Die Rache trägt Prada von Lauren Weisberger – Was kommt nach dem „Traumjob“?

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Zehn Jahre nach Der Teufel trägt Prada kehrt Lauren Weisberger in die Welt aus Seide, Deadlines und stummen Hierarchien zurück. Die Rache trägt Prada – Der Teufel kehrt zurück fragt nicht, ob Andrea „Andy“ Sachs jemals High Fashion geliebt hat. Es fragt, was von einem Menschen übrig bleibt, wenn er ein System überlebt – und dann feststellt, dass Erfolg sich erstaunlich ähnlich anfühlen kann wie Abhängigkeit. Der zweite Band ist weniger Branchen-Roast, mehr Erwachsenenroman über Loyalität, Freundschaft und die Frage, wie man mit dreißig plus ein Leben baut, das nicht auf den Applaus anderer angewiesen ist. Die gute Nachricht: Weisberger bleibt schnell, witzig, lesbar. Die spannende Nachricht: Sie interessiert sich stärker für Konsequenzen.

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Die Rache trägt Prada. Der Teufel kehrt zurück: Roman

Handlung von Die Rache trägt Prada – Aus dem Vorzimmer ins Verlegerinnenbüro

Die Handlung setzt rund eine Dekade nach Mirandas Regentschaft an. Andy hat sich aus Manhattan’s Schlangengrube nicht verabschiedet, sondern umgebaut: Gemeinsam mit ihrer einstigen Erz-Konkurrentin Emily Charlton – ja, derEmily – gründet sie das Luxus-Bridal-Magazin The Plunge. Ausgerechnet ein Magazin über Hochzeiten? Genau. Thematisch ist das ein cleveres Gegengift zu Andys früherer Zynik: Statt „Was trägst du?“ nun „Wofür stehst du?“.

The Plunge wächst rasant: Hochglanz-Produktionen, A-Listen-Kooperationen, Deals, die die Marke größer machen, als Andy je geplant hatte. Privat scheint ebenfalls alles auf Kurs: Max, erfolgreicher Unternehmer, charismatisch, bestens vernetzt, ist der Mann an ihrer Seite; die Schwiegerfamilie operiert in Sphären, in denen Restaurants nicht reserviert, sondern geöffnet werden. Andy ist nicht mehr das Mädchen im falschen Schuh – sie passt. Oder?

Dann taucht ein Schatten auf, der nie wirklich weg war: Miranda Priestly. Nicht in Andys Träumen, sondern in Excel-Sheets und Terminkalendern. Ihr Verlag – oder Unternehmen, das sie repräsentiert – bekundet Interesse an The Plunge. Ein „Angebot, das man nicht ablehnen kann“, inklusive Synergien, Reichweitenversprechen und viel, sehr viel Geld. Es ist der elegante Business-Weg, eine alte Schülerin wieder unter das Imperium zu ziehen.

Andy spürt sofort, wie das Körmergedächtnis anspringt: das alte Flattern, die innere Stimme, die sagt „Mach schneller“. Gleichzeitig bröckelt das private Fundament: Verpflichtungen kollidieren, Allianzen verschieben sich, an Max’ glänzender Oberfläche zeigen sich Haarrisse. Emily – brilliant, loyal und herrlich ungeduldig – steht zwischen Deal und Freundin, zwischen „Das ist unsere Chance“ und „Bist du sicher, dass du in dieser Zukunft vorkommst?“.

Mehr sei nicht verraten. Der Roman arbeitet mit gut getimten Zuspitzungen, bringt Andrea an Punkte, an denen Grenzennicht mehr verhandelbar sind, und gönnt Figuren, die man im ersten Teil mochte, erwachsene Konturen. Dass Mirandanie zur Comic-Bösewichtin schrumpft, ist ein Gewinn: Sie bleibt System im Trenchcoat – faszinierend, furchteinflößend, funktional.

Karriere, Konsens, Konsequenzen

Erfolg als zweite Prüfung: Der erste Band war eine Initiationsgeschichte: „Schaffst du es durch ein Jahr?“ Der zweite fragt: „Was fängst du an mit dem, was du daraus gelernt hast?“ Erfolg ist nicht automatisch Autonomie. Wer Geld, Renommee und Teamverantwortung hat, steht genauso in Abhängigkeiten – nur eleganter verpackt.

Freundschaft statt Feindin: das Andy-Emily-Duo: Aus dem Kampf um Mirandas Gunst ist eine Arbeitsfreundschaftgeworden, wie man sie selten so glaubwürdig liest: sarkastisch, sensibel und immer wieder von der Frage getrieben, was Loyalität im Geschäft bedeutet. Emily ist nie Stichwortgeberin, sondern zweites Zentrum – eine der größten Stärken des Buches.

Hochzeitsindustrie als Spiegel: The Plunge ist mehr als Kulisse. Die Bridal-Welt verhandelt die Sehnsucht nach Perfektion – und macht sichtbar, wie teuer wir uns Bilder kaufen, die halten sollen, was Beziehungen leisten müssen. Weisberger nutzt das milieu, um über Inszenierung vs. Intimität zu schreiben: Was bleibt von Liebe übrig, wenn man sie brandet?

Grenzen setzen – diesmal wirklich: Im ersten Teil lernte Andy, „Nein“ zu denken. Im zweiten muss sie es sagen, privat wie beruflich: gegenüber einem Deal, der glänzt, gegenüber einem Partner, der „für uns“ sagt und „für mich“ meint, gegenüber einer Mentorin, die niemals etwas fordert, aber alles möglich macht. Das macht den Roman weniger bissig, aber reifer.

