Immer mehr Rezipienten entdecken Fehler in Prinz Harrys kürzlich erschienener Autobiografie "Spare". So soll unter anderem der titelgebende Satz seines Vaters "Jetzt hast du mir einen "Heir" und einen "Spare" geschenkt" nie so gefallen sein. Auch weitere Angaben scheinen schlicht hinzugedichtet.
"Wunderbar! Jetzt hast du mir einen "Heir" und einen "Spare" geschenkt - meine Arbeit ist getan." - So lautet der Satz, den Prinz Charles angeblich nach der Geburt Harrys 1984 zu seiner Frau Diana gesagt haben soll. Ein folgenschwerer, tiefsitzender Satz, den Harry zum titelgebenden Herzstück seiner kürzlich erschienenen Autobiografie "Spare" gemacht hat. Eine Woche nach Erscheinen des Titels kommen nun allerdings Zweifel auf, ob der Satz in dieser Form jemals gefallen ist. Wie die FAZ berichtete, hat Harrys Mutter Diana in ihrer Autobiografie "Dina: Her True Story" völlig andere Erinnerungen aufzeichnen lassen. Demnach sagte Charles: "Oh, es ist eine Junge, und er hat sogar rostige Haare". Ein Unterschied, der nicht nur den Titel der Autobiograf beiseite wischend würde, sonder auch brisante Auswirkungen auf die Reputation der Königsfamilie hat.
Schwerwiegende Fehler
Harry behauptet, sein Vater sei anschließend "mit seiner Freundin ins Theater" gegangen. In Dianas Autobiografie wiederum heißt es, Charles habe anschließend ein Polospiel besucht. Etliche Recherchen verweisen auf weitere Fehler. So schreibt Harry, das letzte Geschenk, welches er von seiner Mutter Diana bekam, sei eine Xbox gewesen, die sie, Diana, kurz vor ihrem tödlichen Autounfall im Jahr 1997 in Paris gekauft haben soll. Die Xbox kam in Europa allerdings erst 2002 auf den Markt. Ebenso schreibt Harry über seine Alltagskleidung, er habe diese am liebsten beim "jährlichen Ausverkauf" in dem Discounter TK Maxx gekauft. Wie der Discounter angab, gebe es bei ihm allerdings gar keinen Ausverkauft.
Ein weitere, nicht unerhebliche Falschangabe bezieht sich auf den Tod der Queen Mum, die am 30. März 2002 im Alter von 101 Jahren verstoben ist. Harrys Autobiografie zufolge, befand er sich zu diesem Zeitpunkt im Internat "Eton", wo er einen Anruf von einem Diener bekam, der ihn über den Tod informierte. "Eure Königliche Hoheit, die Königsmutter ist verstorben". Dass diese Geschichte eine ausgedachte ist, beweisen nicht zuletzt Paparazzifotos, die Harry am Tag des Todes gemeinsam mit Charles und William in der Schweiz zeigen, wo sie Skilaufen waren.
Ein weiterer fundamentaler Fehler bezieht sich auf die erste Begegnung zwischen Harry und seiner Stiefmutter Camilla im Juni 1998. Hier ist nicht nur die Ortsangabe eine völlig falsche. Harry behauptet, Camilla habe Informationen des vertraulichen Gesprächs an die Presse weitergegeben. Dass diese Weitergabe auf Camillas Privatsekretärin Amanda McManus und deren Mann James zurückzuführen ist, der für den Medienunternehmer Rupert Murdoch arbeitete und die Infos an die "Sun" weitergab, ist längst bekannt.
Ein privilegierter Underdog
Allen Anschein ist Prinz Harrys Autobiografie der textgewordene Versuch, sich als Underdog des Königshauses zu präsentieren. Aus der aus Harrys Perspektive geschilderten Benachteiligung scheint der Wunsch erwachsen zu sein, als ganz normaler Junge zu erscheinen. Diese sich blendend verkaufende Geschichte wird jedoch grundsätzlich von königlichen Säulen getragen. Auch als Underdog ist Harry Privilegierter. Ein Privilegierter, der seine eigene Lebensgeschichte vor aller Öffentlichkeit in solch überbordender Weise manipuliert, wie es nur jene tun können, die Außenseiter und Abgehängte produzieren.
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