„Divine Rivals“ (2023) eröffnet Rebecca Ross’ Letters-of-Enchantment-Zweiteiler: Zwei rivalisierende junge Journalist:innen geraten in einen Götterkrieg, während sie – ohne es zu wissen – über magisch verbundene Schreibmaschinen anonyme Briefe austauschen. Das Ergebnis ist eine feinfühlige Liebesgeschichte im Schatten von Frontberichten, Verlust und Hoffnung.
Worum geht es in „Divine Rivals“:Iris Winnow, Roman Kitt & der Krieg Enva vs. Dacre
Iris Winnow ist 18, arbeitet bei der Oath Gazette und hält nach dem Verschwinden ihres Bruders Forest die Familie über Wasser. Gleichzeitig konkurriert sie mit Roman Kitt um eine begehrte Kolumnistenstelle – eine Rivalität, die auch durch Romans privilegierten Hintergrund befeuert wird. Um Angst und Sehnsucht zu ordnen, schreibt Iris Briefe an Forest; durch eine magische Verbindung landen diese bei einem anonymen Gegenüber, das ihr zurückschreibt – ohne dass beide wissen, wer der/die andere ist. Der Ton bleibt intim, die Welt draußen wird rauer: Ein Krieg zwischen den Gottheiten Enva und Dacre rückt näher und beeinflusst Alltag und Arbeit in der Stadt.
Als in der Redaktion und zu Hause der Druck steigt, nimmt Iris einen Einsatz nahe der Front an und reist in die Kleinstadt Avalon Bluff. Dort wohnt sie in einem Gästehaus und arbeitet Seite an Seite mit anderen Kriegsreporter:innen: Interviews, Feldpost, Beobachtungen des zivilen Lebens im Schatten der Front – der Roman zeigt Krieg über Routinen, Sirenen und knappe Ressourcen, nicht über Schlachtenpathos. Freundschaften (u. a. mit Kollegin Attie sowie der Gastwirtin Marisol) geben Halt; die anonyme Brieffreundschaft bleibt Iris’ Anker und wächst weiter – stets mit der Frage, ob und wann sich beide zu erkennen geben.
Parallel ringt Roman in der Stadt mit Familienerwartungen und seiner Rolle im Zeitungshaus. Die Briefe zwingen ihn, Position zu beziehen – als Journalist und als Mensch. Mehr als einmal steht im Raum, ob er Iris’ Identität (und seine eigene) offenlegen und ihr folgen soll. Hier bricht der Roman ab, bevor er Entscheidendes verrät: Wichtig ist, dass Wortevor Ort zur Überlebenshilfe werden – im Bericht wie im Brief.
Die Macht der Worte, Kriegserfahrung, Identität & Trauer
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Worte als Brücke: Die Briefe sind Zuflucht und Mutspender – sie machen sichtbar, wie Sprache Intimität stiften kann, noch bevor Gesichter Namen bekommen. Das korrespondiert mit der journalistischen Arbeit der beiden: Zeugenschaft statt heroischer Schlachten.
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Krieg & Alltag: Ross schreibt keinen Militär-Fantasy-Roman, sondern zeigt Kriegsnähe über Rationen, Sirenen, Feldpost und den Preis, den Zivilisten zahlen. Viele Leserstimmen verorten die Ästhetik in der Nähe zu frühen 20.-Jh.-Kriegsbildern – als Atmosphäre, nicht als Historienroman.
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Götter als Spiegel: Enva und Dacre stehen weniger für Dogmen als für Impulse: Schöpfung/Hoffnung gegen Zerstörung/Macht. Die religiös-mythische Ebene rahmt den sehr menschlichen Kern – Trauerarbeit, Abhängigkeit (Mutter), Verantwortung.
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Identität & Rivalität: „Rivals to lovers“ bleibt nicht Trope-Dekor, sondern bringt die Frage auf: Wer bin ich, wenn mich nicht mehr Leistung (Kolumne, Ruhm), sondern Vertrauen definiert?
Epistolare Romantik trifft Kriegsreportage – warum das heute funktioniert
Ross kreuzt Briefroman-Impulse mit Kriegsberichterstattung und dem populären Romantasy-Trend. Die epistolare Nähe (anonyme Briefe) macht Parasozialität greifbar, ohne Social-Media-Mechaniken zu kopieren. Front-Kapitel setzen auf Beobachtung statt Schlachtenpathos. Dass das Buch breit rezipiert und bestsellergekrönt wurde, liegt an dieser Mischung aus Gefühl, Form & Zugänglichkeit; Divine Rivals lief international auf Bestsellerlisten, u. a. bei der New York Times.
