Ein Liebender am Krankenbett, eine Geschichte, die man schon kennt – und genau deshalb neu hören muss. Band 5 dreht die Kamera zu Casteel und macht aus Erinnerung eine Waffe gegen die Finsternis.
Soul and Ash – Liebe kennt keine Grenzen von Jennifer L. Armentrout – Wenn eine Stimme zur Brücke wird
Soul and Ash – Liebe kennt keine Grenzen ist der Perspektivband, auf den viele gewartet haben: Casteel (Hawke) erzählt. Nicht, um Nostalgie zu bedienen, sondern um Lücken zu schließen, Motive zu erden und das Herz der Reihe noch einmal neu zu takten, bevor es ins Finale geht. Rahmen: Gegenwart nach den Ereignissen von Band 4, Rückblenden in die Zeit, als Poppy noch die verschleierte Maiden war und Hawke „nur“ Leibwächter. Der Effekt? Bekanntes wird schärfer, Intimes sichtbarer, Entscheidungen teurer. Das ist weniger „Best of“ als Reframing – und genau deshalb erzählerisch sinnvoll.
Handlung von Soul and Ash – Rahmen, Rückblenden, Richtungswechsel
Der Roman setzt ein, als Poppy angeschlagen ist – körperlich, seelisch und im Begriff, neu zu werden. Casteel bleibt an ihrer Seite und tut, was man in solchen Momenten unterschätzt: sprechen. Er erzählt ihr – und damit uns – ihre Geschichte, angefangen bei jener Nacht, in der ein Schutzauftrag zum Brandbeschleuniger wurde.
Die Rahmenhandlung liefert Gegenwartsnähe: leise Wachen, kleine Gesten, Wolven, die enger binden als jeder Thronrat. Hier werden Vertrauen und Gegenwartsliebe verhandelt: Casteel jagt keine Götter, er hält eine Hand. Dazwischen die Rückblenden: Maskenball-Atmosphäre, Tempelrituale, eng beleuchtete Gassen – all die Orte, an denen From Blood and Ash tickte, nun mit dem Innenleben des Mannes, der so lange als Rätsel funktioniert hat.
Was man in Poppys Perspektive nur als Anspannung oder Flirt sah, bekommt Kausalität: Geheimaufträge, Kompromisse, kleine Schuldverschiebungen, die Casteel bis heute nicht loslassen. Die großen Twists des Auftakts bleiben in ihrer Chronologie erhalten – Band 5 verrät nicht „mehr“, sondern anders. Und doch entsteht Neues: Motivlage, Fehleinschätzungen, Grenzmomente, in denen Casteel die Balance zwischen Zweck und Zuneigung verfehlt – und daraus lernt. Die Gegenwart schiebt sich am Ende spürbar nach vorn; es ist kein bloßer Epilog, sondern eine Positionsbestimmung für das, was kommt.
Erinnerung als Handlung, Liebe als Ethik
1) Erinnerung als Heilpraxis.
Das Erzählen ist nicht romantischer Luxus, sondern medizinisch-psychologische Arbeit. Casteel rekonstruiert, um zu verbinden: Vergangenheit, Gegenwart, das „Wir“ jenseits von Krieg. Der Text zeigt, wie Narrativ Stabilität stiften kann – nicht als Beschönigung, sondern als Ordnung der Erfahrung.
2) Konsens unter Asymmetrie – diesmal aus seiner Sicht.
Die Reihe hat immer offen mit Machtgefällen gearbeitet. Casteel bestätigt, dass Nähe bei Armentrout ausgehandeltwird: Blicke, Fragen, Stops – sichtbar, wiederholt, ernst. Aus männlicher Ich-Perspektive wird das deutlicher: Begehrensmomente stehen neben Kontrollmomenten; das macht die Romanze erwachsen.
3) Schuld, Verantwortung, Reue.
Casteel rechnet mit sich: Wo hat Zweck das Gefühl instrumentalisieren wollen? Wo hat Liebe blinde Flecken erzeugt? Das Buch ist damit auch Charakterstudie: ein Mann, der seine Fehler benennt und anders handelt.
4) Wolven & Found Family.
Die Wolven bleiben nicht Kulisse, sondern soziale Infrastruktur. In der Gegenwart rahmen sie Poppys Schutz; in den Rückblenden erklären sie Casteels Risikokalkül. Bindung ist hier Regelwerk, nicht bloß Emotion.
5) Mythos vs. Mensch.
In Poppys Blick war Hawke oft der Effekt. In seiner eigenen Erzählung ist er der Mensch, der laufend abwägt – politisch, emotional, moralisch. Das rückt die große Mythologie wieder auf Augenhöhe.
