Flüchtlinge; Menschen verschiedener Hautfarben; Bildung; Vorstädte, die in Paris brennen und Chancengleichheit - Ungerechtigkeiten: Das sind nur ein paar Schlagwörter, mit denen man den Debütroman von der jungen Marokkanerin Saphia Azzeddine, die mit 9 Jahren nach Frankreich kam, umschreiben könnte.
Worum geht’s?
Der 14-jährige Paul wohnt in den Pariser Banlieues, den Betonburgen am Rande der französischen Metropole. Zwischen Afrikanern, Arabern, wenigen Weißen. Die Jungs alle cool, die Mädchen oft „Schlampen“ – wie seine Schwester.
Paul ist nichts von allem, weder schwarz noch „Gangsta“. Paul leidet unter seinem weißen gleichförmigen Unterschichten-Dasein.. Zu gern wäre er ein Araber – inmitten einer Großfamilie. Pauls Mutter ist faul und trinkt; sein Vater ist „Putzfrau“. Und Paul muss immer mit. Aber Paul soll mehr erreichen als sein Vater, nicht nur „öfter den Boden als den Himmel im Blick zu haben, was dich nicht daran hindert, trotzdem in die Scheiße zu treten“.
Vater und Sohn lieben sich. Sehr sogar, und das ist an manchen Stellen fast zum Weinen. Und wenn der Vater in einer Bibliothek putzt liest Paul die Klassiker. Und drückt sich danach oft sehr gewählt aus. Das macht ihn in seinem Umfeld noch stärker zum Außenseiter. Ein Umfeld, geprägt von Tristesse, Chancenlosigkeit, auch Themen wie sexueller Missbrauch und Sodomie werden nicht ausgespart. Von der Autorin hart und schonungslos erzählt.
Am Ende des Romans schafft Paul nahezu als einziger aus seinem Umfeld das Abitur – irgendwie. „Die Farbpalette wird zusehends heller beim Übergang in die 1. Klasse. Nur eine Handvoll Überlebender ist verschont worden.“ Ein Happy-End. Nicht wirklich.
Man schlägt das Buch nicht glücklich und zufrieden zu. Zurück bleiben ein fader Nachgeschmack und das Gefühl der zum Himmel schreienden Ungerechtigkeit des Lebens.
Wagenbach, K; Auflage: 1 (27. Januar 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3803132703
ISBN-13: 978-3803132703
Originaltitel:Mon père est femme de ménage
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