Briefe, Wechsel der Fokusse, sanfter Sog
Die Prosa ist poetisch ohne Kitsch und nah bei den Figuren. Ross variiert Tonlagen (Redaktionsalltag, Feldpost, private Notate) und erzeugt Spannung weniger über Twists als über Wissensvorsprünge: Leser:innen ahnen, wer hinter den anonymen Zeilen steckt – die Figuren nicht. Dieses Dramatische Ironie-Prinzip treibt das Lesen voran.
Für wen „Divine Rivals“ passt
• Romantasy-Leser:innen, die Slow Burn, „Rivals to Lovers“ und found family mögen.
• Fans epistolarer Stoffe (Briefe/Transkripte) und journalistischer Settings.
• YA bis Crossover: Offiziell im Jugendbuch-Spektrum verortet, inhaltlich aber Crossover-tauglich (Krieg, Trauer, Sucht im Elternhaus).
Leseordnung: Band 1 „Divine Rivals“, gefolgt von „Ruthless Vows“ (Abschluss). Deutsch bei LYX erhältlich.
Kritische Einschätzung – Stärken & mögliche Schwächen
Stärken
1. Form & Gefühl greifen ineinander: Die Brief-Mechanik stiftet echte Nähe und passt zum Journalismus-Motiv.
2. Krieg als Hintergrundrauschen: Der Fokus auf Menschen statt Mythenschlachten lässt das Buch zeitgemäß wirken.
3. Figurenchemie: Iris/Roman funktionieren als Gegenpole, ohne in Klischees zu kippen; die Rivalität erdet die Romantik.
Mögliche Schwächen
1. Tempo im Mittelteil: Wer hohe Plot-Schlagzahl erwartet, wird die Beobachtungsphasen als langsam empfinden.
2. Götter-Lore light: Enva/Dacre bleiben im ersten Band angedeutet – die große Mythenerklärung kommt eher in Band 2.
3. YA-Ton als Geschmackssache: Die sanfte Sinnlichkeit und emotionalen Innenräume sind gewollt – wer grimdark erwartet, ist hier falsch.
Über die Autorin: Rebecca Ross – Bestseller zwischen YA & Adult
Rebecca Ross ist #1-New-York-Times-, USA-Today- und Sunday-Times-Bestsellerautorin. Sie wuchs in Atlanta auf, studierte Englisch an der University of Georgia und lebt heute in Nordost-Georgia. Ihre Werke sind in 31 Sprachen übersetzt; „Divine Rivals“ war Locus-Award-Nominee 2024 und befindet sich in Entwicklung für eine Verfilmung bei Paramount Pictures. Weitere Titel: u. a. „A River Enchanted“, „A Fire Endless“, „Dreams Lie Beneath“. 
Update: Filmpläne & Status
Die Filmrechte an Divine Rivals liegen bei Paramount Pictures; das Projekt befindet sich in Entwicklung (Drehbuch: Sofia Alvarez). Cast/Starttermin sind noch offen.  
Häufige Fragen
Ist „Divine Rivals“ Teil einer Reihe?
Ja, Band 1 einer Dilogie; Abschlussband „Ruthless Vows“ ist erschienen (dt. bei LYX). 
Gibt es eine deutsche Ausgabe – und von wem übersetzt?
Ja, LYX verlegt die deutsche Ausgabe; Übersetzung: Ulrike Gerstner. 
Wie „fantasy-lastig“ ist der Roman?
Die Magie (Schreibmaschinen, Götter-Konflikt) rahmt eine menschennahe Liebes- und Kriegsreportage. Große Lore-Vertiefung folgt stärker in Band 2. 
Lohnt sich „Divine Rivals“?
Ja – sehr, wenn du Romantasy mit Herz, Formbewusstsein und Gegenwartsnerv suchst. Ross zeigt, wie Briefe Vertrauen schaffen, wie Journalismus Haltung verlangt und wie Hoffnung in Zeiten von Krieg aussehen kann. Wer leise Intensität schätzt und Figuren beim Wachsen begleiten will, bekommt hier einen Sorgroman mit Langzeit-Echo – und einen Auftakt, der Band 2 sinnvoll vorbereitet.
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