Zum 31. Mal haben Sprachwissenschaftler das "Unwort des Jahres" gekürt. Gewonnen hat der Begriff "Pushback" ("zurückdrängen). Im Migrationsdiskurs wird dann von "Pushbacks" gesprochen, wenn Flüchtende an europäischen Grenzen zurückwiesen und am Grenzübertritt gehindert werden. Die Jury kritisiert die unreflektierte Verwendung des Begriffes, "weil mit ihm ein menschenfeindlicher Prozess beschönigt wird, der den Menschen auf der Flucht die Möglichkeit nimmt, das Menschen- und Grundrecht auf Asyl wahrzunehmen."
Der Ausdruck Pushback ist das "Unwort des Jahres". "Unterschiedliche PolitikerInnen, JournalistInnen und Organisationen verwendeten im Jahr 2021 den Ausdruck in Debatten zur Einwanderung über die europäischen Außengrenzen.", heißt es in der Bekanntgabe der Jury. Der Begriff Pushback beschönige als Fremdwort einen menschenfeindlichen Prozess, der Fluchtsuchende die Möglichkeit nehme, ihr Menschen- und Grundrecht auf Asyl wahrzunehmen. Nicht nur Befürworter, sondern auch Kritiker der Maßnahmen würden den Ausdruck unreflektiert benutzen, und somit zur Verschleierung der mit dieser Praxis einhergehenden Gewalt beitragen.
"Sprachpolizei" auf Platz 2
Auf Platz zwei folgt der Begriff "Sprachpolizei", der Menschen diffamiert, die sich für "einen angemessenen, gerechteren und nicht-diskriminierenden Sprachgebrauch einsetzen, der bisher benachteiligte und ausgegrenzte Gruppen sprachlich einschließt." Der Begriff sei irreführend, urteilt die Jury, da er suggeriere, dass es eine "exekutive Instanz" gebe.
Auf Platz 3: "Vergleiche mit dem Nationalsozialismus"
Auf Platz 3 versammeln sich sämtliche Vergleiche, die im Zuge von Corona-Demonstrationen von ImpfgegnerInnen getätigt wurden, um einen Zusammenhang zwischen den Maßnahmen gegen die Covid-19-Pandemie und der nationalsozialistischen Diktatur herzustellen. Unter den Einreichungen befanden sich beispielsweise Ausdrücke wie "Impfnazi" oder "Ermächtigungsgesetz" (als Umschreibung für das Infektionsschutzgesetz). Die Verwendung solcher Ausdrücke führe zu einer "Verharmlosung des Nationalsozialismus, zur Verhöhnung der Opfer der nationalsozialistischen Diktatur und in manchen Fällen zu einer Opfer-Täter-Umkehr."
Das persönliche Unwort des Gastjurors Harald Schumann
Gastjuror war in diesem Jahr der Journalist Harald Schumann. Schumanns persönliches "Unwort des Jahres" ist der Begriff Militärschlag. Dabei handle es sich um eine "zutiefst euphemistische Bezeichnung für einen aggressiven kriegerischen Akt." Seit Jahrzehnten würden sich Politikerinnen und Politiker dieses Ausdrucks bedienen, um Bombenangriffe, Artillerie- oder Raketenbeschuss zu verschleiern, "bei denen die Aggressoren skrupellos den Tod unschuldiger und zumeist auch unbewaffneter Opfer in Kauf nehmen."
