Was du siehst von Laura Maaß ist ein stiller, warmherziger Roman über Zugehörigkeit, zweite Chancen und die Langzeitwirkung kleiner Entscheidungen. Die Handlung beginnt 1967 und spannt sich bis 2010; Bühne ist ein Dorf in Mecklenburg nahe der Elbe – weit weg von großen Gesten, aber nah an echten Gefühlen. Der Roman ist Maaß’ Debüt und erscheint bei Gutkind; die deutschsprachigen Händler verorten das Buch als „mitreißenden Liebesroman“ mit historischer Färbung.
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Handlung von Was du siehst
Ruth ist jung, schwanger – und nach dem plötzlichen Verschwinden des Mannes, den sie liebt, allein. Sie verlässt Ost-Berlin und landet in einem kleinen Dorf nahe der Elbe. Dort trifft sie Hannah, wittrig warmherzig, und weitere Dorfbewohner, die mit knappen Worten viel tragen. Diese Ankunft ist kein Wundermoment, sondern ein allmähliches Ankommen: Arbeit, Hilfe, Blicke, die mehr sagen als Reden. Parallel wachsen Jule (Ruths Tochter) und Andi (Hannahs Sohn) gemeinsam auf – sie spielen am Brack, laufen durch die Kiefernwälder, erfinden Zukunft. Aus Freundschaft wird Liebe.
Doch die Vergangenheit ist nie weg: Die DDR-Jahre, familiäre Geheimnisse und unerfüllte Sehnsüchte verlangen Entscheidungen, die noch 2010 nachhallen. (Öffentlich zugängliche Klappentexte bestätigen die Zeitachse 1967–2010sowie die Figurenkonstellation um Ruth, Hannah, Jule und Andi im Dorf an der Elbe.)
Zugehörigkeit, Mut, die stille Politik des Alltags
Zugehörigkeit statt Zuckerguss: Der Roman zeigt Zugehörigkeit als Vorgang: Man wächst hinein, man scheitert daran, man probiert es neu. Das Dorf ist nicht Kitsch, sondern Katalysator – Nähe bedeutet auch, gesehen zu werden, mit allem Schönen und Schweren.
Liebe über Generationen: Ruth und Hannah tragen eine Erwachsenenliebe mit Ecken; Jule und Andi erleben das Erste-Mal-Groß. Der Text verschränkt beide Ebenen, ohne eine zur Folie der anderen zu degradieren.
Nachbarschaft als Sozialvertrag: Hilfe, die nicht fragt; Schweigen, das schützt – und manchmal verletzt. Maaß modelliert eine Mikroethik aus Gesten, in der Scham, Stolz und Dankbarkeit verhandelt werden.
Geschichte im Nahformat: Die DDR-Gegenwart und die Zeit nach der Wende sind nicht Dekor, sondern Handlungsdruck: Mobilität, Geld, Hoffnung – all das trifft die Figuren spürbar, ohne dass der Roman zur Zeitgeschichtslektion wird. Leserstimmen beschreiben genau diese leise, aber präzise Erzählhaltung.
Warum dieser Roman jetzt funktioniert
In der gegenwärtigen Belletristik haben sich „Heimat“-Stoffe weiterentwickelt: weniger Nostalgie, mehr milieuscharfe Beobachtung. Was du siehst folgt dieser Linie – die Mecklenburger Elbregion (teils als „Griese Gegend“ bezeichnet) wird nicht als Postkarte gezeigt, sondern als Lebensrealität, in der Liebe, Arbeit und Erinnerung um Platz ringen. Händler- und Pressetexte heben genau diesen Ortsklang hervor; selbst NDR-O-Töne loben die Hommagestimmung an Landschaft und Menschen.
Lakonisch, warm, szenisch
Maaß’ Prosa ist nahbar: kurze bis mittlere Kapitel, szenische Miniaturen (Ufer, Küche, Werkstatt), Dialoge, die mit Zwischentönen arbeiten. Statt großer Monologe setzt der Text auf Gegenstände und Rituale – Tischdecken, Wege, Feste – aus denen Sinn entsteht. Rezensenten beschreiben die Wirkung als „leise, atmosphärisch, doch zutiefst berührend“; man blättert zügig, weil die Kapitel rhythmisch atmend gebaut sind.
Für wen eignet sich „Was du siehst“?
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Für Leserinnen und Leser, die Liebesgeschichten mit Zeit- und Ortsbindung mögen – Gefühl ohne Kitsch, Historie ohne Thesenhammer.
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Für Buchclubs, die über Zugehörigkeit, Schuld und Vergebung sowie die Ethik kleiner Entscheidungendiskutieren wollen.
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Für alle, die Ost-West-Biografien und Generationenbögen gern im Nahformat lesen.
Stärken & mögliche Schwächen
Stärken
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Atmosphäre mit Bodenhaftung: Das Dorf an der Elbe ist Mitfigur – erkenntlich und glaubwürdig, nie dekorativ.
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Mehrstimmiges Figurenensemble: Von Ruth und Hannah bis Jule und Andi wirken die Entwicklungen konsequent; selbst Nebenfiguren erhalten Kontur. Leserstimmen betonen die Figurentiefe.
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Leise Spannung: Kein Thriller-Pacing – und doch stetige Erwartungskurve: Was bleibt unausgesprochen? Was hält? Was zerbricht?
Mögliche Schwächen
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Zurückgenommenes Tempo: Wer dramatische Höhepunkte im Zwei-Kapitel-Takt erwartet, könnte die ruhige Gangart als langsam empfinden.
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Vertraute Topografie: Ankommen – Aufwachsen – Rückkehr – diese Stationen sind klassisch; der Roman lebt von Figur und Ton, nicht von Überraschungsarchitektur.
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Offene Kanten: Einige Konflikte bleiben andeutungsreich statt final ausgehandelt – je nach Lesetyp ein Plus (Authentizität) oder ein Minus (Unschärfe).
Ein Roman, der sieht, statt zu belehren
Was du siehst ist kein Show-Roman, sondern ein aufrichtiges Stück Gegenwartsliteratur über Liebe, Herkunft und die Geduld, die beides verlangt. Laura Maaß vertraut ihren Figuren – und den Lesern. Wer das klingende Stillleben aus Fluss, Dorf, Wald und Werkbank mag, wird reich belohnt: mit einer Geschichte, die leise beginnt und lange nachklingt. Klare Leseempfehlung – besonders für Leser, die den Sinn für Zwischentöne schätzen und literarische Ortsatmosphärelieben.
Über die Autorin – Laura Maaß
Laura Maaß, aufgewachsen in Schwerin, arbeitet in der Unternehmenskommunikation. Was du siehst ist ihr erster Roman. In den Paratexten betont sie, dass Schreiben für sie eine Möglichkeit ist, sich mit familiären Wurzeln und den zwischenmenschlichen Herausforderungen des Alltags auseinanderzusetzen – genau das spürt man in Ton und Thema des Buches.
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