Der Internationale Literaturpreis zeichnet seit 2009 fremdsprachige Werke und deren deutsche Erstübersetzung aus. In diesem Jahr geht der mit insgesamt 35.000 € dotierte Preis an den Roman "Leichte Sprache" von Christian Morales. Friederike von Criegern hat das Buch ins Deutsche übersetzt. Für eine Übersetzerin, so die Jury in ihrer Begründung, könne man sich keine größere Herausforderung vorstellen.
Cristina Morales und Friederike von Criegern erhalten Internationalen Literaturpreis
Die Schriftstellerin Christian Morales und die Übersetzerin Friederike von Criegern erhalten den mit insgesamt 35.000 € (20.000 € für die Autorin; 15.000 € für die Übersetzerin) dotierten Internationale Literaturpreis für den Roman "Leiche Sprache". Der Preis soll die besondere Allianz von AutorIn und ÜbersetzerIn würdigen. In diesem Jahr vergaben das Haus der Kulturen der Welt und die Stiftung Elementarteilchen den Preis bereits zum 14. Mal.
Ein Buch aus vielen Stimmen
Die siebenköpfige Jury lobte den Roman als eine vielstimmige Ich-Erzählung, die zugleich Gesprächsprotokoll, Gerichtsprotokoll und ein Roman in Leichter Sprache sei. "Dieser Roman ist kein Inklusionsmärchen, er ist ein Forderungskatalog. Er besteht auf der Benennung von Unterschieden, auf Klarheit, er besteht auf der Notwendigkeit zu hassen, auf Lebendigkeit, Überraschung und Revolte", so die Jury weiter.
Es sei ein Roman aus vielen Stimmen, deren Ton oft rasch umschlage. Dieser Herausforderung habe sich die Übersetzerin Friederike von Criegern mit großer Diszipliniertheit gestellt. Für eine Übersetzerin könne man sich keine größere Herausforderung vorstellen.
Der Roman: "Leichte Sprache"
In ihrem Roman "Leichte Sprache" erzählt die spanische Schriftstellerin Christina Morales die Geschichte von vier Frauen, die mit der Diagnose einer geistigen Behinderung in einer betreutet Wohnung im gentrifizierten Barcelona leben. Nati beschreibt ihre Krankheit als "Schiebetüren-Syndrom"; Marga ist Analphabetin und sexuell überaus aktiv, Àngels stottert und Patri hat Logorrhö. Der Roman erzählt von den Versuchen der Frauen, sich den Bevormundung staatlicher Einrichtungen und der Justiz zu entziehen, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Dabei enttarnen sie die Ideologie einer nach den Vorstellung "neoliberaler Macho-Faschos" funktionierenden Gesellschaft; schreiben poetische Texte in "leichter Sprache" auf WhatsApp und zeigen auf, wie Macht und Unfähigkeit gleichermaßen verschleiert werden.
Die Autorin Cristina Morales
Cristina Morales, geboren 1985 in Granada, studierte Rechts- und Politikwissenschaften mit dem Schwerpunkt Internationale Beziehungen. Sie verfasste mehrere preisgekrönte Romane und Kurzgeschichten. Als Dramatikerin hat sie u. a. für Sol Picó, Sara Molina und das Nationaltheater von Katalonien gearbeitet. 2019 gewann Morales als jüngste Autorin den Premio Nacional de Narrativa des spanischen Kulturministeriums; im Jahr 2021 wurde sie von der Zeitschrift Granta zu einer der besten Nachwuchsautor:innen Spaniens gewählt. Morales ist Tänzerin und Choreografin der zeitgenössischen Tanzkompanie Iniciativa Sexual Femenina, Executive Producer der Punkband At-Asko sowie Mitglied des Kollektivs BachiniBachini.
Die Übersetzerin
Friederike von Criegern ist Literaturübersetzerin und freie Dozentin für Literatur und Übersetzen. Sie promovierte über chilenische Lyrik und übersetzt Belletristik, Lyrik und Theater aus dem Spanischen, zuletzt Jorge Comensal, Floridor Pérez und Nona Fernández. Nach Aufenthalten in Peru, Chile und Argentinien lebt sie in Göttingen.
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