Der Schriftsteller und Lektor Gerhard Wolf ist am Dienstag im Alter von 94 Jahren in Berlin gestorben. Dies bestätigte eine Sprecherin des Aufbau-Verlages am Mittwoch unter Berufung auf die Familie des Autors. Wolf, Ehemann der Schriftstellerin Christa Wolf, war Förderer mehrere Schriftsteller- und Künstlergenerationen.
Der Schriftsteller Gerhard Wolf ist tot. Wolf, der Autorengrößen wie Irmtraud Morgner, Carola Stern, Günter Grass und natürlich seine Frau Christa Wolf förderte, galt als engagierter Literat und Möglichmacher. In den Nachkriegsjahren wirkte er als Essayist, Kritiker, Drehbuchautor und als Lektor beim Mitteldeutschen Verlag. Wie herzlich und nah die Begegnungen Wolfs mit Kolleginnen und Kollegen der Literatur- und auch der Kunstszene waren, ist etwa in dem 2020 erschienenen Band "Herzenssache" nachzulesen, wo der Autor 27 Literatur- und Malerfreunde porträtierte.
"Ein leidenschaftlicher Anreger"
In der Würdigung des Aufbau-Verlages heißt es, Wolf sei ein "leidenschaftlicher Anreger und Förderer mehrerer Schriftsteller- und Künstlergenerationen" gewesen. Neben eigenen Arbeiten wie "Beschreibung eines Zimmers", "Der arme Hölderlin" und weiteren literarischen Ausführungen, engagierte sich Wolf auch für das Hörbar-Machen bislang ungehörter Stimmen. So führte er etwa in den 80er Jahren die Edition "Außer der Reihe" beim Aufbau Verlag ein, wo Autorinnen und Autoren erschienen, die bis dato in der DDR nicht gedruckt wurden. Wolf selbst sprach von einer Generation Autoren, die eine ganz andere Sprache beginnen wollten und sich vom üblichen Sozialistischen Realismus entfernten.
Begegnung mit Christa Wolf
Seine Frau, die Schriftstellerin Christa Wolf, lernte Gerhard Wolf im Jahr 1950 im Zuge des Germanistikstudiums kennen. Bis zum Tod Christa Wolfs im Jahr 2011 waren die beide ein Schriftstellerpaar. Nach der Geburt ihrer ersten Tochter, gab der spätere Heinrich-Mann-Preisträger das Studium auf und blieb vorerst zuhause. In ihrem Tagebuchband "Ein Tag im Jahr", welcher eine Sammlung intimer autobiografischer Erzählung enthält, schreibt Christa Wolf immer wieder von einem verlässlichen, verständnisvollen Mann, von einem emphatischen Gesprächspartner, der ihr in sämtlichen Lebenslagen zur Seite steht.
Hier bestellen
Topnews
Unser Geburtstagskind für den Wintermonat Februar: Gertrude Stein
Ein Geburtstagskind im Januar: Edgar Allan Poe – Dichter der Struktur und des Schreckens
Geburtstagskind im Dezember – Emily Dickinson
Ein Geburtstagskind im November: Astrid Lindgren
Geburtstagskind im Oktober: Benno Pludra zum 100. Geburtstag
Das Geburtstagskind im September: Roald Dahl – Der Kinderschreck mit Engelszunge
Ein Geburtstagskind im August: Johann Wolfgang von Goethe
Hans Fallada – Chronist der kleinen Leute und der inneren Kämpfe
Ein Geburtstagskind im Juni: Bertha von Suttner – Die Unbequeme mit der Feder
Ein Geburtstagskind im Mai: Johannes R. Becher
Ein Geburtstagskind im April: Stefan Heym
Ein Geburtstagskind im März: Christa Wolf
Bertolt Brecht – Geburtstagskind im Februar: Ein literarisches Monument, das bleibt
Wie Banksy die Kunst rettete – Ein überraschender Blick auf die Kunstgeschichte
Ein Geburtstagskind im Januar: Franz Fühmann
Zauberberg 2 von Heinz Strunk
100 Jahre „Der Zauberberg“ - Was Leser heute daraus mitnehmen können
Oschmann: Der Osten: Eine westdeutsche Erfindung“ – Umstrittene russische Übersetzung
Überraschung: Autorin Han Kang hat den Literaturnobelpreis 2024 gewonnen
Zum Tod von António Lobo Antunes – Stimmen aus dem Gedächtnis Portugals
Zum Tod von Erich von Däniken (1935–2026)
Zum Tod von Helme Heine (1941–2025)
Ivan Klíma ist tot – ein leiser Abschied vom unbequemen Erzähler
Eugen Gomringer ist verstorben – ein Blick auf sein letztes Werk
Frederick Forsyth (1938–2025) -Das letzte Kapitel eines kühlen Strategen
Edmund White ist tot
Sebastian Haffner – Abschied
Ngũgĩ wa Thiong’o (1938–2025)
Nadja Abd el Farrag: „Achterbahn – Eine Biografie“
Abschied: Peter von Matt ist tot
Mario Vargas Llosa ist tot –Ein Abschied aus Lima
Richard Chamberlain: Ein leiser Abschied und ein aufrichtiges Selbstporträt – Shattered Love neu lesen
Abschied von Anthony Phelps: Der haitianische Dichter und Exilant stirbt mit 96 Jahren
Dag Solstad (1941–2025)
Aktuelles
We Who Will Die von Stacia Stark – „Gladiator“ trifft Vampirhof – und plötzlich ist Überleben ein Vertrag
Botanik des Wahnsinns von Leon Engler – Wenn Familiengeschichte nach Akten riecht
REM (Annika Strauss & Sebastian Fitzek) – Schlafen, träumen – und dann nicht mehr aufwachen
Yoga Town von Daniel Speck – Warum „Yoga Town“ mehr ist als ein Indien-Roman
Liebeserklärung an die Heldinnen – von der Höhle bis ins Heute
Die Krankheitslügen von Fabian Kowallik – Gesundheit als Versprechen – und als Misstrauen
Abgeschnitten von Sebastian Fitzek & Michael Tsokos – Wenn ein Telefonzettel im Schädel liegt
Einatmen. Ausatmen von Maxim Leo – Wenn „Achtsamkeit“ zur Auflage wird
Victor Hugo: Die Elenden
Zwischen Klick und Kanon – Die BookBeat Awards 2026 und das neue Maß des Hörens
Selfpublishing-Buchpreis 2025/26: Drei Bücher und die Frage nach Form, Stimme und Sichtbarkeit
Sieben Tage vor Palmsonntag – Hölderlins „Patmos“ und der Zwischenraum der Gefahr
Tancho Award 2026: Sozan Coskun (Verlag) und LIAN (Selfpublishing) zeigen die Spannweite des deutschsprachigen Manga
Die Gewinner des Preises der Leipziger Buchmesse 2026
Helene Bukowski: „Wer möchte nicht im Leben bleiben“
Rezensionen
Das schönste aller Leben von Betty Boras – Schönheit als Versprechen – und als Zumutung
Dire Bound von Sable Sorensen – Wenn ein Band mehr ist als nur „Bonding + Spice“
Michael von Kunhardt Mentalgiganten: Was wahre Stärke wirklich ausmacht
Happy Head von Josh Silver – Wellness, Wettbewerb, Wahnsinn