Die Verleihung des Deutschen Kinderbuchpreises findet dieses Jahr in der norddeutschen Hansestadt Rostock, genauer Rostock-Laage Flughafenterminal,
statt. Dass die Veranstaltung an jährlich wechselnden Orten abgehalten wird, ist Teil des Konzepts – und eine charmante Geste an jene Regionen, die sonst selten auf dem Radar des Literaturbetriebs auftauchen. Dass Rostock dabei nicht zufällig gewählt ist, zeigt ein Blick auf die Geschichte: eine Stadt mit literarischer Tiefenschärfe, von Reuter bis Kempowski, von Brinckman bis Wawerzinek.
Ein Preis mit Substanz und Struktur
Auch 2025 wurden wieder zahlreiche Neuerscheinungen eingereicht – die Bewerbungsfrist endete am 31. Mai. Das hohe Niveau des Vorjahres wurde erneut erreicht, heißt es von den Veranstaltern. Der Preis, inzwischen eine feste Größe im Literaturkalender, ist mit rund 100.000 Euro dotiert. 50.000 Euro gehen an den ersten Platz, gefolgt von 10.000 und 5.000 Euro für Platz zwei und drei sowie 2.500 Euro für die Plätze vier bis zehn. Der Sonderpreis für Illustration ist mit 10.000 Euro ausgestattet – ein deutliches Zeichen, dass auch die visuelle Gestaltung nicht als schmückendes Beiwerk verstanden wird.
Zwei Jurys, viele Perspektiven
Die Entscheidung über die Preisträger erfolgt zweistufig. Eine Erwachsenenjury, zusammengesetzt aus Vorlesenden, Buchhändlerinnen und Bildungsfachleuten, erstellt eine Shortlist mit zehn Titeln. Danach übernimmt die Kinderjury: 32 Kinder, je zwei aus jedem Bundesland, stimmen unabhängig und endgültig über den Gewinner ab. Falls es zu Stimmengleichheit kommt, wird so lange abgestimmt, bis ein klarer Favorit feststeht – eine pragmatische Lösung mit pädagogischem Charme.
Ein Blick zurück: Der Frosch, der überzeugte
2024 gewann Annika Preil mit ihrem Kinderbuchdebüt Annis wilde Tierabenteuer – Auf in den Dschungel!!, illustriert von Phine Wolff. Die Geschichte einer zehnjährigen Protagonistin, die lieber liest als lebt – bis ein regenbogenfarbener Frosch ihr die Sprache der Tiere eröffnet – überzeugte die Jury ebenso wie die Leserinnen und Leser. Eine singende Kakerlake, ein frecher Straßenhund und ein Jaguarkind leisteten dabei nicht nur tierischen Beistand, sondern auch narrative Dynamik. Der Erfolg des Buches spricht für sich.
Literatur als Einladung zum Entdecken
Der Deutsche Kinderbuchpreis will mehr als nur auszeichnen – er will sichtbar machen, was gute Kinderliteratur leisten kann: Orientierung, Unterhaltung, Sprache, Weltverstehen. Die Zielgruppe sind nicht nur die Kinder selbst, sondern auch jene, die mit ihnen lesen, leben, lernen: Eltern, Großeltern, Lehrkräfte, Erziehende.
Die Shortlist für 2025 wird im Sommer veröffentlicht. Was dann folgt, ist keine bloße Preisvergabe, sondern ein kollektiver Blick auf das, was Kinderliteratur im besten Fall kann: Brücken bauen – zwischen Fantasie und Alltag, zwischen Text und Bild, zwischen Kindheit und Sprache. Und wenn dabei ein Flughafenterminal zum literarischen Treffpunkt wird, ist das vielleicht gar nicht so ungewöhnlich. Sondern nur folgerichtig.
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