Serienkontext – Warum der Perspektivband nötig ist
Band 5 sitzt an einer heiklen Stelle: Nach dem Kipppunkt aus Band 4 braucht die Reihe Tiefe, nicht nur mehr Tempo. Soul and Ash liefert genau das. Es stabilisiert die emotionale Architektur (Casteel + Poppy) und verdichtet Motivketten aus Band 1, ohne die Gegenwart zu parken. Man kann es lesen als:
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Brücke zum Finale,
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Gegengewicht zur gewachsenen Lore,
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Antwort auf die Frage: Warum lohnt es sich, für dieses „Wir“ weiterzukämpfen?
Wichtig: Das Buch ist kein Nebenprodukt. Es trägt den Serienbogen, indem es die Verantwortung personalisiert.
Intim, direkt, mit Sinn für Setpieces
Armentrout schickt uns in Casteels Innensprache: direkter, kantiger, manchmal ironischer als Poppy – mit klaren Bildern und szenischer Disziplin. Rückblenden bekommen Kinoqualität (die erste Begegnung, die ersten Risse im Plan), doch der stärkste Ton liegt in den leisen Zimmern: Stühle neben Betten, halbe Sätze, Hände, die nicht loslassen. Sinnlichkeit bleibt konsensbasiert und figurennah; sie wirft Folgen im Plot, statt ihn zu unterbrechen.
Für wen eignet sich der Band?
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Für Romantasy-Leser, die nicht nur Spannung, sondern Charaktertiefe wollen – insbesondere eine männliche Ich-Perspektive, die Verantwortung nicht wegromantisiert.
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Für Fans, die die Poppy/Hawke-Dynamik lieben und sie in Begriffen von Ethik (Konsens, Schuld, Änderung) verstehen möchten.
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Für Buchclubs, die über Erinnerungskultur in Beziehungen, Heilung durch Erzählen und Machtbalancediskutieren wollen.
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Weniger geeignet, wenn man ausschließlich neue Weltenbausteine oder Dauer-Action erwartet: Die Stärke hier ist Vertiefung.
Vergleichsanker – Orientierung im Regal
Wer bei Throne of Glass die Perspektivwechsel zu schätzen wusste, findet hier eine ähnlich sinnvolle Erweiterung: keinGimmick, sondern Erkenntnisarbeit. Fans von Red Queen entdecken die Lust an Machtmythen wieder – nur inniger und beziehungslogisch erzählt.
Kritische Einschätzung – Stärken & mögliche Reibungen
Stärken
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Charaktertiefe statt Clipshow: Kein „best of“, sondern neue Kausalität. Bekanntes gewinnt Bedeutung.
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Ethik der Nähe: Konsens, Entschuldigung, Verhaltensänderung – die Romanze bleibt erwachsen.
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Rahmenhandlung mit Gefühl: Die Gegenwartsszenen sind klein, aber tragfähig; sie begründen, warum Erinnern wirkt.
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Wolven als Ordnung: Bindung wird sozial sichtbar – das hält die Welt kohärent.
Mögliche Reibungen
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„Das kenne ich schon“-Gefühl: Wer Retellings grundsätzlich scheut, braucht Geduld – oder das klare Ziel, Motive zu verstehen.
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Weniger Lore, mehr Innenleben: Weltpolitische Sprünge sind sparsam; der Fokus liegt auf Figurenarbeit.
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Serien-Logik: Der Band schließt offen; er ist Brücke – allerdings eine notwendige.
Über die Autorin – Jennifer L. Armentrout
Armentrout schreibt, als wüsste sie, dass Romantik nur dann trägt, wenn sie Rechenschaft ablegt. Ihr Markenzeichen: Tempo, Dialogrhythmus, Setpieces mit Erinnerungswert – und eine konsequente Haltung zu Konsens. In „Liebe kennt keine Grenzen“ entstaubt sie Auserwähltentropen, macht Glauben zur Machtfrage und verankert Gefühle in Entscheidungen. Band 5 zeigt diese Handschrift in Reinform: kein Glitter, der blendet, sondern Glanz, der erklärt.
Erinnerung als Rüstung
Soul and Ash – Liebe kennt keine Grenzen ist nicht das „Schon-wieder-das-Gleiche“-Buch, das manche fürchten, sondern der Band, der Beziehungswahrheit liefert: Er zeigt, warum Poppy und Casteel mehr sind als Chemie – nämlich Praxis. Er macht aus Rückblick Handlung und aus Intimität Widerstand. Wer diese Reihe wegen der Herz/Nerv-Kombination liebt, bekommt hier den emotionalen Anker vor dem großen Sturm.
Alle Teile der „Liebe kennt keine Grenzen“-Reihe (DE)
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Blood and Ash – Liebe kennt keine Grenzen
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Flesh and Fire – Liebe kennt keine Grenzen
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Soul and Ash – Liebe kennt keine Grenzen (dieser Band)
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Primal of Blood and Bone – Liebe kennt keine Grenzen
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