Ein Kulturzentrum im niederländischen Groningen hat die Aufführung einer Inszenierung des Beckett-Stücks "Warten auf Godot" untersagt, weil nur Männer zum Casting geladen wurden. Der hinter der Absage liegende Zwiespalt ist dermaßen absurd, dass er selbst für eine Inszenierung herhalten könnte.
Samuel Becketts 1953 uraufgeführtes Stück "Warten auf Godot" zählt als eines der bekanntestes und erfolgreichsten Theaterstücke der Nachkriegszeit. Bis heut fasziniert dieses Urgestein des Absurden Theaters Rezipientinnen und Rezipienten ungemein, konfrontiert sie mit unentwirrbaren Fragestellungen und führt sie an die Grenzen der Hermeneutik. Letzteres tat nun auch ein Kulturzentrum im niederländischen Groningen, indem es eine für März geplante Aufführung einer Inszenierung ebenjenes Beckett-Stücks mit der Begründung untersagte, dass nur Männer zum Casting geladen wurden. Es gehe nicht an, dass Gruppen von Menschen ausgeschlossen würden, sagte eine Sprecherin des Kulturzentrums gegenüber der dpa.
Samuel Becketts Verfügung: Es dürfen nur Männer spielen
Nur Männer auf der Bühne - das würde gegen die selbst auferlegten Regeln des Zentrums verstoßen. Nun würde natürlich niemand Ernstzunehmendes auf die Barrikaden gehen, wenn die Männerrollen in diesem großartigen Stück mit Frauen besetzt werden würden. Das Problem nur ist, dass der 1989 verstorbene Beckett unter Androhung gerichtlicher Verfügungen bestimmt hat, dass die Männerrollen in seinem Stück ausschließlich von Männern gespielt werden dürfen. Und da es sich bei Wladimir, Estragon, Pozzo und Lucky - sowie bei dem Boten Godots - um Männer handelt, scheint die Rollenverteilung festzustehen.
Somit hat die Absurdität gewissermaßen den Bühnenrand verlassen. Der 26-jährige Regisseur Oisín Moyne selbst hat das Gefühl, "in einem absurden Traum gelandet" zu sein, wie er der Tageszeitung Dablad von het Noorden in einem Interview sagte. Er selbst hätte überhaupt nichts dagegen, dass auch Frauen Männerrollen spielen. Da seine Theatergruppe allerdings klein sei, wolle man nicht das Risiko eingehen, von der Stiftung, die Becketts Rechte verwaltet, verklagt zu werden.
So wird es also allem Anschein nach keine Beckett-Auführung an der Groninger Universität geben. Gut für die Zukunft, schlecht für die Studierenden. Ah. Moment mal...
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