Neugier auf die Welt. Warum es sich lohnt zu reisen

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Eine mannshohe Hecke umgab den Garten meines Elternhauses. Oft stand ich vor ihr und versuchte, einen Blick nach drüben zu erhaschen. Bald stand fest, dass ich auf die andere Seite gelangen musste. Doch für einen Sechsjährigen ist es nicht einfach, sich durch eine Buchsbaumhecke zu schlagen. Meine ersten Versuche – ich warf mich gegen das Gestrüpp, legte unterirdische Gänge an – scheiterten kläglich. Als meine Eltern das nächste Mal außer Haus waren, warf ich ein Sitzkissen des heimischen Sofas auf das Gewächs. Ich zog mich an Ästen empor, ignorierte die Kratzer, die ich später würde erklären müssen, und hievte mich hinauf, bis ich die sichere, weiche Unterlage erreicht hatte. Auf dem Kissen robbte ich hinüber bis zum gegenüberliegenden Rand, warf es dort auf den Boden und sprang mit einem dünnen Triumphschrei auf es herab. Zum Glück wusste unser Nachbar, was junge Helden brauchen: Er lud mich zu einem Kakao ein. Bis heute erinnert eine kleine Delle in der Hecke an mein Erlebnis.

Eigentlich hat sich seither nicht viel verändert. Noch immer zieht mich ein naiver Entdeckermut hinaus, nehme ich tragbare Risiken in Kauf und mache mir erst unterwegs Gedanken über den weiteren Verlauf meiner Reise. Auch der Hang zu ungewöhnlichen Fortbewegungsmitteln ist mir geblieben: Im Kajak paddelte ich die Donau entlang, auf einem Hundeschlitten zog ich durch Ostgrönland, per Fahrradrikscha fuhr ich durch Südostasien. Ich umrundete Frankreich auf einem Postrad, folgte der türkischen Mittelmeerküste in einem Liegerad und gelangte in einem Velomobil den Mississippi entlang bis nach New Orleans. Wohin ich auch reiste, am Ende traf ich in allen Erdteilen auf Menschen, die mir halfen. Sie luden mich zu sich ein, versorgten mich mit Tipps und gaben mir ihre Geschichten mit auf den Weg.



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