Wer an einer Elite-Akademie aufgenommen werden will, muss erst einmal überleben. The Ordeals schickt uns nach Killmarth, eine magische Hochschule, die Bewerber durch gnadenlose Prüfungen sortiert – und dabei mehr als nur Noten verlangt: Haltung, Loyalität, die Fähigkeit, im schlimmsten Moment das Richtige zu tun. Das Ganze ist Romantasy trifft Dark Academia: Rivalität, Kammerspiel-Spannung, ein zart eskalierendes Knistern – und eine Versuchsanordnung, in der Lügen, Macht und Begehren denselben Klang bekommen. Greenlaw verknüpft die tödlichen Trials, eine rivals-to-lovers Dynamik und ein Campus-Mysterium zu einem Sog, der ohne große Schlachtenspektakel auskommt, aber unter der Haut arbeitet.
Handlung von The Ordeals – Blutbund, Killmarth, Prüfungen
Sophia DeWinter trägt seit Kindertagen einen Blutbund: Ihr Onkel, „der Sammler“, hält sie an sich gebunden wie ein Pfand. Als sie von Killmarth, einer Akademie außerhalb seines Einflusses, hört, erkennt sie die einzige Chance, diese Fesseln zu sprengen. Aber der Zugang ist so brutal wie die Schule selbst: Die Ordeals – mehrstufige, gefährliche Prüfungen, in denen Illusionisten, Masquiers (Masken- und Täuschungskunst), Botaniker und Alchemistengegeneinander antreten. Und während die Bewerber um zwanzig Plätze kämpfen, werden Kandidaten außerhalb der Arenen nacheinander „abgeräumt“ – jemand spielt ein tödliches Spiel mit.
Die erste Phase zwingt Sophia, Bündnisse zu schließen – mit klugen Nebenfiguren wie Tessa oder Greg; vor allem aber mit Alden Locke, einem ebenso talentierten wie undurchsichtigen Wielder, dessen Nähe sich wie ein Risiko anfühlt. Was als Zweckgemeinschaft beginnt, wächst zu einer Rivalität-mit-Chemie heran, die die Prüfungen mal erleichtert, mal verschärft. Je weiter Sophia in Killmarth aufsteigt, desto deutlicher wird, dass die Ordeals nicht nur Auswahlverfahrensind, sondern eine politische Architektur: Sie formen Waffen. Und sie prüfen, ob man überhaupt noch die Person sein will, die man sein muss, um zu bestehen.
Greenlaw dosiert Enthüllungen sauber: zu Sophias Herkunft, zum wahren Zweck der Prüfungen und zu den Kräften, die jenseits der Hörsäle lauern. Der Roman arbeitet mit Cliff-Rändern, nicht mit Cliffhangers: Man stürzt nicht, man schaut nach unten – und liest weiter. (Für die deutsche Ausgabe liegt eine Übersetzung von Kerstin Fricke bei Klett-Cotta vor; der deutsche Text betont die düstere, akademische Atmosphäre und die tödliche Versuchsanordnung sehr klar.)
Machtethik, Prüfungen, Begehren
Freiheit vs. Bindung: Der Blutbund ist mehr als Plotmotor: Er ist die Frage, ob Identität aus Verpflichtungen besteht, die man selbst nie gewählt hat – und wie man sie kündigt, ohne selbst zum Spiegel seines Unterdrückers zu werden. Killmarth verspricht Freiheit, praktiziert aber Institutionengewalt: Wer die Ordeals „besteht“, bestätigt ein System, das Menschen verbraucht.
Wissen als Waffe: Die Magie ist spezialisiert – Illusion, Maske, Botanik, Alchemie – und zwingt die Figuren, Entscheidung nach Kompetenz zu treffen, nicht nach Pose. Die Prüfungen sind nicht nur Kampf, sondern Labor: Gifte erkennen, Täuschungen durchschauen, Allianzen aushandeln.
Rivalität & Intimität: Das Herz schlägt rivals-to-lovers: Nähe wird hier riskant, aber notwendig. Die Beziehung Sophia/Alden ist kein Zucker, sondern Hebel – sie verschiebt Loyalitäten, erklärt Entscheidungen und macht Verletzlichkeit zur Taktik. Dass viele Leser gerade diese Chemie als glaubwürdig hervorheben, passt: Es ist ein Knistern mit Funktion.
Dark Academia mit Moraltest: Killmarth ist weniger Hogwarts-Gemütlichkeit, mehr closed-campus pressure cooker: strenge Regeln, dunkle Gänge, Rituale, die rechtfertigen, was sie erst ermöglichen. Die Mordserie im Hintergrund erdet die Romantik – es geht ständig um Kosten: Wer zahlt für wessen Aufstieg?
