Die Seidenstraßen entlang nach Osten Mullahs, Moscheen und Mosaike: unterwegs im Iran

Vorlesen
- 4 Seiten -

Was hatten einen Freunde und Kollegen verrückt gemacht, als man in den Iran aufgebrochen ist! Man würde dort entführt werden, meinten sie, ausgeraubt sowieso, von Fanatikern bespuckt und vom Mullah-Regime eingesperrt.

Nichts davon trifft zu. Stattdessen begegnet man freundlichen Menschen, die das Gespräch suchen, denen jedoch die in weiten Teilen des Orients verbreitete Aufdringlichkeit fehlt. Dabei hätten sie Gründe, den „westlichen“ Gast zu hassen: Immerhin sorgen die Sanktionen dafür, dass ihnen das Geld zwischen den Fingern verrinnt und sie sich mit zwei oder mehr Jobs über Wasser halten müssen. So putzen sie morgens vielleicht Hotelzimmer, schneiden dann Kunden die Haare und werden spontan zum Taxifahrer und Reiseführer, sobald sie einen ausländischen Besucher sehen.

Irans Städte sind spektakulär schön. Teheran ist eine moderne Großstadt, in der die Frauen körperbetonte Kleidung tragen und die Männer die Hits von Eminem und The Weeknd mitsingen. Die Bauten Isfahans und die Gärten von Shiraz überwältigen einen vom ersten Moment an. Dazwischen aber fährt man stundenlang durch Halbwüsten, Ödland. Bei knapp 50 Grad verdorren die letzten Sträucher. Im ausgetrockneten Flussbett des Zayandeh spielen Kinder Fußball.

Iran hat ein Wasserproblem. Der Hamun-See ist zeitweise völlig ausgetrocknet, der Urmia-See, zehnmal größer als der Bodensee, könnte in wenigen Jahren folgen. Schuld daran ist nicht nur der Klimawandel, sondern auch die Errichtung von Staudämmen und die exzessive Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen. Vielleicht, so sagt man hinter vorgehaltener Hand, hetzt die Regierung auch darum so übertrieben gegen Israel und die USA: um vom eigenen Unvermögen abzulenken, das wichtigste Problem des Landes zu lösen. Der Iran verdurstet.


Gefällt mir
1
 

Weitere Freie Texte

Freie Texte

Traumlicht und Schattenspiel

Jennifer

Meine Gedanken kreisten Von tiefen langen Fluren Abzweigend tausend Räume Ein Labyrinth voller Möglichkeiten Jede Tür -Ein Tor - Ein Schritt ein unbekannter Raum -Ein Paradox Eine Realität - Ein Universum Etwas Unbekanntes - Etwas Unerforschtes Dies wurde bald zur Sucht zur Suche nach dem Kick nach Adrenalin zur Droge die mich geiselt und ihre Ketten enger werden lässt Die Schatten meiner selbst drohten mich zu extrahieren Doch dann erkannte ich in den Korridor da war Licht In Form von ...
Freie Texte

Bei Tisch

Hans-Ulrich Kramer

Geht man heutzutage auswärts essen, kommt man nicht umhin, die Tischgespräche anderer Menschen anzuhören. Nicht, weil man diese klandestin belauscht, sondern weil die Leute an den Nachbartischen – in der Regel die vielfach beschriebenen und viel zitierten alten weißen Männer – einem ihre Gedankengänge in entsprechender Lautstärke quasi aufzwingen. Geschimpft und gehetzt wird bei Tisch zur warmen Mahlzeit gegen Asylanten (das neutralere Wort Flüchtling wird nie verwendet), gegen die ...
Freie Texte

Die Armada der Arbeitslosen – ein Arbeitsvermittler klagt an

Hans-Ulrich Kramer

Als Arbeitsvermittler bei der Agentur für Arbeit bin ich ein armes Würstchen: Den meisten meiner Klienten – häufig sind diese psychisch angeschlagen und/oder ohne Berufs- bzw. Schulabschluss – kann ich nicht weiterhelfen. Meine Kollegen und ich simulieren hier nur Vermittlung. Anstrengend sind Klienten mit höheren Bildungsabschlüssen, die dennoch durch alle Raster fallen, ihre Ansprüche und ihren Dünkel aber weiterhin aufrechterhalten. Es heißt ja immer: Durch den Fachkräftemangel sei es so ...

Aktuelles