Staying Alive – Kein Arztroman (2024) erzählt Eva Mirasol, Assistenzärztin und Debütantin, den ungeschönten Alltag von Nicki, einer jungen Ärztin in der Berliner Notaufnahme. Anders als typische Medizinromane rückt dieser Roman nicht den Heldenmoment, sondern psychische Belastung und Humor in den Vordergrund. Wie gelingt es Mirasol, medizinische Realität, schwarze Komik und Selbstfürsorge zu einem mitreißenden Debüt zu verknüpfen? Sie liefert ein authentisches Bild eines Gesundheitssystems am Limit und einer Protagonistin, die ihre eigenen Grenzen neu definiert.
Staying Alive – Kein Arztroman Rezension: Einfühlsam, humorvoll, systemkritisch
Handlung in Staying Alive – Kein Arztroman: Ein Überblick ohne Spoiler
Dr. Anna Berger arbeitet als Internistin in einer überlasteten Klinik. Als ein Reanimationsversuch trotz korrekter Protokolle scheitert, bricht in ihr eine Schuld- und Sinnkrise aus. Auf dringenden Rat einer Psychiaterin nimmt sie an einer speziellen Therapiegruppe für Mediziner:innen teil. Dort erzählt sie zum ersten Mal offen von Albträumen, Selbstzweifeln und dem Druck, jede Entscheidung rechtfertigen zu müssen. Parallel beginnt Anna, eigene Heilmethoden zu erforschen – von Achtsamkeitsspaziergängen im Krankenhausgarten bis zu Klangschalentherapien. Ein Konflikt mit ihrem Chefarzt über Überstunden und Dokumentationspflichten führt sie an einen Wendepunkt: Muss sie als Ärztin jederzeit funktionieren oder darf sie auch Schwäche zeigen? Diese Frage entscheidet Anna in einem Schritt, der ihre Karriere wie ihr Selbstverständnis nachhaltig verändert.
Verantwortung, Resilienz und Rebellion
Petra König verwebt in ihrem Roman mehrere Motivstränge:
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Ärzt:innen-Burnout: Anna repräsentiert die vielen Fachkräfte, die sich in moralischen Dilemmata wiederfinden.
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Schuld und Selbstfürsorge: Wie viel Verantwortung kann eine Person tragen, bevor sie selbst erkrankt?
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Gruppentherapie als Rettungsanker: Das Zusammensein mit Kolleg:innen schafft Reflexionsräume und bricht Isolation auf.
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Systemkritik Gesundheitswesen: Überbordende Dokumentationspflicht und Personalmangel werden satirisch zugespitzt.
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Humor im Alltag: Lakonische Anekdoten über Pieperalarm und spätabendliche Cafeteria-Kaffee-Runden lockern die Dichte auf.
Arztberuf im Wandel
Der Roman erscheint im Kontext notorisch hoher Burnout-Raten unter Mediziner:innen: Laut Deutscher Krankenhausgesellschaft arbeiten über 60 % der Ärzt:innen regelmäßig Überstunden. König greift aktuelle Debatten um Pflegekräftemangel, digitalisierte Dokumentationen und Bürokratieflut auf.
Wie viel Menschlichkeit verträgt unser Gesundheitssystem im Jahr 2024 noch? Ihr Text zeigt, dass ohne psychische Betreuung selbst die besten Therapeut:innen frühzeitig ausbrennen.
Klartext mit Herz und Witz
Petra König setzt auf präzise, lebendige Prosa:
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Ich-Perspektive: Anna berichtet direkt, wodurch Leser:innen ihre Gedankenwelt hautnah miterleben.
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Kapitel als Therapie-Module: Jede Einheit trägt einen funktionalen Titel („Visite“, „Pause“, „Therapiesitzung“) und endet mit einem Cliffhanger.
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Fachsprache & Alltagsjargon: Medizinische Fachbegriffe flankiert von Cafeteria-Sprüchen sorgen für Authentizität.
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Humorvolle Brechungen: Ironische Fußnoten und subtile Wortspiele mildern dramatische Szenen.
Wer sich in Anna Berger wiederfindet
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Mediziner:innen & Pflegekräfte, die mit Burnout-Themen ringen.
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Therapeuten & Coach:innen, die Gruppendynamik und Reflexion praxisnah erleben wollen.
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Allgemeine Leser:innen, die Romane über Selbstfindung und Lebenskrisen schätzen.
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Personalverantwortliche im Gesundheitswesen, als Impuls für bessere Mitarbeiter:innen-Betreuung.
Ein Einstieg ohne Vorkenntnisse ist problemlos möglich, doch Klinik-Insider werden zahlreiche Details zu schätzen wissen.
Stärken und Entwicklungspotenzial
Stärken:
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Authentizität: Realistische Klinikschilderungen ohne Überhöhung.
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Emotionaler Tiefgang: Anna Berger wirkt echt und verletzlich.
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Systemkritik mit Witz: Medizinische Tücken werden kurzweilig entlarvt.
Schwächen:
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Erzähltempo: Der Mittelteil bleibt thematisch hängen, ehe er wieder Fahrt aufnimmt.
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Manche Therapie-Details: Für Laien zu ausführlich.
Insgesamt überzeugt Staying Alive als kraftvoller Beitrag zum Thema Arztgesundheit.
Karrierechancen & Gesundheits-Start-ups: Trends im Gesundheitswesen
Die Geschichte regt an zu fragen: Welche alternativen Karrierewege im Gesundheitswesen eröffnen sich jenseits der Klinik?
Telemedizin-Angebote verzeichnen 2024 ein Wachstum von 30 %, Gesundheits-Coachings boomen, und interdisziplinäre Praxismodelle (z. B. integrierte Psychiatrie) gewinnen an Bedeutung. Leser:innen erhalten hier wertvolle Einblicke in Trends wie digitale Sprechstunden und betriebliches Gesundheitsmanagement – Themen mit hohem Suchvolumen im Netz.
Arztroman reloaded
Staying Alive – Kein Arztroman sprengt Genregrenzen: Ein Roman, der Klinikalltag, Gruppenpsychologie und Persönlichkeitskrise verbindet. Petra König liefert eine bewegende Lektüre für alle, die hinter den weißen Kittel schauen wollen. Wer Medizin, Humor und Gesellschaftskritik in einem sucht, findet hier sein perfektes Buch.
Über die Autorin: Eva Mirasol – Ärztin und Chronistin der Notaufnahme
Eva Mirasol (1981) ist promovierte Ärztin und Autorin aus Berlin. Sie verfasste Kolumnen für die taz und die Zeitschrift der Berliner Ärztekammer und bringt ihre Klinik-Erfahrungen in ihr Debüt Staying Alive – Kein Arztroman. Mit klarer Feder und Ironie beleuchtet sie die Herausforderungen im Klinikalltag. Mirasol lebt mit ihrer Familie in Berlin und setzt sich für bessere Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen ein.
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