Beide Pachamamas

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Der Duft mehliger Äpfel bei Oma bestrickte jeden schlechthin. Meine Großmutter war die erste große Pachamama für unsere Familie und meine Träume. Sie pflegte einen zaubervollen Obstgarten, in dem viele Sorten von Apfelbäumen über den Lenz aufblühten und Früchte im Spätsommer oder im Frühherbst trugen. Und die Ontologie der Äpfel war der Pachamama und deren Freunden Insekten zuvörderst bekannt – sie schimmerte auch in dem Zauber der Thaddeus’ Scheune, des Onkels, der einen Pachamama-Altar zu Hause hat. Von den alten Äpfeln blieb noch ein Antonowkaapfel-Baum nebst meinem Hause. Meine Mutter ist die zweite Pachamama, die aus den Äpfeln leckere schmackhafte Kuchen zuzubereiten vermag, binnen Sommers bis in die Herbstmitte. Der Duft von allerhand Kuchen verzaubert meine Seele voll Apfelzaubereien. Ich mag in der Schwermut von den Äpfeln einfach schwelgen, insbesondere im Silentium jeden Morgenrots. Die Pachamamas stelle ich mir vor, als kluge Frauen mit einem Apfel in der Hand. Es gibt also die Generation von den Pachamamas, verzaubert vom dem Apfelduft. Der Apfel ist ein Symbol für die Herrschaft jener beiden, die auch träumerische Erlkönige-Betörer als verträumte Untertanen umfasst, die in den beiden Eichen neben der Scheune gerne verweilen. Die pittoresken obigen Pachamamas sind ebenfalls junonische Dichterinnen und Philosophinnen so wie eine Pachamama des Altertums.

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