Nullerjahre-Hustle trifft 2010er-Lean-In

Weisberger schreibt die Arbeitswelt weiter: aus der Ära der unbezahlten Praktika in die Start-up- und Skalierungs-Jahre. Es ist die Zeit der Lean-In-Rhetorik („hol dir den Platz am Tisch“), der Gründerfantasien, in denen Frauen zwar ganz vorn sein dürfen, aber bitte ohne Fehler. Der Roman zeigt, wie schnell Selbstbestimmung kippt, wenn Investoren, Schwiegerfamilien und Medienkonzerne am selben Tisch sitzen. Auch die Wedding-Economy wird klug gespiegelt: Das Geschäftsmodell verkauft nicht Stoffe, sondern Erzählungen von Glück – ein perfekter Kontrast zu Andys Suche nach echtem Leben.

Tempo, Ton, Timing

Weisberger bleibt leichtfüßig. Die Kapitel sind mit sportlichem Takt getrommelt, Dialoge knallen, innere Monologe sind pointiert, aber nie larmoyant. Wichtig: Der Sound hat sich verändert. Der Zynismus ist gedimmt, die Selbstbeobachtunggeschärft. Wo Teil 1 oft über die Branche lachte, lächelt Teil 2 häufiger über uns – über unser Bedürfnis, auf der richtigen Seite des Glänzenden zu stehen. Satire ist weiter da, nur weniger grell. Wer das schätzt, liest das Buch schneller, als ihm lieb ist.

Für wen eignet sich der Roman?

Für alle, die Der Teufel trägt Prada mochten – klar. Aber besonders für Leserinnen und Leser, die Frauenfreundschaften im Arbeitskontext spannend finden; die wissen wollen, wie man Grenzen nicht nur entdeckt, sondern hält; die Spaß an Insider-Milieus haben, ohne Branchenlexikon. Wer ausschließlich auf die wilde Härte des ersten Bands hofft, wird den Tonwechsels bemerken – und sollte sich darauf einlassen: Der zweite Teil spielt in einer anderen Lebensphase.

Kritische Einschätzung – Was glänzt, was glimmt

Der Roman punktet mit dem Andy-Emily-Duo, einer glaubwürdigen Miranda-Ökonomie und der Bridal-Linse, die kitschige Oberflächen in Fragen verwandelt. Manchmal drückt die Dramaturgie aufs Gas – Wendepunkte kommen zügig, Zufälle sitzen günstig; das schmälert nicht den Lesesog, aber gelegentlich die Überraschungstiefe. Der größte Unterschied zu Band 1: weniger brutale Gags, mehr erwachsene Konflikte. Wer ein zweites Mal dieselbe Satire erwartet, könnte erst zögern – und dann merken, dass Weisberger bewusst eine andere Kurve fährt.

Warum dieser zweite Teil mehr ist als Nostalgie

Weil er Schluss machen und anfangen zugleich kann. Schluss mit dem Mythos, dass der „perfekte Job“ automatisch das perfekte Leben erzeugt. Anfang eines Romans über Eigenverantwortung ohne Heldentrompete. Die Rache trägt Pradaliefert keinen Ratgeber, aber eine Erzählhilfe: Wie verhandle ich Macht, ohne mir selbst verloren zu gehen? Wie halte ich Freundschaft gegen Deals, die zu gut klingen? Wie trenne ich die Geschichte von mir von der Geschichte über mich?

Verfilmung & Popkultur-Brücke – und was danach kommt

Der Film Der Teufel trägt Prada (2006) hat die Figuren zu globalen Pop-Ikonen gemacht; eine direkte Leinwand-Fortsetzung zu Die Rache trägt Prada gibt es bislang nicht. Genau deshalb lohnt sich der Roman doppelt: Er zeigt, wie die bekannten Namen jenseits des Hochglanz-Bildes weiterleben – mit leisen Brüchen und erwachsenen Entscheidungen. Für deine Leserführung auf der Seite bedeutet das: Wer vom Film kommt, findet hier die ultimative „Was wurde aus…?“-Antwort in Romanform.

Und ja: Das Universum trägt weiter. In When Life Gives You Lululemons (dt. Die Partycrasherin) rückt Emily in den Mittelpunkt – mit PR-Biss, Suburb-Satire und jener trockenen Bosheit, wegen der sie längst Fan-Favorite ist. Perfekter Anschlussartikel nach dieser Rezension.

Die zweite Prüfung besteht man nicht, man entscheidet sie

Die Rache trägt Prada ist kein zweites erstes Mal. Es ist die Ergebnisrechnung: Was hat das System mit Andy gemacht – und was macht Andy jetzt mit sich selbst? Weisberger nutzt Witz und Tempo, aber der Gewinn liegt in der Ernsthaftigkeit hinter dem Lächeln. Dass Freundschaft hier die tragende Rolle spielt, macht den Roman moderner als viele „Karriere vs. Liebe“-Plots. Für Leserinnen und Leser, die Geschichten über Arbeit, Identität und Haltung suchen, ist das die richtige Fortsetzung – und eine Einladung, das eigene „Ja“ und „Nein“ gründlicher zu buchstabieren.

Über die Autorin – Lauren Weisberger

Lauren Weisberger (1977) wuchs in Pennsylvania auf, arbeitete in New York u. a. im Magazin-Umfeld und veröffentlichte 2003 Der Teufel trägt Prada, einen internationalen Bestseller. 2013 folgte Die Rache trägt Prada, 2018 das Spin-off When Life Gives You Lululemons. Weisberger schreibt über Aufstiegsfantasien, Frauenbünde und die Ökonomie des Images – mit satirischem Blick, aber ohne Herablassung. Ihr Markenzeichen: Tempo, Dialoge, Timing.

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Die Rache trägt Prada. Der Teufel kehrt zurück: Roman

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