Die handschriftlichen Texte der englischen Schriftstellerin Charlotte Brontë erzielen auf Aktionen Spitzenreise. Einer der Gründe: Die Autorin schrieb ihre unter dem Pseudonym Currer Bell verfassten Erzählungen und Gedichte in winzige Bücher, die kaum größer als heutige Visitenkarten waren. Nun wurde ein mehr als ein Jahrhundert lang verschollenes, 15-seitiges Büchlein mit zehn Gedichten für 1,25 Millionen Dollar versteigert.
Die englische Schriftstellerin Charlotte Brontë begann bereits im Kindesalter zu schreiben. Gemeinsam mit ihren drei jüngeren Geschwistern verfasste sie beispielsweise mehrere Ausgaben des Young Men´s Magazine, welches vom damaligen Blackwood´s Magazin inspiriert war. Aus dieser Zeit stammen auch diverse handschriftlich verfasste Erzählungen, allesamt eng auf kleinen Blättern geschrieben. Diese winzigen handschriftlichen Arbeiten sind bei Sammlern äußerst begehrt. 2012 wurden einige der Schriften für 690.000 Pfund versteigert. Jetzt ist ein weiteres Miniaturbuch wiederentdeckt worden, in welchem die damals erst 13 Jährige Brontë auf 15 Seiten zehn bislang unveröffentlichte Gedichte schrieb. Am vergangenen Sonntag wurde das Büchlein für 1,25 Millionen Dollar versteigert.
Nicht größer als eine Visitenkarte
Das etwa visitenkartengroße Buch ist mit dem Titel "A Book of Rhymes by Charlotte Brontë, Sold by Nobody and Printed by Herself" ("Ein Buch der Reime von Charlotte Brontë, verkauft von niemandem und gedruckt von ihr selbst") versehen. Seit über einem Jahrhundert wurde das Buch nicht mehr öffentlich gezeigt. Damals (1916) ist es in New York für nur 520 Dollar versteigert worden.
Den unglaublichen Preis von 1,25 Millionen Dollar erreichte das Brontë-Minibuch auf einer internationalen Messe für antiquarische Bücher, die am Sonntag in New York stattfand. Wusste man zunächst nicht, um wem es sich bei dem Käufer oder - in diesem Falle - den Käufern handelt, berichtete die New York Times am Montag, dass die Gruppe "Friends of the National Libraries" das Buch ersteigerte. Hinter diesem Namen verbirgt sich eine Organisation, die historisch bedeutsame Schriftstücke ersteigert, um diese zurück in britische Bibliotheken und Museen zu bringen.
Zum Gebot gestellt wurde das Büchlein von einer anonymen Privatperson, die das Werk in einem Umschlag entdeckt hatte, der in einem Buch steckte. Der handgeschriebene Gedichtband ist der Literaturwissenschaft bereits seit längerem bekannt. Die britische Schriftstellerin Elizabeth Gaskell hatte ihn bereits in ihrer 1857 veröffentlichten Brontë-Biografie "The Life of Charlotte Bronte" ("Das Leben der Charlotte Brontë") darüber geschrieben.
Zurück nach Haworth
Die Gruppe "Friends of the National Libraries" will das Buch dem Parsonage Museum in Haworth überlassen (Brontë´s Geburtstag und Wohnort). Hier befindet sich eine der größten Sammlungen der begehrten handschriftlichen Brontë-Texten. Die Museumskuratorin Ann Dinsdale zeigte sich begeistert, angesichts des demnächst neu eintreffenden Gedichtbuches.
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