Der libanesische Autor Elias Khoury, eine der bedeutendsten Stimmen der arabischen Literatur und engagierter Verfechter der palästinensischen Sache, ist im Alter von 76 Jahren verstorben. Dies berichteten die Zeitungen „Al-Kuds Al-Arabi“ und „An-Nahar“. Khoury, der bis vor kurzem noch als Kolumnist für „An-Nahar“ tätig war, hinterlässt ein literarisches Werk, das weit über die Grenzen des Libanon hinaus große Beachtung fand. Seine Stimme wird in einer Zeit fehlen, in der sein Heimatland vor enormen Herausforderungen steht, da der Libanon am Rande eines möglichen Krieges mit Israel steht.
Eine prägende intellektuelle Stimme aus Beirut
Elias Khoury wurde 1948 in eine griechisch-orthodoxe Familie in einem vorwiegend christlich-bürgerlichen Viertel von Beirut geboren. Er zählte zu den führenden Intellektuellen des Libanon und mischte sich aktiv in gesellschaftliche Debatten ein. Ob durch seine Schriften oder als Teilnehmer an Protesten – Khoury engagierte sich leidenschaftlich für die politischen und sozialen Belange seines Landes.
Vor rund zehn Jahren initiierte er zusammen mit anderen Intellektuellen die Protestbewegung „You stink“, als das Müllentsorgungssystem in Beirut zusammenbrach. Diese Bewegung entwickelte sich zu landesweiten Demonstrationen. Auch bei späteren Protesten gegen das konfessionelle und korrupte System war Khoury regelmäßig an vorderster Front zu finden. Sein unerschütterlicher Enthusiasmus und sein Glaube daran, dass die Libanesen den Bürgerkrieg endgültig hinter sich lassen könnten, zeichneten ihn aus. Er sah in den konfessionsübergreifenden Protesten einen Weg, die Herrschaft der politischen Elite zu brechen, die durch das Schüren von Angst vor einem erneuten Bürgerkrieg ihre Macht aufrechterhielt.
Elias Khoury und der Kampf für die Palästinenser
Khourys literarisches Werk ist eng mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt verknüpft. In vielen seiner über zwanzig Werke, darunter Romane und Theaterstücke, thematisierte er die *Nakba* – die Vertreibung der Palästinenser ab 1948 – und setzte sich intensiv mit der palästinensischen Geschichte und Identität auseinander. Sein Roman *Das Tor zur Sonne* (*Bab al-Schams*), der 2002 verfilmt wurde, gehört zu den bedeutendsten Werken, die dieses Thema aufgreifen. Khoury beleuchtete den Konflikt aus verschiedenen Perspektiven und hinterfragte dabei sowohl historische als auch zeitgenössische Ereignisse. Seine Literatur war oft fragmentarisch und mehrstimmig, ein Mosaik der Erinnerungen, das den vielschichtigen Charakter des Konflikts widerspiegelte.
Sein politisches Engagement zeigte sich auch in seiner Arbeit außerhalb der Literatur. Khoury leitete lange Zeit das *Institute for Palestine Studies* in Beirut und trat in jungen Jahren der Palästinenserorganisation Fatah bei. Seine kritische Haltung gegenüber dem israelischen Siedlungsbau und sein Einsatz für die Rechte der Palästinenser prägten sowohl seine literarische als auch seine politische Karriere.
Literarischer Durchbruch und internationale Anerkennung
Seinen literarischen Durchbruch feierte Khoury 1977 mit dem Roman *Der kleine Berg*, der ihn zu einem der führenden Autoren der arabischen Welt machte. Mehr als zwanzig Jahre später folgte sein bekanntestes Werk, *Das Tor zur Sonne*, das ebenfalls große internationale Beachtung fand. In vielen seiner Schriften setzte er sich für die Rechte der Palästinenser und deren Streben nach einem eigenen Staat ein.
Neben seinen Romanen war Khoury auch als Journalist tätig. Über fünf Jahrzehnte hinweg schrieb er für verschiedene arabische Medien und machte sich einen Namen als scharfsinniger Kommentator des politischen Geschehens. Darüber hinaus lehrte er an Universitäten weltweit und war bis zu seinem Tod Chefredakteur des Magazins für Palästinensische Studien.
Ein unermüdlicher Verfechter der Gerechtigkeit
Elias Khourys Tod bedeutet einen großen Verlust für die arabische Literatur und für die politischen Bewegungen, denen er sich sein Leben lang verschrieben hatte. Er wird als unermüdlicher Verfechter der Rechte der Palästinenser und als kritischer Beobachter der politischen Entwicklungen in der arabischen Welt in Erinnerung bleiben. Seine Werke werden weiterhin die Stimme derjenigen sein, für die er sein Leben lang kämpfte.
