In "Man lebt sein Leben nur einmal", erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, erzählt Thomas Hüetlin die bewegende und dramatische Liebesgeschichte zwischen der Filmikone Marlene Dietrich und dem Schriftsteller Erich Maria Remarque. Ihre Begegnung 1937, als sie beide schon internationale Berühmtheiten waren – sie als gefeierte Diva aus Der blaue Engel und er als Autor des Antikriegsromans Im Westen nichts Neues – markiert den Beginn einer intensiven Affäre voller Höhen und Tiefen.
Die Begegnung zweier Welten
Beide flüchteten vor dem Naziregime: Remarque suchte in der Schweiz eine neue Heimat, während Dietrich bereits nach Hollywood ausgewandert war. Trotz ihres Erfolgs fühlten sie sich entwurzelt. Dietrich, die ihre deutschen Wurzeln nie ganz vergaß, bekochte ihre wechselnden Liebhaber gerne mit Hausmannskost – auch Remarque gehörte zu den Männern, die ihren Weg kreuzten. In dieser intensiven Beziehung gab er ihr den Spitznamen „Puma“ – ein treffender Ausdruck für ihre wilde und unberechenbare Natur.
Eine Affäre voller Leidenschaft und Schmerz
Hüetlin lässt uns tief in die emotionalen Spannungen eintauchen, die die Affäre prägten. Ihre Beziehung war von Eifersucht, Dramen und Alkohol durchzogen. Dietrich, stets auf der Suche nach Anerkennung und neuen Liebhabern, war extravagant und exzentrisch, während Remarque eher der nachdenkliche, melancholische Typ war. Ihre Gegensätze verliehen der Affäre eine besondere Dynamik, die für beide oft belastend war.
Politische Turbulenzen und persönlicher Wandel
Hüetlin verwebt geschickt die persönliche Geschichte des Paares mit den historischen Entwicklungen. Die Jahre 1937 bis 1939 sind geprägt von den politischen Spannungen, die letztlich zum Zweiten Weltkrieg führten. Besonders interessant ist, wie sich Dietrich in dieser Zeit vom verblassenden Filmstar zur gefeierten Frontsängerin der alliierten Truppen wandelte und sich damit erneut ins Rampenlicht katapultierte.
Unterschiedliche Welten
Ihre Beziehung spiegelt ihre gegensätzlichen Persönlichkeiten wider. Dietrich, die extravagante und narzisstische Diva, und Remarque, der sich oft überfordert und gefangen fühlte. Während sie ständig neue Abenteuer suchte, kämpfte er mit den Komplexitäten dieser Beziehung und zog sich zurück. Ihre Affäre wurde zum Sinnbild dieser inneren Zerrissenheit, die sich an glamourösen Schauplätzen wie Paris, Hollywood und der Côte d’Azur abspielte – doch trotz dieser Orte der Sehnsucht verschärften sich ihre Konflikte.
Hüetlins Erzählstil
Hüetlin bringt uns diese Liebesgeschichte auf eine fesselnde Art und Weise näher, indem er persönliche Einblicke mit einem klaren Blick auf die historische Lage kombiniert. Der Schreibstil ist manchmal etwas nüchtern, gerade in den historischen Passagen, doch im Gesamtbild entsteht eine packende Erzählung, die sowohl die emotionalen als auch die politischen Dimensionen dieser Beziehung erfasst.
Eine spannende Ergänzung zu bekannten Biografien
"Man lebt sein Leben nur einmal" ist eine spannende und tiefgründige Ergänzung zu den bereits existierenden Biografien von Dietrich und Remarque. Es gibt uns neue Einblicke in die komplizierte Liebesgeschichte zweier großer Persönlichkeiten und zeigt, wie eng ihre privaten Kämpfe mit den historischen Ereignissen der Zeit verflochten waren. Ein Muss für alle, die sich für die Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts und die inneren Kämpfe dieser beiden Ikonen interessieren.
Der Autor
Thomas Hüetlin, geboren 1961, ist ein renommierter deutscher Journalist und Autor, der über viele Jahre als Reporter beim SPIEGEL tätig war und auch als Korrespondent in New York und London arbeitete. Für seine journalistische Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit prestigeträchtigen Preisen wie dem Egon-Erwin-Kisch-Preis, dem Henri-Nannen-Preis und dem Deutschen Reporterpreis. Diese Ehrungen unterstreichen seine herausragenden Leistungen im Bereich des investigativen und erzählerischen Journalismus.
Hüetlin hat auch mehrere Bücher verfasst, die sich mit ganz unterschiedlichen Themen befassen, darunter:
- "Mein Leben am Limit/Gespräche mit Reinhold Messner" (2004): Ein tiefgründiges Werk über den berühmten Extrembergsteiger Reinhold Messner, in dem dessen Leben und seine philosophischen Ansichten im Mittelpunkt stehen.
- "Gute Freunde – die wahre Geschichte des FC Bayern München" (2006): Ein Buch, das sich mit der Geschichte eines der erfolgreichsten Fußballvereine der Welt befasst und dabei nicht nur sportliche, sondern auch politische und wirtschaftliche Aspekte beleuchtet.
- "Udo" (2018, mit und über Udo Lindenberg): Eine Biografie über den legendären deutschen Rockstar Udo Lindenberg, in der Hüetlin die Höhen und Tiefen seines Lebens und seiner Karriere einfängt.
- "Berlin, 24. Juni 1922/Der Rathenaumord" (2022): Dieses Buch befasst sich mit dem Mord an dem deutschen Außenminister Walther Rathenau, einem der dramatischsten politischen Attentate in der Weimarer Republik.
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