Olaf Zeidler: Wintermärchen in der Fassung von 1990

Vorlesen

Es war einmal ein liebes Kind, das machte alles recht geschwind sehr artig und
fast ungefragt, so wie die Eltern streng gesagt. Zu Großmut wurd` es oft
verdammt und schlicht das „gute Volk“ genannt. Bis eines düst`ren Tages
dann zur Abendstunde laut begann, das Kind zu schrein` als wär es krank, die Mutter
an – ganz ohne Dank. Sie wurde auch – wer hat`s erkannt – recht ehrfürchtig
„Partei“ genannt. Der Vater wollte nicht verzagen, dem Kind ganz laut die
Meinung „sagen“. Doch Mutter hielt ihn schlau zurück: „Bei Wut bringt das sehr
wenig Glück.“ So hielt der Mann sich an den Rat – man nannte ihn auch ängstlich „Staat“. Die Eltern in dem Kämmerlein, beschlossen kurz ne` „Wende“
– fein. Bevor das Kind war hell und wach und hätt` gemacht erst richtig Krach,
man holte schnell die Schlüssel vor und stieß ihm auf das große Tor. Als
staunend es die Welt beschaut, wurd` mancher Ärger abgebaut. Man hatte Zeit
und konnt` in Ruh verstecken das was in der Truh` bewiesen hätt`- wie
unbedacht – der Eltern böse Machenschaft.

Und heute?

Zwölf Jahre gab`s den D-Markschein, dann kam das schöne Eurolein. „Oh Kind –
was hat es dir gebracht? Sind jetzt die Richt´gen an der Macht?“…


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