Als Papst Johannes Paul II im Frühjahr 1987 nach Deutschland kommen und u. a. auch die hübsche Stadt Münster in Westfalen besuchen wollte, da hatte einer meiner damaligen Mitstudenten eine Idee: Er baute eine ca 15 cm große Schokoladenosterhasengießform (die er auf einem Flohmarkt fand) in eine Form für Papstfiguren um. Damit goss er 500 Päpste aus Gips und mit ein wenig Farbe sah das Ergebnis sogar entfernt wie der Helige Vater aus.
Der Student fuhr im Morgengrauen am besagten Tag mit einem Tapeziertisch und den angefertigten Devotionalien nach Münster und verkaufte dort gleich in den ersten 3 Stunden alle 500 Exemplare. Sie wurden ihm aus den Händen gerissen, das Stück für 20 DM. Die Freude über den Erlös was groß, das Bedauern darüber, dass er nur 500 gegossen hatte, jedoch größer...
Alle, die seine Gipsarbeiten vorher belächelt hatten, waren verblüfft und manche sogar neidisch auf sein besonderes Gespür für lukrative Geschäfte.
Der Mann steckte voller guter Geschäftsideen, die nicht nur gut waren, sondern auch Geld brachten. Gleich nach dem Diplom kaufte er die große Villa am Park gegenüber der Akademie und eröffnete dort eine Firma für Visuelle Kommunikationen.
Da er ein recht fauler Student war, der sich durch Prüfungen mogelte wo es nur ging, war sein erfolgreich laufendes Geschäft ein Dorn in den Augen seiner früheren Professoren.
Schnell sprach es sich herum, dass man das Studium ohne große Anstrengung hinter sich bringen kann, wenn man die Dienste des Visuellen Kommunikators (gegen kleines Endgeld) in Anspruch nahm.
Es gab auch Praktika, die der Firmeninhaber ohne dafür Gebühren zu erheben, vergab. Allerdings war es Pflicht, zitronengelbe Kleidung während der Arbeit zu tragen. Wie ein Schwarm freigelassener Kanarienvögel sahen die Praktikanten aus, wenn sie die schwarz verputzte Villa betraten oder verließen. Das Gelb sah wie eine Auszeichnung aus! Nicht wenige waren von dem Wunsch beseelt, dazu zugehören.
Während die Herren Professoren und die einzige Professoren-Dame von ihrem Salär gerade so leben konnten, verdiente der allen bekannte Absolvent anscheinend horrende Summen, denn immerzu kam er mit neuen ausgefallenen Sportwagen-Modellen zur Arbeit, gerne erst nach 11 Uhr vormittags.
Doch nach fünf Jahren war der Spuck vorbei. Einer der zur Verschwiegenheit vertraglich verpflichteten Praktikanten, der das Allerheiligste des Hauses (ein Raum im Untergeschoss, zu dem nur Auserwählte Zutritt hatten) durch puren Zufall betrat, entdeckte den wahren Grund für den Reichtum der Firma. Und das kam so: Der Chef litt gerade an einer schlimmen Magenverstimmung und schaffte es nicht, bei einem eiligen Gang zur Toilette die Tür des besagten Raumes abzuschließen. Der Praktikant schaute neugierig hinein und lief geradewegs zur Polizei um zu berichten, was er dort vorgefunden hatte: eine Gelddruckmaschine!
Zur seiner Verteidigung sagte der kurz darauf Verhaftete, dass auf seinem Tun der päpstliche Seegen ruhe. Denn Johannes Paul (zu dessen Händen er seinerzeit den Prototyp des Gipsfigürchen geschickt hatte) bedankte sich höchstpersönlich bei ihm mit einem kurzen Schreiben, in dem in goldenen Lettern gestanden haben soll „Auf all deinem Tun soll mein Seegen ruh´n“.
Nun ja, da hat er wohl etwas falsch interpretiert... Es handelte sich übrigens um eine Briefkarte, die in sehr hoher Auflage gedruckt wurde und an alle Gläubigen die dem Papst Briefe schrieben, von eigens dafür auf Freiwilligen-Basis angeheuerten Mitarbeitern verschickt wurde. Der Papst hat weder sein Gipsportrait zu Gesicht bekommen, noch den Seegen persönlich erteilt...
Das Haus wurde versteigert. Die Hochschule bekam den Zuschlag. Sie erwarb es mit Hilfe von Spendengeldern und richtete dort ein „Haus für mittellose Künstler“ ein.
Was mit dem früheren Eigentümer geschah, entzieht sich meiner Kenntnis, aber ich bin sicher, dass es ihm nicht schlecht erging, bei all seinen Talenten (mit denen er wirklich gesegnet war).
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