Funny Story ist Emily Henrys Roman über den Moment, in dem dein Lebensplan implodiert – und du merkst, dass es außerhalb des Plans ziemlich lebendig zugeht. Statt klassischer Zweite-Chance-Liebe gibt’s hier das „Du-wurdest-verlassen-und-teilst-jetzt-die Wohnung-mit-dem-Ex-deiner-Nachfolgerin“-Setup. Klingt nach Chaos? Ist es – aber mit Henry-typischem Witz, klaren Figurenköpfen und einem Setting, das man riechen kann: Sommer, Wasser, Bars mit Live-Musik, Kinderstimmen aus der Bibliothek. Ergebnis: eine Contemporary-Romance, die knistert, aber auch über Grenzen, Selbstbild und die Kunst des Neuanfangs nachdenkt.
Funny Story von Emily Henry - „Falsche“ Mitbewohner, echter Sommer, echte Gefühle
Worum geht es in Funny Story– Daphne, Miles und die „schlechteste Idee, die sich als gute herausstellt“
Die Kinderbibliothekarin Daphne ist frisch verlobt, zieht um, sortiert ihr neues Leben – bis Peter die Beziehung beendet. Nicht irgendwann, sondern jetzt; nicht für irgendwen, sondern für Petra, seine „Seelenfreundin aus alten Zeiten“. Daphnes Plan A ist damit Geschichte. Plan B? Es gibt keinen – bis sie prompt in die freie WG-Zimmer-Anzeigevon Miles stolpert, der wiederum Petras Ex ist. Zwei Herzen im Beziehungs-Trümmerfeld, eine Küche, ein Kühlschrank, ein Mietvertrag.
Am Anfang herrscht Koexistenz: Sie kocht leise, er hört laut Musik; sie sortiert Bücher, er sortiert Gefühle. Dann wird aus Nebeneinander ein Miteinander – zuerst praktisch (Wer besorgt Kaffee? Wer fährt?), dann freundschaftlich (wie man nachts auf Sofas über alles und nichts spricht), und irgendwann kippt es. Weil beide im selben sozialen Aquarium schwimmen wie ihre Ex-Partner, entstehen unangenehme Überschneidungen: Hochzeiten, Freundeskreise, Insta-Öffentlichkeit. Die Lösung, die keine sein dürfte: „fake it till…“ – ein paar inszenierte Bilder und „Zufalls“-Auftritte, die Souveränität signalisieren sollen.
Natürlich bleibt es nicht bei der Fassade. Was als Schutzstrategie beginnt, wird zum Gefühlsexperiment: Chemie plus Sommernächte plus ehrliche Gespräche über das, was schief lief – bei den anderen und bei einem selbst. Der Roman lebt von kleinen Kippmomenten: vom Lachen, das zu lange dauert; von einer Geste, die plötzlich mehr bedeutet; von der Erkenntnis, dass Zuneigung nicht Reparatur sein muss, sondern Ermöglichung. Details und späte Wendungen lasse ich aus – Funny Story punktet, weil es Erkenntnisse erzählen lässt statt sie zu verkünden.
Themen & Motive – Identität, Performanz, Found Family
1) Wer bin ich ohne „Wir“?
Daphne beginnt als „funktionierende“ Person: pflichtbewusst, freundlich, organisiert. Nach der Trennung steht sie vor der Frage, wer sie außerhalb einer Rolle ist. Die Liebesgeschichte ist damit auch eine Sinn- und Berufsfigur-Suche(Kinderbibliothek != Kleinmädchenklischee, sondern Community-Arbeit).
2) Performanz vs. Authentizität (Social Media).
Die Fake-Posts und „Zufalls“-Auftritte sind nicht nur RomCom-Spielerei, sondern Kommentar: Wie zeigen wir uns, wenn wir verletzt sind? Der Roman ist klug genug, zu zeigen, dass Bilder kurz beruhigen – Leben aber außerhalb der Kamera entschieden wird.
3) Grenzen, die halten.
Emily Henry schreibt Konversationen, in denen Nein und Tut mir leid Platz haben. Das ist kein trockenes Lehrstück, sondern Plot: Nähe entsteht, wenn Grenzen verabredet und eingehalten werden. Gerade bei Miles (Impuls, Humor, weiche Stellen) funktioniert das Boundary-Setting als echtes Liebesmittel.
4) Found Family & Dritte Orte.
Bibliothek, kleine Bars, Nachbarschaft – Dritte Orte tragen Heilung. Freundschaften (Daphnes Kolleginnen, Miles’ Freundeskreis) sind Schutznetze und Spiegel. Das milde Sommer-Setting ist nicht Eskapismus, sondern Kontext, in dem man neue Routinen übt.
