Der spanische Schriftsteller Javier Marías ist kurz vor seinem 71. Geburtstag an den Folgen einer Lungenentzündung in Madrid gestorben. Laut Verlag habe Marías in den vergangenen Wochen unter der Krankheit gelitten, die nach Informationen der Zeitung "El Mundo" die Folge einer Corona-Infektion war. In Deutschland erlangte der Spanier mit seinem Roman "Mein Herz so weiß" große Bekanntheit, nachdem dieser in der Literatursendung "Das Literarische Quartett" geradezu hymnisch besprochen wurde.
Javier Marías, einer der bedeutendsten und erfolgreichsten spanischen Schriftsteller der Gegenwart, ist im Alter von 70 Jahren gestorben. Dies teilte die Zeitung "El País" am Sonntag unter Berufung auf Marías Familie mit. "Voller Trauer müssen wir bekannt geben, dass unser großer Autor und Freund Javier Marías an diesem Nachmittag in Madrid gestorben ist", reagierte der Alfaguara-Verlag auf die traurige Nachricht. Marías habe bereits seit einigen Wochen unter einer Lungenentzündung gelitten. Spaniens Ministerpräsident sprach den Freunden und der Familie des Autors sein Mitgefühl aus. "Sein umfangreiches und talentiertes Werk wird für immer ein grundlegender Teil unserer Literatur sein", so Sánchez.
Marcel Reich Ranicki: "...größter im Augenblick lebender Schriftsteller der Welt"
Mit seinem Roman "Mein Herz so weiß" eroberte der spanische Schriftsteller Javier Marías 1996 die deutschen Bestsellerlisten im Sturm. Lange hatte man den Büchern des Spaniers hierzulande nur wenig Beachtung geschenkt. Das änderte sich schlagartig, nachdem der besagte Roman, "Mein Herz so weiß", Gegenstand der Sendung "Das Literarische Quartett" war und dort über alle maßen gelobt wurde. Es sei einer der großartigsten Romane, den er seit langer Zeit gelesen habe, urteilte Helmut Karasek. "Ein hinreißender Roman", hieß es von Seiten Siegrid Löfflers; und Marcel Reich Ranicki, gewissermaßen Role-Model der Runde, verglich Niveau und Format des Buches mit den Werken des Literaturnobelpreisträgers Gabriel José García Márquez. Plötzlich stand Javier Marías, ein bis dato schwer zu verkaufender, weil nicht selten unbequemer Autor, im Lichte der literarischen Öffentlichkeit Deutschlands.
Neben "Mein Herz so weiß" zählen auch Bücher wie "Morgen in der Schlacht denk an mich" oder "Alle Seelen" zu den großen ErfolgenEl País Marías. In seinem 2000 erschienenen Buch "Alle unsere frühen Schlachten" zeigte der Real Madrid-Fan wie leidenschaftlich, begeistert und begeisternd man über Fußball schreiben kann. In einer Kolumne für die Zeitung "El País" rechnete er auf schonungslose Weise mit allem ab, was ihm nicht passte und worüber es sich wunderbar aufregen lässt. Dort begleite er das Leben der Spanier, ging auf Politiker los, schrieb über den Tourismus Madrids, über politische Korrektheit und vieles andere.
Anwärter auf den Literaturnobelpreis
Wohl nicht nur Marcel Reich Ranicki hätte Javier Marías den Literaturnobelpreis gewünscht (gäbe es da nicht dieses ungeschriebene Gesetz der Schwedischen Akademie, möglichst zweitrangige Autoren auszuzeichnen). Seit vielen Jahren bereits galt Marías als wichtiger Nobelpreis-Anwärter, erhielt Lob von namenhaften Kollegen, von Kritikern und aus sämtlichen Bereichen der Buchbranche. Man hielt die mäandernden Sätze des Autors in die Höhe, den sezierenden Blick, mit welchem er durch die Innenwelten seiner Protagonisten schritt, frech, mutig und nicht ohne Witz.
Weltweit wurden mehr als neun Millionen Bücher des Spaniers verkauft, seine Werke wurden in 46 Sprache übersetzt und in fast 60 Ländern veröffentlicht. Am 12. Oktober 2022 erscheint Marías´ aktueller Roman "Tomás Nevinson" bei S. Fischer auf Deutsch.
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