Am 15. November wurde der Liedermacher und Lyriker Wolf Biermann 85 Jahre alt. Gefeiert wurde allerdings erst zwei Tage später. Im Berliner Ensemble; mit hohem politischen Besuch, Biermann-Song-Interpretationen und einem letzten Wunsch...
Am 15. November feierte der deutsch-deutsche Lyriker und Liedermacher Wolf Biermann seinen 85. Geburtstag. Eine großes Zusammenkommen fand allerdings erst zwei Tage später statt. Zur Feier im Berliner Ensemble kamen am Mittwoch unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Joachim Gauck, Kanzlerin Angela Merkel und ihr möglicher Nachfolger Olaf Scholz. Die politische Spitze feierte einen Dichter, der in der DDR zunächst verboten und 1976 dann ausgebürgert wurde.
Zunächst wurde gratuliert und gewürdigt; Biermann Zitate begleiteten den gesamten Abend. Der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk erinnerte an die von den Nazis ermordeten Familienmitglieder Biermanns; seine Frau Pamela sang, in Begleitung des Pianisten Siegfried Gerlich, unter anderem die "Moritat auf Biermann seine Oma Meume". Der Jazzmusiker Ulrich Gumpert und die klassische Gitarristin Nora Buschmann interpretierten weitere Biermann-Lieder.
Dort liegen wo Brecht liegt
Mit seinem Song "Hugenottenfriedhof" bestärkte Biermann dann selbst noch einmal seinen Wunsch, auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin begraben zu werden. An den ebenfalls anwesenden Regierenden Bürgermeister Michael Müller richtete der Dichter die Bitte, er solle in einer letzten Amtshandlung dafür sorgen. Auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof befinden sich auch die Gräber von Berthold Brecht und Helene Weigel. In einer Strophe des Songs "Hugenottenfriedhof" heißt es:
"Wir hakeln uns Hand in Hand ein,
Und schlendern zu Brecht seinem Grab,
Aus grauem Granit da, sein Grabstein
Paßt grade für Brecht nicht schlecht"
Außerdem spielte Biermann seinen "Preußischen Ikarus" und "Die Ballade von der Mai-nacht in Paris". Beim Abschluss-Song, dem Klassiker "Ermutigung", stimmten alle Gäste mit ein.
Jahrelange Freundschaft
Die Anwesenheit der Kanzlerin war alles andere als eine Überraschung. Seit Jahren sind die Ehepaare Biermann und Merkel/Sauer befreundet. Des öfteren verteidigte Biermann in öffentlichen Statements die Kanzlerin. Zum Abschied Merkels hatte er bereits vor seinem Geburtstag gesagt, man solle weder maulen, noch Hurra schreien, dass die Bundeskanzlerin ihr Amt niederlegt. Viel mehr solle man froh darüber sein, dass sie unsere Kanzlerin war.
Merkel, so Biermann, sei „ein Riesenglück für die Deutschen, wir verdanken dieser Frau mehr als manche ertragen können”. Die vermehrte Kritik an die Kanzlerin konterte der Dichter mit der Annahme, dass es immer zu Konflikten käme, wenn man jemanden zu viel verdankt. "Man hält die Dankbarkeit nicht aus, weil man sich nicht revanchieren kann. Das kann dazu führen, dass man beginnt, den Menschen kleinzureden."
Wolf Biermann
Wolf Biermann ist ein deutscher Lyriker und Liedermacher. 1936 wurde er in Hamburg geboren; 1953 siedelte er in die DDR über. Hier veröffentlichte er 1960 seine ersten Lieder und Gedichte. Immer stärker wandte er sich gegen die SED und DDR. 1965 wurde schließlich ein Auftritt- und Publikationsverbot gegen ihn verhängt. Nach einer Konzerttour in der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1976 wurde ihm die Wiedereinreise in die DDR verweigert, anschließend wurde er ausgebürgert.
Wolf Biermanns Gedichtbände zählen zu den meistverkauften der deutschen Nachkriegsliteratur. Er erhielt zahlreiche Literaturpreise West- und später Gesamtdeutschlands.
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