5) Komik mit Ernstkern.
„Funny“ ist hier nicht Slapstick, sondern Beobachtungshumor: die Peinlichkeit gemeinsamer Freundesgruppen, die Logistik des Mitbewohnerdaseins, die absurde Ratio von Herz vs. Kopf. Hinter der Komik liegt Verletzlichkeit – und genau so zündet der Titel.
Warum diese Romance jetzt funktioniert
New Adult wurde erwachsen: Statt reiner Intensitätsdramen gibt es in der aktuellen Contemporary-Romance-WelleBeziehungen, die Arbeit am Selbst zeigen. Funny Story passt in diesen Trend: Realistische Konflikte, Talk statt Toxik, Witz statt Zynismus. Gleichzeitig spiegelt der Roman postpandemische Sehnsüchte: Gemeinschaftsräume, kleine Rituale, lokale Zugehörigkeit. Wer sich in Großstadt-Timelines verliert, findet hier den Gegenentwurf auf Normalmaß – ohne Naivität.
Stil & Sprache – Dialoge, die tragen; Innenleben, das klingt
Henry kann Dialogrhythmus: schnelle Stichwechsel, die chemisch wirken, weil sie aus Figuren kommen, nicht aus Gagschleudern. Das Innenleben (vor allem Daphnes) ist genau, aber nie schwülstig – man spürt Scham, Eitelkeit, Angstund das kindliche Bedürfnis, „nicht peinlich“ zu sein. Landschaft und Orte sind konkret, ohne Reiseführer-Vibes. Handwerklich wichtig: Wiederkehrende Motive (Wasser, Musik, Kleinigkeiten im WG-Alltag) dienen als Emotionsanker. Das macht die Liebesgeschichte glaubhaft und den Humor tragfähig.
Für wen eignet sich das Buch?
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Romance-Leser, die Knistern + Charakterentwicklung brauchen, nicht nur Tropen.
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Fans von Beach Read, Book Lovers, Happy Place, die Henrys Mischung aus Witz und Wehmut mögen.
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Buchclubs, die über Grenzen, Rollenbilder und Selbstinszenierung diskutieren möchten.
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Weniger geeignet, wenn man ausschließlich Drama-Maximum oder ausschließlich Fluff sucht – Funny Storysitzt bewusst in der Mitte.
Kritische Einschätzung – Stärken & mögliche Reibungen
Stärken
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Chemie ohne Gift: Anziehung, ja – aber nicht auf Kosten von Zustimmung. Das ist seltener, als man denkt.
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Witz mit Restwärme: Humor ist nicht Zuckerguss, sondern Kontaktaufnahme – er macht Verletzlichkeit sagbar.
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Arbeitsrealismus: Bibliothek & Nebenjobs sind nicht Deko; Arbeit prägt Identität, Tagesform, Konflikte.
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Nebenfiguren als Spiegel: Sie sind Gegengewichte, keine Stichwortgeber – gerade wichtig in Ex/Ex-Konstellationen.
Mögliche Reibungen
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„Fake-Dating“-Hebel: Wer das Tropen-Set hasst, stolpert über die Inszenierungs-Idee – sie gehört aber zur Aussage (Performanz).
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Pacing: Der Roman ist slow burn. Wer früh „große“ Szenen will, braucht Geduld.
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Ex-Schnittmengen: Für manche Leser sind die ständigen Überschneidungen mit Ex-Partnern too much – realistisch, aber stressig.
Über die Autorin – Emily Henry
Emily Henry schreibt Contemporary Romance mit literarischem Anspruch und humorvollem Ton. Nach Beach Read(2020), People We Meet on Vacation (2021), Book Lovers (2022) und Happy Place (2023) festigte Funny Story ihren Ruf, kluge Dialoge, gefühlte Orte und erwachsene Konfliktarbeit zu verbinden. Ihre Romane landen regelmäßig auf Bestsellerlisten und in Buchclubs, weil sie romantische Versprechen mit Selbstentwicklung verknüpft – ohne Zynismus, ohne Zuckerschock.
Leicht auf der Zunge, gehaltvoll im Nachhall
Funny Story ist die Sorte Liebesroman, die leicht liest und schwer vergisst. Er macht Spaß, weil er witzig ist; er bleibt, weil er ehrlich ist: über das Ringen um Würde nach einer Trennung, über das Theater, das wir für die Welt und für uns selbst spielen, und über das kleine Wunder, das passiert, wenn jemand zuhört, respektiert und bleibt. Wer eine moderne Romance sucht, die den Sommer im Herzen trägt, aber Klartext redet, findet hier genau das: eine komische Geschichte – und eine gute.
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