Romantasy nach der Trial-Welle
Die Verbindung aus magischem College, tödlichen Wettbewerben und Beziehungsbogen trifft den Zeitgeist: Leser*innen suchen nach Gefahrenkurven mit Herz, in denen Figuren Kompetenzen erwerben müssen, statt mit „auserwählt“ fertig zu sein. The Ordeals spielt bewusst mit Genre-Konventionen und bemüht sich, die Romantik nicht toxisch aufzuladen – ein Punkt, den deutschsprachige Leserforen positiv markieren. Gleichzeitig wird von manchen Kritiken kritisch vermerkt, dass die Heldin sehr besonders gerät – das klassische „zu Spezial unter den Spezialen“-Problem der Romantasy. Das Spannungsfeld ist produktiv: Die Frage, was Sophia kann, ist weniger spannend als warumsie etwas tut – und welche Grenzen sie setzt.
Atmosphärisch, klar getaktet, mit Raum für Atem
Greenlaw arbeitet mit sichtbaren Räumen: Labore, Höfe, Gänge, Trainingshallen. Man spürt Materialität (Stein, Metall, Rauch), ohne in Beschreibungswatte zu versinken. Ein Teil der Leserschaft lobt die Atmosphäre – das Campus-Gefühl, die latente Gefahr – während andere die Prosa als glatt empfinden. Beide Eindrücke lassen sich im Text finden: Die Welt steht klar, die Sätze sind zielstrebig, die Bilder funktional – mehr Bühne als Brokat.
Für wen eignet sich der Roman?
Für Leserinnen und Leser, die Dark-Academia-Romantasy mögen, in der Prüfungen echte Konsequenzen haben; für Fans von Kammer-Spannung und Beziehungsdynamik, die nicht in Drama-Kitsch entgleist; für Buchclubs, die über Machtarchitekturen reden wollen (Wer profitiert? Wer wird geopfert?) – und für alle, die Campus-Settings bevorzugen, in denen Moral nicht Prüfungsfach ist, sondern Prüfstein.
Kritische Einschätzung – Stärken, Schwächen, was bleibt
Stärken
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Dichte Versuchsanordnung: Die Ordeals sind mehrschichtig – sie testen Wissen, Teamfähigkeit, Nerven. Dadurch entsteht Spannung ohne bloßes Duell-Recycling.
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Chemie mit Funktion: Der Beziehungsbogen treibt Entscheidungen voran und bleibt nicht toxisch – ein seltener, wohltuender Balanceakt in der Romantasy.
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Lesefluss & Bühne: Killmarth fühlt sich bewohnt an; die Räume tragen Handlung und Ton.
Schwächen (je nach Erwartung)
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Auserwählt-Reflex: Der „besonders unter den Besonderen“-Effekt kann die Stakes verwässern – das merken nüchterne Kritiken an.
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Prosa-Temperatur: Wer lyrische Sprachwucht erwartet, findet eher klare Taktung als Pracht; manche Leser nennen das „flach“, andere „atmend“.
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Tropen-Nähe: Das Genre-Vokabular (magische Fakultäten, tödliche Trials, mordendes „Etwas“) ist bewusst genutzt – Innovation entsteht eher über Ethik als über Inventar.
Unterm Strich: The Ordeals funktioniert als Auftakt – Figuren sind gesetzt, Konflikte geöffnet, die Welt hat Platz nach oben. Wer Herz-gegen-Kopf-Entscheidungen liebt und gern in Systemen liest, die ihre Helden durch Arbeit formen, bekommt genau das.
Über die Autorin – Rachel Greenlaw
Greenlaw wuchs in Nord-Cornwall auf, studierte Englisch mit kreativem Schreiben in Falmouth und lebt heute auf einer Inselgruppe im Atlantik – eine Biografie, die erklärt, warum Wasser, Wind und Küstenlicht in ihren Büchern so präsent wirken. Neben The Ordeals hat sie u. a. den weihnachtlich-magischen Roman One Christmas Morning und weitere Fantasy-Projekte veröffentlicht. Ihre Selbstbeschreibung klingt nach Autorin, die morgens an den Strand geht und nachmittags Welten baut – genau so liest sich auch Killmarth: bodenständig und magisch zugleich.
Kurze Antworten, die wirklich helfen
Ist das Buch ein Einzelband?
Nein, Auftakt einer Reihe (Killmarth-Trials). Der Schluss öffnet klar in Richtung Fortsetzung.
Wie „dunkel“ ist die Geschichte?
Dark Academia: ernste Stakes, tote Kandidaten, moralische Grauzonen – aber mit Romance-Licht und ohne Splatter.
Wie „spicy“ ist die Romanze?
Deutlich knisternd; die US-Verlagsseite spricht von einer steamy romance – eher Hitze als Andeutung, ohne den Plot zu überfahren.
Prüfungen als Charaktermaschine
The Ordeals ist kein Effekt-Feuerwerk, sondern ein Präzisionslabor für Figuren: Prüfungen, die klüger sind als bloße Arena-Schau, eine Romanze, die Entscheidungen schwerer macht (und nicht leichter), und ein Campus, der als System versteht, was Talente mit Menschen macht. Wo der Roman Genre-Tropen abruft, setzt er auf Haltung; wo er konventionell wirkt, gewinnt er über Atmosphäre und Konsequenz. Wer Dark-Academia-Romantasy mit echtem Risiko sucht, wird hier gut bedient – und steht am Ende genau da, wo eine Reihe einen packen soll: bereit für die nächste Runde.
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