Einsamkeit

Vorlesen

Alleine sein ist etwas anderes als einsam sein. Man kann noch so viele Menschen in seinem Leben haben, und dennoch ... einsam sein. Die letzten Wochen ging es mir schnell besser. Alles hat sich so stark nach Fortschritt angefühlt. Jetzt sitze ich im Bett und verliere all die positiven Gefühle, ich werde schlapp und mein Gesicht hat keinen Blick mehr. Ich kann nicht beschreiben was gerade los ist. Ich fühle mich einsam. Einsam. Obwohl ich geliebt werde von mehr als genügend wunderbaren Menschen.

Ich habe fast den Gedanken daran verloren. Fast vergessen, dass es wieder passieren könnte. Dass ich wieder falle. Jetzt merke ich, dass es passiert, wenn man am wenigsten daran denkt. Ich höre Musik und treibe aus dem Leben, treibe so schnell, dass ich Angst haben muss, das Ufer zu verlieren. Ich habe gefühlt meine gesamte Kraft während der letzten Wochen aufgebraucht. Nichts ist mehr da. Ich habe viele Fortschritte gemacht. Seitdem ich wieder in die Therapie gehe, habe ich gelernt, wie ich mit Menschen umgehen muss die ich liebe. Dennoch würde ich gerade am liebsten alles vergessen und so weit hinaus rudern, dass ich mich nicht mehr finde. Kein Ufer mehr.

Genau vor einem Jahr wurde ich vergewaltigt. Und noch immer frage ich mich, ob es überhaupt so schlimm war. Ob ich es so nennen sollte. Wenn ich sehe, dass meine Freunde schon ganz anderes haben durchmachen müssen, fühle ich mich nicht berechtigt zu behaupten, ich hätte Probleme. Dennoch habe ich sie. Und davon nicht wenig. Jeder geht anders mit Situationen um. Man kann nicht behaupten, die Einen hätte es schlimmer getroffen. Jedem geht es auf eine andere Weise schlecht, wegen den verschiedensten Sachen und trotzdem: Wir alle tragen Schmerzen mit uns.

Und ich vermisse die Zeit von damals. Die Zeit, an die ich mich zurückerinnern kann. In der man gefallen ist und das ganze Knie blutete und in der es am Wichtigste war, nicht gefangen zu werden. Ich vermisse die Zeiten, in denen ich zum Einschlafen nur ein Hörspiel gebraucht habe; die Zeit, in der ich noch nicht nachvollziehen konnte, warum Menschen sich selbst verletzen. Genau in diesem Moment, jetzt, wo der Satz ausgeschrieben ist und ich mich selbst daran erinnere, was ich mit meinem Körper mache, würde ich am liebsten genau das tun, womit ich besser nie hätte anfangen sollen. Wenn ich mir Bilder von damals anschaue, Bilder, auf denen meine Arme und Beine so aussahen wie die aller anderen, dann bemerke ich erschrocken, wie schnell sich alles wenden kann. Die erste Träne fließt beim lesen dieser Worte. Ich möchte doch einfach nur keine Angst mehr haben müssen. Keine Angst mehr davor, mir das Leben nehmen zu wollen.


Gefällt mir
6
 

Weitere Freie Texte

Freie Texte

Future dreams

Maria Angelina Heinz

Another morning, a peaceful night You wake up lips in a smile The perfect picture of a life... I wake up and curse the day Living life not yet my way Barely managed to survive. You walk down the sunny street Playing life and you succeed Forming fate tob e your dream I ́m still going with the flow Learning night shifts in a row In my head a silent scream. There ́s this dream to grow beyoun ourselves Passion, goals and feeling free to believe Sunset dances and our hearts content Wind in our sails, ...
Freie Texte

Requiem of the night

Maria Angelina Heinz

A moonless sky, a shadows kiss Far away from heavens lights There in my very own abyss Its requiem the darkness writes. Instead of tones fine drops of blood My mind long gone, my feelinds dead I ́m lying face down in the mud, No strength to raise my bloody head. Darkness is good, darkness is kind The cold, once enemy, now friend In my lost and twisted mind My paradise has found its end. The deepest can fall kings and queens It hurts like hell, I can ́t pretend But that pain makes me spread my ...
Freie Texte

Running away with the bad boy

Maria Angelina Heinz

You were good, you were kind, You were everything I needed. You had made up your mind, You played fair and never cheated. A sensible gentleman Like my parents always prayed for. I did not take your hand, Someone shook my heart right to the core. “Stay away from my girl”, he said. Is this something I will regret? Throwing safety away for joy, I ran away with the bad boy. He was bold, he was wild, But for me he calmed his temper. Once we had our first child He quit smoking, lost all anger. He was ...
Freie Texte

Leben, nicht leben

Rose

Du willst nicht leben, du willst leben. Nicht Tag nach Tag Und nicht Ausatmen nach Ausatmen Sondern jeden Tag als Chance sehen Jeden Atemzug nutzen um in die Welt zum schreien, dass du leben willst. Er will nicht leben, er will leben. Nicht leere Worte Und nicht Schritt nach Schritt Sondern jedes Wort aus dem Herzen ziehen Jeden Schritt nutzen um zu laufen und in die Welt zu schreien, dass er leben will. Ich wollte nicht leben, ich wollte leben. Ich sehe euch von meinem Platz aus Sehe wie ihr ...
Freie Texte

Karussell der Gedanken

Jessica Ebenrecht

Manchmal, Wenn das Karussell der Gedanken sich dreht Ein herabziehender Strudel entsteht Der Wind urplötzlich anders weht Und man keinen Ausweg mehr sieht Gedanken sind nicht die reale Welt Aus einem werden zwei, aus zwei dann drei Sie gaukeln uns vor, was uns nicht gefällt Nehmen uns viel, sind dann nicht mehr frei Dabei wird alles vermischt zu einem Einheitsbrei Sie halten uns fest, mit Starrsinn und "Recht" Und füttern unsere Sorgen, Ängste und Kummer Wohl wissend, diese sind nicht echt ...

Aktuelles