Sergej SIEGLE: Der Monolog

Vorlesen

O Jüngling – Verliebter, mit glühendem Blick,
vom Pathos berauscht, von den Versen entzückt.
Zerstreut und verloren, so trotzig, so fern,
der Reimende „wieder“ mit „Widder“ so gern.
Sag mir, wo bleibt wohl unbändiger Mai,
wo Straßenbahn kreischte und rollte vorbei?
Und wo jene Zelle, verrostet, ein Hohn –
ein Hörer vereist – „Smartphone“-Vision …
Die Haltestelle: „Zum Dichterduell!“*
(hält nicht der Ikarus – das gelbe Modell.)
Ein Anhalter – im Wagen, im Taxi, vorbei –
„Zehn Rubel zum Zentrum?“ (– „Na gut, einerlei.“)
Wo blieb deine Dämmerung, grau und hart?
Kaserne, ein Stempel, die Militär-Card?
Der Flug über Moskau (Mathias Rust).
Vergangene Zeiten, orakelnder Proust.
Fachwerk, Sackgassen, süddeutsche Landschaft,
Verblendet, gefesselt – freiwillige Haft –
Zerrissenes Foto mit Liliths Gesicht.
Schleier der Jahre, vernebeltes Licht …
Vergessen die Schlüssel – die Pforten dabei.
Er wirft alle Spiegel, zerschlägt sie entzwei.
Der kindliche Pilger verirrt in der Nacht …
Der Magier – immer und ewig erwacht.

Freie Übersetzung aus dem Russischen
28.09.2025

* Bushaltestelle „Zum Ort des Duells von Michail Lermontow“,
Pjatigorsk, Russland

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