Umsatzplus in neun Ländern So positiv wirkt sich die Corona-Pandemie auf den Buchmarkt aus

Wie eine exklusive Sonderauswertung des Marktermittlers "GfK Entertainment" ergab, verzeichneten die internationalen Buchmärkte im ersten Halbjahr 2021 vielerorts einen enormes Umsatzplus. Demnach stiegen die Verkäufe sowohl im Vergleich zum Vorjahreszeitraum als auch zu den ersten sechs Monaten des Jahres 2019, als noch keine Lockdowns galten. Im internationalen Vergleich ist Deutschland Schlusslicht.

Einer Studie des Marktforschungsinstituts GfK Entertainment zufolge, stieg der Umsatz der internationalen Buchmärkte im ersten Halbjahr 2021 zum Teil enorm. Weit vorn liegen Länder wie Frankreich und Italien. Deutschland ist Schlusslicht. Bild: GfK Entertainment GmbH

In einer insgesamt neun Länder umfassenden Studie des Marktforschungsinstituts "GfK Entertainment" wird sichtbar, dass die internationalen Buchmärkte in der ersten Hälfte des Jahres 2021 ein hohes Umsatzplus verbuchen konnten. Demnach konnten die Erlöse binnen eines Jahres zum Teil um über ein Drittel gesteigert werden. Große "Gewinner" der Studie sind die Länder Frankreich (Umsatzplus von 43,3 %), Spanien (Umsatzplus von 38, 3 %) und Italien (Umsatzplus von 36, 8 %). Großer Verlierer im internationalen Bereich ist Deutschland. Zwar konnten auch hier grüne Zahlen geschrieben werden, allerdings längst nicht im zweistelligen Bereich. Das Umsatzplus im Vergleich zum Vorjahr betrug gerade einmal 4, 1 % - im Vergleich zu 2019 ist der Trend sogar um 4,9 % rückläufig.

 

Auch in den Niederlanden (plus 4,3 %) lief der Verkauf vergleichsweise schwierig an. Dort mussten allerdings viele Geschäfte abrupt schließen.

Die wichtigsten Fakten zur Studie

  • Höhere Buchpreise: Das zu verbuchende Umsatzplus in der ersten Jahreshälfte 2021 geht beinahe ausschließlich mit gesteigerten Buchpreisen einher.
  • Großes Interesse an Sachbüchern und Ratgebern: in den meisten der analysierten Länder konnten vor allem Sachbücher und Ratgeber stark zulegen. Belletristische Werke waren hingegen nicht so stark gefragt. Insbesondere Bücher von Politikern wie Barack Obama, Philippe De Villiers oder Giorgia Meloni gingen über den - oftmals virtuellen - Ladentisch. Der meistverkaufte Roman (in der Schweiz, Flandern und den Niederlanden) stammt aus der Feder der mittlerweile verstorbenen Bestsellerautorin Lucinda Riley und trägt den Titel "Die verschwundene Schwester"
  • Kultur-Gutscheine wurden häufiger für Literatur genutzt: In Ländern wie Frankreich und Italien - zwei Umsatzsieger der Studie - erhalten junge Erwachsene, die 18 Jahre alt geworden sind, einen Gutschein in Wert von mehreren hundert Euro, der für kulturelle Angebote genutzt werden kann. Zugleich kann man sehen, dass sich in diesen Ländern insbesondere Comics und Mangas einer großen Popularität erfreuen (die Warengruppe mit dem größten Wachstum). Es ist also davon ausgehen, dass das Förderangebot des Staates das Umsatzplus antrieb.
  • Die Wirkung von Netflix und Co: In der Corona-Pandemie boomten die Streaming-Anbieter. Bereits Kino-Blockbuster wie "Harry Potter" oder "Die Tribute von Panem" hatte die Verkäufe der jeweiligen Bücher in die Höhe getrieben. So geschah es nun auch mit den Werken, auf denen die Netflix-Serien "Bridgestone" und "Lupin" beruhen. Die Bücher der Autoren Julia Quinn und Maurice Leblanc erfreuten sich insbesondere in Belgien, Frankreich, Italien und Spanien großer Aufmerksamkeit. Die Serie "Das Damengambit" führte in Italien zu einem regelrechten Run auf Spiele- und Schach-Handbücher.
  • Weniger Interesse an E-Books: Die positive Entwicklung des E-Books kam in diesem Jahr vielerorts ins Stocken. So beispielsweise in Flandern und in den Niederlanden. Schrieb man mit den digitalen Bücher dort im Jahre 2020 noch schwarze Zahlen (Flandern: plus 16,5 %; Niederlande: plus 12,7 %), waren die Werte im ersten Halbjahr 2020 rückläufig (Flandern: minus 3,6 %; Niederlande: minus 5,3 %). Einzig in Deutschland hält der E-Book Trend mit einem Umsatzplus von 9,6 % weiter an.


 
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