Ariane Koch hat mit ihrem Debüt-Roman "Die Aufdrägnung" einen Text vorgelegt, der, ungewöhnlich wie bildgewaltig, den Versuch unternimmt, ein Traumata mittels der Sprache zu verarbeiten. Was uns hier zunächst befremdlich und unbekannt erscheint, wird bald schon zum halt gebenden Anderen. Nun wurde der Roman mit dem diesjährigen, 42. "aspekte"-Literaturpreis des ZDF ausgezeichnet.
Ariane Koch erhält den diesjährigen "aspekte"-Literaturpreis des ZDF. Ihr Buch "Die Aufdrängung" überzeuge als hochdiffiziles Sprachbild, heißt es in der Begründung der Jury. "Eine Frau ringt mit einem ungebetenen, unbekannten, unerklärten Gast und der Projektionsfläche ihrer selbst, die diese Auseinandersetzung ihr eröffnet. In Kochs leichter, präziser und doch traumsicherer Sprache entstehen so Szenen, die – wie im absurdem Theater – erst gar keinen und dann einen gewaltigen Sinn zu ergeben scheinen. Derrida hat, als er von Gastfreundschaft schrieb, festgehalten, die absolute Gastfreundschaft bedeute, sein Zuhause zu öffnen: nicht nur dem Fremden, sondern auch dem Unbekannten, anderen "Statt zu geben" ohne von ihm eine Gegenseitigkeit zu erwarten. Koch variiert diese postmoderne Utopie des 'sich öffnen' dem Unbekannten gegenüber literarisch gekonnt in ihrem beeindruckenden Debüt."
"Die Aufdrängung"
"Die Aufdrägnugn" erzählt von dem eben noch Unbekannten als neue Bekanntschaft und Chance zugleich. Ariane Koch zeigt, dass das Eindringen überflüssig wird, wenn das Gegenüber bereit ist, die Türen zu öffnen. Auf mehreren Böden stellt dieses Debüt Bilder bereit, die aufeinander bezogen und in Verhältnis gebracht werden können. Immer jedoch, steht dabei das Menschliche und Zwischenmenschliche im Mittelpunkt; die an sich selbst gestellte Aufgabe, Ängste zu überwinden, um das Neue zuzulassen.
Ankündigung: "Eine junge Frau fristet ihr Dasein in einem zu großen Haus in einer zu kleinen Stadt neben einem dreieckigen Berg. Als dort ein Gast auftaucht, nimmt sie ihn kurzerhand bei sich auf. Der Gast ist ihr so vielversprechend neu wie fremd und wird schnell zum einnehmenden Mittelpunkt, aber auch Opfer inquisitorischer Machtfantasien. Bis er den Fängen der zunehmend obsessiven Hausherrin schließlich entkommt und sie selbst, wieder allein, eine lang ersehnte Reise antritt und nun ihrerseits zur Gästin wird."
Die Autorin
Ariane Koch wurde 1988 in Basel geboren. Sie studierte u. a. Bildende Kunst und Interdisziplinarität. Sie schreibt – auch in Kollaboration – Theater- und Performancetexte, Hörspiele und Prosa. Die entstandenen Texte wurden vielfach aufgeführt und ausgezeichnet. Die Aufdrängung ist ihr Debütroman.
Die Jury
Zur aktuellen Jury des "aspekte"-Literaturpreises gehören Mara Delius (Die Welt), Daniel Fiedler (ZDF), David Hugendick (ZEIT Online), Ludwig Lohmann (Buchhandlung ocelot, Berlin) und Nicola Steiner (Literaturclub, SRF).
Der Preis
Der "aspekte"-Literaturpreis wird in diesem Jahr zum 42. Mal vergeben. Er ist mit 10.000 Euro dotiert und die bedeutendste Auszeichnung für deutschsprachige Erstlingsprosa.
Der "aspekte"-Literaturpreis wird in diesem Jahr bereits zum 42. Mal vergeben. Er ist mit insgesamt 10.000 Euro dotiert und die bedeutendste Literaturauszeichnung für deutschsprachige Erstlingsprosa.
Die Preisverleihung findet auch in diesem Jahr im Rahmen der Frankfurter Buchmesse statt. Ariane Koch ist am Donnerstag, 21. Oktober 2021, 11.00 Uhr auf dem Blauen Sofa zu Gast. Außerdem wird die Preisträgerin am Freitag, 22. Oktober 2021, 23:30 Uhr in der "aspekte"-Sendung genauer vorgestellt.
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