Gestern klingelte der Hausverwalter an unserer Tür und verkündete ohne Umschweife, er hätte seinen Wirkungskreis erweitert und in diesem Zusammenhang wolle er uns ein interessantes Angebot unterbreiten. Ich war nicht besonders erfreut, ihn zu sehen, denn er erschien meist nur, um neue Gebote für das Benutzen unseres repräsentativen Treppenhauses zu verkünden.
Aber dieses mal schien es sich um etwas anderes zu handeln, denn er lächelte und seine Hand, die er mir zuvor entgegenstreckte (er weiß nicht, dass der Mann warten sollte, bis die Dame ihre Bereitschaft zu dieser körperlichen Berührung kund tut), diese Hand also fühlte sich heiß (zum Glück trocken!) und nicht, wie sonst, kühl an. Ich erinnerte mich plötzlich an den frei in der Wohnung einer Studienfreundin herumfliegenden Kanarienvogel; Wenn ich zu Besuch kam, bekam er vor Aufregung ganz heiße Füße; Und setzte er sich auf meinen Kopf, auf sommerlich entblößte Schulter oder Arme (was er gerne tat), hatte ich das unangenehme Gefühl, Brandblasen davon zu tragen.
Doch vielleicht hatte die Temperatur des Hausverwalters Hand mit der Hitze, die draußen herrschte und weniger mit der inneren Erregung des Mannes zu tun?
Er scharrte ein wenig mit den Füßen auf unserer Fußmatte. Automatisch schaute ich runter auf seine Schuhe und stellte mit Erleichterung fest, dass er keine Sandalen trug.
Möchten Sie ein Glas Wasser? fragte ich, denn bei diesem Wetter biete ich jedem, der vor meiner Tür steht (meist sind es Paketboten und Kuriere) ein Glas Wasser an.
Er aber wollte kein Wasser. Er wollte lieber gleich mit der Tür ins Haus fallen, sagte er.
Er baue sich ein zweites Standbein auf, sein neuer Wirkungskreis befinde sich im Umfeld der Versicherungs-Branche. Es sei ein ganz spezielles, noch nie da gewesenes und daher, davon sei er überzeugt, von Menschen wie mir lang erwartetes Angebot, welches mein Leben lebenswerter und leichtfüßiger machen könnte, wenn... Ob er mir das Angebot unterbreiten dürfte?
Ich war nicht wirklich neugierig, aber da ich gerade ebenfalls überlegte, mich beruflich ein wenig zu “erweitern”, entflammte mein Interesse für seine Geschäftsidee doch ein wenig. Treten Sie ein, sagte ich.
Kaum fiel die Wohnungstür hinter ihm ins Schloss, öffnete er seine Tasche und hielt mir stolz mehrere bedruckte Papierblätter vor die Nase.
HEIRATSVERSICHERUNG stand da ganz oben auf dem ersten Blatt in einer schnörkeligen Schrift gedruckt. Auf den ersten Blick sah das Papier wie eine freundliche Einladung zur Hochzeit aus.
Und?! Was sagen Sie?! rief er triumphierend.
Was soll denn das sein? fragte ich überrascht. Heiratsversicherung für Verheiratete? Verstehe ich nicht...
Ja, rief er ganz aufgeregt, das ist eine Versicherung für Leute, die verheiratet sind! Damit nichts schief geht in der Ehe!!
Ich war verblüfft. War der Mann noch zu retten? Wer hat ihn auf diese wahnsinnige Idee gebracht? Ein cleverer Versicherungsvertreter etwa? War er denn nicht gegen Versicherungsvertreter versichert, so wie ich?
Kein Bedarf, mein Herr, sagte ich und schob ihn sanft ins Treppenhaus zurück. Nachdem ich die Tür geschlossen hatte, horchte ich noch einen Augenblick, ob er sich entfernt oder bei den Nachbarn klingelte (aber die lebten in wilder Ehe, also nicht gerade sein Zielpublikum).
Er horchte wohl auch, denn ich vernahm ein leises Klopfen. „Frau Kuschel? Sind Sie noch da?“ hörte ich, und: „Seien Sie doch nicht töricht! Sie sollen meine erste Kundin sein... Ich geben Ihnen Rabatt!!“
Wie hoch? fragte ich. Wie einigten uns unter den besonderen Umständen, auf die ich hier nicht weiter eingehen möchte auf 99%, sollte ein Vertrag zustande kommen.
Ich bot ihm einen Stuhl in der Küche an. Eine Tasse Tee versprach ich, wenn mir seine Idee gefallen sollte. Zu meiner Verwunderung war die Idee gar nicht so schlecht! Sie beinhaltete einen wesentlichen Punkt:
Jedes verheiratete Paar wäre verpflichtet, alle 7 Jahre eine Prüfung abzulegen, die es zur Weiterführung der Ehe berechtigt.
Genial! Nicht mehr pauschal „bis dass der Tod Euch scheidet“, sondern „so lange, wie Ihr Euch einander verdient“.
Es war ein Leichtes, den Mann zu überzeugen, mich als Partnerin mit ins Boot zu nehmen. Dafür verzichtete ich auf den großzügigen Rabatt.
Wir schauen rosigen Zeiten entgegen! Diese Versicherung wird einschlagen wie eine Bombe! Wir werden reich und bescheren vielen verheirateten Menschen Glück und Zufriedenheit. (Und den Singles unzählige Chancen, frei gewordene Partner und Partnerinnen kennen zu lernen und für sich zu erobern. Denn ich bin davon überzeugt, dass ein nicht geringer Teil der durch uns versicherten Paare schon bei der ersten Prüfung patzen wird. Diese Geschäftsidee, so klein und verrückt sie auf den ersten Blick daher kommen mag, sie wird die Welt verändern!)
Also bereitete ich den versprochenen Tee: eine große Kanne Ostfriesenmischung von Käpt’n Schrader, mit Kluntjes und süßer Sahne. Den hat sich der Mann wirklich verdient:-)
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