Weitere Einreichungen
Für Das Jahr 2021 erhielt die Jury insgesamt 1308 Einsendungen. von 454 verschiedenen Begriffen entsprachen jedoch nur knapp 45 den Unwort-Kriterien der Jury. Unter den häufigsten Einsendungen, die allerdings nicht den Kriterien entsprachen, befanden sich:
- boostern (22x)
- Covidiot (20x)
- Eigenverantwortung (14x)
- Gendersternchen (16x)
- illegaler Kindergeburtstag (71x)
- Impfangebot (13x)
- Impfdurchbruch (13x)
- Impfdrängler (11x)
- Impfverweigerer (11x)
- Pandemie der Ungeimpften (16x)
- Querdenker (47x)
- systemrelevant (24x)
- Tyrannei der Ungeimpften (287x)
- Ungeimpft(e) (21x)
- Verweilverbotszone (30)
Topnews
Unser Geburtstagskind im Juli: Franz Kafka und die Kunst, sich nicht zurechtzufinden
Unser Geburtstagskind im Juni: Thomas Mann und die brüchige Ordnung der Welt
Unser Geburtstagskind im Mai: Novalis - Die Blaue Blume und die Wiederverzauberung der Welt
Unser Geburtstagskind im April: Samuel Beckett
Unser Geburtstagskind im März: Heinrich Mann
Unser Geburtstagskind für den Wintermonat Februar: Gertrude Stein
Ein Geburtstagskind im Januar: Edgar Allan Poe – Dichter der Struktur und des Schreckens
Geburtstagskind im Dezember – Emily Dickinson
Ein Geburtstagskind im November: Astrid Lindgren
Geburtstagskind im Oktober: Benno Pludra zum 100. Geburtstag
Das Geburtstagskind im September: Roald Dahl – Der Kinderschreck mit Engelszunge
Ein Geburtstagskind im August: Johann Wolfgang von Goethe
Hans Fallada – Chronist der kleinen Leute und der inneren Kämpfe
Ein Geburtstagskind im Juni: Bertha von Suttner – Die Unbequeme mit der Feder
Ein Geburtstagskind im Mai: Johannes R. Becher
Ein Geburtstagskind im April: Stefan Heym
Ein Geburtstagskind im März: Christa Wolf
Bertolt Brecht – Geburtstagskind im Februar: Ein literarisches Monument, das bleibt
Wie Banksy die Kunst rettete – Ein überraschender Blick auf die Kunstgeschichte
Vor 75 Jahren starb Heinrich Mann: Jahrestagung widmet sich seinem Henri-Quatre-Roman
Ein Geburtstagskind im Januar: Franz Fühmann
Die 100 wichtigsten Werke der letzten 100 Jahre: Clemens Meyer in der SPIEGEL-Auswahl
Markus Thielemann: "Von Norden rollt ein Donner”
Stephan Malinowski erhält Deutschen Sachbuchpreis 2022 für sein Werk „Die Hohenzollern und die Nazis"
Henri Nannen: Der reiche Jude, der leidende Soldat, der deutsche Qualitätsjournalismus
Anne Frank: Eine generationsübergreifende Identifikationsfigur
"Der Verrat an Anne Frank": Verlag entschuldigt sich und stellt Buch-Druck ein
Carolin Emcke erhält den Carl-von-Ossietzky-Preis
Einer muss doch anfangen! Das Leben der Sophie Scholl
In Erinnerung an Marcel Reich-Ranicki: ZDF zeigt große Doku
Denn, die Sprache stirbt nicht
In Erinnerung an Günter Grass
Costa-Buchpreis geht an Jack Fairweathers Buch über Auschwitz
Kinder- und Jugenbuchautorin Gudrun Pausewang gestorben
Aktuelles
Böse Stunde von Catherine Shepherd – Wenn die Zeit zur Tatwaffe wird
Hotlist 2026: Dreißig Bücher gegen die Gleichförmigkeit
Als wir träumten von Clemens Meyer
Donald Duck im Ruhrgebiet: Micky Maus Magazin 17/26 schickt die Kult-Ente auf eine außergewöhnliche Reportage
Stuttgarter Buchwochen 2026 setzen auf Bestseller, Leseförderung und neue Formate
Julia Bielenberg über Bildung: Die erste Schule heißt Familie
Shortlist zum Deutschen Kinderbuchpreis 2026 veröffentlicht: Zehn Bücher hoffen auf die Auszeichnung
Monika Helfer ist tot
Deutscher Buchpreis 2026: Die SWR-Favoriten stehen fest
Elle Kennedy: Das Phänomen ihres Erfolges – warum ihre Romane eine Generation erreichen
Amazon Charts Belletristik: Harry Potter dominiert die meistgelesenen Bücher – Freida McFadden erobert die Verkaufscharts
Die Psychiaterin von Freida McFadden: Ein Haus voller Stimmen – und keine davon sagt die ganze Wahrheit
Maggie Nelson: The Slicks – Sylvia Plath, Taylor Swift und die Erfindung weiblicher Genialität
Nachtschatten von Kristina Ohlsson: Ein atmosphärischer Schwedenkrimi zwischen Familiengeheimnissen und tödlichen Wahrheiten