Die österreichische Schriftstellerin Anna Baar erhält den mit 10.000 Euro dotierten Brüder-Grimm-Preis. Ausgezeichnet wird damit ihr im März 2022 erschienenes Buch "Divân mit Schonbezug". In der Begründung der Jury heißt es unter anderem, Baar sei eine "Forschungsreisende zwischen ihren Welten".
Die Autorin Anna Baar wird mit dem diesjährigen Brüder-Grimm-Preis für Literatur der Stadt Hanau ausgezeichnet. Dies teilte die Stadt am Mittwoch mit. Mit der Auszeichnung wird Baar´s Erzählband "Divân mit Schonbezug" gekürt. Darin schreibt die 1973 in Zagreb (damals Jugoslawien) geborene Autorin über den Heimatbegriff sowie über Möglichkeit und Unmöglichkeit des Erinnerns. Das Buch ist im März 2022 beim Wallstein Verlag erschienen.
"Selbst in zwei Kulturen aufgewachsen erkennt sie die Entschleierung des unter den "Schonbezügen" der Idyllen Verborgenen als zwingende Grundbedingung für ein friedliches und gerechtes Miteinander", hieß es in der Begründung. Die in "Divân mit Schonbezug" versammelten Erzählungen und Fortschreibungen politischer Reden und Essays aus vergangenen Jahren zeigten die in Österreich lebende Schriftstellerin als "Forschungsreisende zwischen ihren Welten". Der Preis wird bei einem Festakt am 24. November im Hanauer Kulturforum übergeben.
Anna Baar
Anna Baar, geb. 1973 in Zagreb (ehem. Jugoslawien). Kindheit und Jugend in Wien, Klagenfurt und auf der dalmatinischen Insel Brac. Ihr Debütroman »Die Farbe des Granatapfels« und der Erzählungsband »Divân mit Schonbezug« standen je drei Monate, ihr Roman »Nil« zwei Monate auf der ORF-Bestenliste. 2020 wurde sie mit dem Humbert-Fink-Literaturpreis der Stadt Klagenfurt ausgezeichnet. 2022 erhält sie den Großen Österreichischen Staatspreis. Anna Baar lebt in Klagenfurt und Wien.
"Divân mit Schonbezug"
Geschichten über das Fremde und gleichzeitig Schöne, über das Heranwachsen zwischen den Kulturen, Heimat und Sehnsucht. Was meint man, wenn man Zuhause sagt? Wo ist man heimatberechtigt? Heimat wird nicht gefunden, aber sie holt einen ein, taucht im Rückspiegel auf, sobald man ausbrechen will. Von Zagreb, Klagenfurt oder Wien nach Teheran ist es oft nur ein Gedankensprung. Da wie dort interessiert sich Anna Baar weniger für Schauplätze und angebliche Sehenswürdigkeiten als für das Geheime und Verheimlichte. Sie sieht genau hin, geht über Schmerzgrenzen, erzählt von der Großmutter, die im Zweiten Weltkrieg gegen die Nazis kämpfte und im jugoslawischen Bruderkrieg vor den eigenen Leuten in ihren Keller fliehen musste, von der einst schönen, bewunderten Frau, die sich als kranke Greisin nicht zurechtmachen lässt für die Freunde aus Kärnten. Immer geht es um das Anderssein, um den Hass der Deutschkärntner gegen die Kärntner Slowenen und Jugoslawen, den Kindheitsduft von Mandeln und getrockneten Feigen, um Heimatstolz und Heimatscham, um die Erkenntnis, dass schöne Worte nicht taugen, das Schreckliche zu benennen. Einmal wütend, dann wieder zärtlich und heiter schreibt Anna Baar gegen die eigene Sprachlosigkeit an, ringt um präzise Worte für das Unsägliche und Beschönigte. Ihre Beschäftigung mit dem Vergangenen zielt auf das Heutige ab. Ein tiefgründiges, politisches und hochaktuelles Buch. (Verlagsankündigung)
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