Nicht zum ersten Mal (aber zum ersten Mal in dieser Besetzung) durfte ich dieser Tage im wunderbaren Café Grundmann eine weit verbreitete Unsitte in Gestalt eines geschäftlich telefonierenden Mannes erleben. ERLEIDEN müsste ich schreiben, denn ein Erlebnis war es bei Weitem nicht.
Ein Mann, groß von Statur und nicht mehr jung, nicht mehr im besten Alter, was soll man drum herum reden: ein Mann, der ein langes Leben (in Führungsposition?) vermutlich bereits hinter sich hat, dies aber nicht akzeptiert und weiterhin Chef spielt, wobei er den Ort, an dem er sich gerade befindet zu seinem Chefbüro bestimmt und alle sich in unmittelbarer Umgebung befindenden Menschen zu Statisten seines Auftritts als berufsmäßiger Wichtigtuer degradiert.
Wenn das Mobiltelefon mehrmals laut (unbedingt laut!) klingelt, erhebt sich dieser Mann vom Tisch, nicht etwa um den Raum zu verlassen und irgendwo draußen sein Geschäft zu verrichten, nein, er stolziert ungeniert zwischen den besetzten Tischen wie ein Pfau wild gestikulierend umher (oder eher wie ein zahnloser Tiger?), laut murmelnd und sich dabei durch die weiße Dirigentenfrisur mit der Gestikulierhand fahrend.
Zwischendurch öffnet er die Tür zum Flur, der zu den Toiletten im Untergeschoss führt, als wäre dort das Vorzimmer mit Sekräterin; geht drei Schritte hinein (dann hallt seine Gemurmel noch lauter), denn die Tür lässt er natürlich offen stehen.
Jemand steht auf und schließt diese Tür. Doch bald springt sie wieder auf, er kommt zurück, oder treffender: er betritt wieder die Bühne, denn mittlerweile sind viele böse funkelnde Augen auf ihn gerichtet. Was ihm in seiner Selbstverliebtheit aber entgeht, denn er lässt die Tür hinter sich natürlich offen und schreitet wie zuvor zwischen den Tischen umher, Gedankenfetzen in gewichtige Worte kleidend oder nur einfach dramatische Laute gebärend.
Nach einiger Zeit, wohl durch den Kaffee davor und das Wandern angeregt, meldet sich allem Anschein nach seine Blase, denn er verschwindet (die Tür lässt er auch diesmal offen) wieder Richtung Klo, wo er zum Glück länger bleibt.
Als er zurückkehrt (die von der freundlichen Hand eines Gastes mittlerweile geschlossene Tür bleibt natürlich wieder sperrangelweit offen stehen), telefoniert er immer noch. Seine freie Hand fuchtelt am Knopf und Reißverschluss der Hose herum... DER KNOPF REISST AB! DIE GÜRTELLOSE HOSE RUTSCHT BIS AUF DIE KNIE! DIE GÄSTE APPLAUDIEREN!! (Verzeihung, die Worte in Großbuchstaben waren ein Wunschtraum, der leider unerfüllt blieb).
Wieder in der Realität, bleibt mir Folgendes zu sagen: Dieses eine Mal habe ich meine Erziehungsmaßnahmen dem Herrn gegenüber einigermaßen freundlich praktiziert, aber das nächste Mal bringe ich die Peitsche mit.
Wer mich kennt, weiß, dass ich diese sehr gut zu gebrauchen verstehe. In früheren Jahren habe ich eine Ausbildung zur Pferdewirtin absolviert und arbeitete gleich danach einige Jahre bei einem russischen Zirkus als Pferdedompteuse, später auch als Tigerbändigerin. (Und jene Tiger waren alles andere als lahm und zahnlos).
Der alte Nietzsche würde sich wundern, wie sich die Zeiten verändert haben. Sein weit verbreitetes Zitat „Wenn du zum Weibe gehst, vergiss die Peitsche nicht“ möchte ich mit „...DEM WEIBE ZU ÜBERGEBEN“ ergänzen, denn nur so kann Frau das in Vergessenheit geratene gute Benehmen eines Mannes wieder auffrischen.
Seid auf der Hut, ihr geistlosen Nervtöter und chronischen Ruhestörer, ihr Selbstdarsteller und Nötiger! DENN ICH SCHERZE NICHT.
Ich frage mich außerdem, wie sich der Telefonierende die Hände gewaschen hat... Wahrscheinlich gar nicht... Wie er alles andere erledigte, möchte ich mir gar nicht erst vorstellen.
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