Erich Kästner ist als scharfer Kritiker und pointierter Autor international bekannt. Popularität erlangte er insbesondere als Kinderbuchautor. Nicht weniger erhellend allerdings sind die gesellschaftskritischen Gedichte, Aphorismen und Essays, in denen sich Kästner als Antimilitarist gegen den Irrsinn seiner Zeit auflehnte. Unter dem Titel "Resignation ist kein Gesichtspunkt" erscheint nun ein Band, welches zum Teil unbekannte und unveröffentlichte Beiträge versammelt.
Mit Kinderbüchern wie "Emil und die Detektive" (1929), "Pünktchen und Anton" (1931), "Das fliegende Klassenzimmer" (1933) oder "Das doppelte Lottchen" (1949) erlangte Erich Kästner internationale Bekanntheit. Mit seinen Gedichten, Epigrammen und Aphorismen griff er scharf die gegebenen Verhältnisse an, tat sich als Antimilitarist und Pazifist hervor. In erster Linie trat Kästner, der selbsternannte Schulmeister, dabei als Beobachter der Verhältnisse auf, ohne klar politisch Stellung zu beziehen. Nun erscheint mit dem Band "Resignation ist kein Gesichtspunkt" ein Konvolut von Texten, in denen das politische Engagement des Autors zu Tage tritt.
Dabei handelt es sich um 43 Entwürfe, Redemanuskripte und Zeitungsartikel, in denen sich der Antimilitarist Kästner gegen die Stumpfheit seiner Zeit richtet. Zwölf der Texte sind bereits in Zeitung und Zeitschriften erschienen, wurden jedoch seit der Erstveröffentlichung nicht mehr nachgedruckt. Fünf Beiträge sind bislang gänzlich unveröffentlicht geblieben. Dass sie nun eingesehen werden können, ist einer akribischen Forschungsarbeit, insbesondere im Deutschen Literaturarchiv Marbach, zu verdanken.
"Resignation ist kein Gesichtspunkt"
Schnell wird deutlich, wie erschreckend aktuell Kästners Gedanken bis heute geblieben sind. Immer klingt dabei das Barbarische mit, das Entsetzen über die Verführbarkeit der Massen. Zwischen den Weltkriegen schrieb er gegen die Wiederholung des Unsagbaren an; nach Beginn der nationalsozialistischen Diktatur war er dann einer der wenigen Intellektuellen, die im Geiste emigrierten und, obgleich entschiedene Gegner des Nationalsozialismus, in Deutschland geblieben sind, am "Nullpunkt der Menschlichkeit und der Menschheit".
Unter den widrigsten Bedingungen das Menschliche verteidigen, den Geist, die Bildung und Aufklärung hoch halten, in einer blinden Masse Menschen sehen - das war Kästners selbstauferlegte Aufgabe, die er unter anderem in dem 1953 erschienenen, titelgebenden Beitrag "Resignation ist kein Gesichtspunkt" mit aller Unbedingtheit setzt. Um künftig die "Fehlentwicklung ganzer Generationen" zu vermeiden müsse der Glaube an die Humanität aufrecht erhalten bleiben. Letztlich gehe darum, dass "ganze Menschen entstehen, statt gefährlicher und gefährdeter Zweidrittelgeschöpfe."
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