Topnews
Unser Geburtstagskind im August: Mary Shelley
Unser Geburtstagskind im Juli: Franz Kafka und die Kunst, sich nicht zurechtzufinden
Unser Geburtstagskind im Juni: Thomas Mann und die brüchige Ordnung der Welt
Unser Geburtstagskind im Mai: Novalis - Die Blaue Blume und die Wiederverzauberung der Welt
Unser Geburtstagskind im April: Samuel Beckett
Unser Geburtstagskind im März: Heinrich Mann
Unser Geburtstagskind für den Wintermonat Februar: Gertrude Stein
Ein Geburtstagskind im Januar: Edgar Allan Poe – Dichter der Struktur und des Schreckens
Geburtstagskind im Dezember – Emily Dickinson
Ein Geburtstagskind im November: Astrid Lindgren
Geburtstagskind im Oktober: Benno Pludra zum 100. Geburtstag
Das Geburtstagskind im September: Roald Dahl – Der Kinderschreck mit Engelszunge
Ein Geburtstagskind im August: Johann Wolfgang von Goethe
Hans Fallada – Chronist der kleinen Leute und der inneren Kämpfe
Ein Geburtstagskind im Juni: Bertha von Suttner – Die Unbequeme mit der Feder
Ein Geburtstagskind im Mai: Johannes R. Becher
Ein Geburtstagskind im April: Stefan Heym
Ein Geburtstagskind im März: Christa Wolf
Bertolt Brecht – Geburtstagskind im Februar: Ein literarisches Monument, das bleibt
Aktuelles
Shida Bazyar: „Die Lücken“ – Was ein Dorf nicht vergessen kann
Karosh Taha: „Gulistan“ – Wenn selbst ein Name gefährlich wird
Pocket FM wird Sponsor des Selfpublisher-Verbandes
Eunike Grahofers „Wurzeln – Apotheke aus der Erde“
Rage – Du sollst brennen von S.T. Abby: Am Ende reicht Rache allein nicht mehr
Pain – Du sollst leiden von S.T. Abby: Wenn die Wahrheit nicht mehr verborgen bleiben kann
Sarah Elena Müller: „Unwucht“ – Die offene Seite der Liebe
Revenge – Du sollst flehen von S.T. Abby: Wenn aus Rache endgültig Krieg wird
Blood – Du sollst bereuen von S.T. Abby: Wie lange kann man jemanden lieben, den man nicht kennt?
Secret – Du sollst mich fürchten von S.T. Abby: Wenn die Serienkillerin zur Heldin wird
Giuliano Musio: „Aus anderem Holz“ – Der Mensch, der eine Puppe blieb
Brecht, Gleiwitz und die Sprache des 1. September
Das Literarische Quartett am 4. September 2026
1999 Meter über dem Meer von Caroline Wahl: Wie frei ist ein Leben, das ständig eine neue Rolle braucht?
Alles wird Asche von Nele Neuhaus: Die Zukunft ist neu, die Abgründe sind es nicht
Rezensionen
Jules Verne: „Reise um die Erde in 80 Tagen“ – Die Welt wird zur Uhr
Jules Verne: „20.000 Meilen unter dem Meer“ – Der Mann, der aus der Welt verschwindet
Clemens Böckmann: „Das richtige Leben des Alvaro Maderholz“
Annie Ernaux und Marc Marie: „Auf den Bildern“ – Was vom Begehren übrig bleibt
Vom Wollen und Sollen – Gerti Tetzners „Gegen Wind“
Kräutertee und Wadenwickel – Wenn die Hausapotheke wieder in die Küche zieht
„Parasiti“ von Alisha Gamisch: Was sich in einer Familie einnistet
Tony Tulathimutte: „Fiasko“ – Jeder ist die Hauptfigur seiner Zurückweisung
Erin A. Craigs „Ein Haus aus Salz und Tränen“ zwischen Märchen, Gothic Horror und weiblicher Selbstbehauptung
Ada Caine: „Eine echte Komtess“ – Ein Sommer zwischen den Ständen
Böse Stunde von Catherine Shepherd – Wenn die Zeit zur Tatwaffe wird
Als wir träumten von Clemens Meyer
Die Psychiaterin von Freida McFadden: Ein Haus voller Stimmen – und keine davon sagt die ganze Wahrheit
Nachtschatten von Kristina Ohlsson: Ein atmosphärischer Schwedenkrimi zwischen Familiengeheimnissen und tödlichen Wahrheiten