspektakulärere Weise erfüllt hast. Es ist jetzt schon möglich, anhand der Datenspuren, die wir durch unser Leben ziehend, durch das Internet, Kreditkarten, die wir benutzen, Überwachungskameras, die uns sehen, Dinge, die wir auf Facebook beispielsweise freiwillig posten, es ist also möglich, in gewissen Bahnen unser Leben vorherzusagen. Die Polizei in den USA verfügt beispielsweise bereits über Mittel und Wege, Verbrechern auf die Spur zu kommen, bevor sie ihre Taten begehen."
"Wie wäre es denn, wenn es wirklich möglich wäre, einen Vergewaltiger vor seiner Tat zu stoppen?", fragt Fitzek. "Wollen wir das? Wollen wir vielleicht zehn Frauen oder auch Männer retten und dafür in Kauf nehmen, ein oder zwei Unschuldige über die Klippe springen zu lassen? Das ist die zentrale Frage des Buchs."
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