Jury hat entschieden "Pushback" ist das Unwort des Jahres 2021

Zum 31. Mal haben Sprachwissenschaftler das "Unwort des Jahres" gekürt. Gewonnen hat der Begriff "Pushback" ("zurückdrängen). Im Migrationsdiskurs wird dann von "Pushbacks" gesprochen, wenn Flüchtende an europäischen Grenzen zurückwiesen und am Grenzübertritt gehindert werden. Die Jury kritisiert die unreflektierte Verwendung des Begriffes, "weil mit ihm ein menschenfeindlicher Prozess beschönigt wird, der den Menschen auf der Flucht die Möglichkeit nimmt, das Menschen- und Grundrecht auf Asyl wahrzunehmen."

Sprachwissenschaftler haben den Begriff "Pushback" zum "Unwort des Jahres 2021" gekürt. Bild: Pixabay (Symbolbild)

Der Ausdruck Pushback ist das "Unwort des Jahres". "Unterschiedliche PolitikerInnen, JournalistInnen und Organisationen verwendeten im Jahr 2021 den Ausdruck in Debatten zur Einwanderung über die europäischen Außengrenzen.", heißt es in der Bekanntgabe der Jury. Der Begriff Pushback beschönige als Fremdwort einen menschenfeindlichen Prozess, der Fluchtsuchende die Möglichkeit nehme, ihr Menschen- und Grundrecht auf Asyl wahrzunehmen. Nicht nur Befürworter, sondern auch Kritiker der Maßnahmen würden den Ausdruck unreflektiert benutzen, und somit zur Verschleierung der mit dieser Praxis einhergehenden Gewalt beitragen.

 

"Sprachpolizei" auf Platz 2

Auf Platz zwei folgt der Begriff "Sprachpolizei", der Menschen diffamiert, die sich für "einen angemessenen, gerechteren und nicht-diskriminierenden Sprachgebrauch einsetzen, der bisher benachteiligte und ausgegrenzte Gruppen sprachlich einschließt." Der Begriff sei irreführend, urteilt die Jury, da er suggeriere, dass es eine "exekutive Instanz" gebe.

Auf Platz 3: "Vergleiche mit dem Nationalsozialismus"

Auf Platz 3 versammeln sich sämtliche Vergleiche, die im Zuge von Corona-Demonstrationen von ImpfgegnerInnen getätigt wurden, um einen Zusammenhang zwischen den Maßnahmen gegen die Covid-19-Pandemie und der nationalsozialistischen Diktatur herzustellen. Unter den Einreichungen befanden sich beispielsweise Ausdrücke wie "Impfnazi" oder "Ermächtigungsgesetz" (als Umschreibung für das Infektionsschutzgesetz). Die Verwendung solcher Ausdrücke führe zu einer "Verharmlosung des Nationalsozialismus, zur Verhöhnung der Opfer der nationalsozialistischen Diktatur und in manchen Fällen zu einer Opfer-Täter-Umkehr."

Das persönliche Unwort des Gastjurors Harald Schumann

Gastjuror war in diesem Jahr der Journalist Harald Schumann. Schumanns persönliches "Unwort des Jahres" ist der Begriff Militärschlag. Dabei handle es sich um eine "zutiefst euphemistische Bezeichnung für einen aggressiven kriegerischen Akt." Seit Jahrzehnten würden sich Politikerinnen und Politiker dieses Ausdrucks bedienen, um Bombenangriffe, Artillerie- oder Raketenbeschuss zu verschleiern, "bei denen die Aggressoren skrupellos den Tod unschuldiger und zumeist auch unbewaffneter Opfer in Kauf nehmen."

Weitere Einreichungen

Für Das Jahr 2021 erhielt die Jury insgesamt 1308 Einsendungen. von 454 verschiedenen Begriffen entsprachen jedoch nur knapp 45 den Unwort-Kriterien der Jury. Unter den häufigsten Einsendungen, die allerdings nicht den Kriterien entsprachen, befanden sich:

  • boostern (22x)
  • Covidiot (20x)
  • Eigenverantwortung (14x)
  • Gendersternchen (16x)
  • illegaler Kindergeburtstag (71x)
  • Impfangebot (13x)
  • Impfdurchbruch (13x)
  • Impfdrängler (11x)
  • Impfverweigerer (11x)
  • Pandemie der Ungeimpften (16x)
  • Querdenker (47x)
  • systemrelevant (24x)
  • Tyrannei der Ungeimpften (287x)
  • Ungeimpft(e) (21x)
  • Verweilverbotszone (30)

 
Gefällt mir
1