Plötzlich ist die Sonne da. Die Bäume stehen noch unanständig nackt herum, aber die Menschen treten aus den Häusern, halten ihre Gesichter und Arme zum Licht hin und lächeln. So auch ich! Gehe durch den Park, ziehe Frühlingsluft durch die Nase ein und... rieche Waschmittel! Ein scharfer Geruch, Übelkeit hervorrufend und von Menschen ausgehend, die mit einigem Abstand vor mir schreiten. Fast so schlimm wie Mundgeruch! Haben die denn keine Nasen?
Sind ihre Sinne durch den ständigen Gebrauch von stark parfümierten Pulvern zerstört? Wenn man bedenkt, dass die füreinander bestimmten Wesen von ihrem körpereigenem Duft angezogen werden, wie soll das geschehen, wenn dieser von chemischen Dünsten dermaßen überlagert wird?
Will die Waschmittelindustrie verhindern, dass Menschen zueinander finden? Handelt sie etwa im höheren Auftrag, der die Menschheit auf diese Weise ausrotten will?
Aber vielleicht verfallen schon Kinder im Babyalter dem Waschmittelodeur, den ihre Eltern verströhmen und finden gar diesen Duft ihr Leben lang schön? Ähnlich der Vorliebe brustgestillter Kinder für Vanille?
Also wird sich die Menschheit wahrscheinlich weiter vermehren, nur ob die Paare eine dauerhafte Beziehung zustande bringen, das bezweifle ich stark. Liebe macht blind und dumm und sicher verstopft sie dem einen oder anderen auch die Nase, zumindest in den berühmten ersten drei Monaten. Anders kann ich mir das nicht erklären, wie man sich in jemanden, der so penetrant stinkt, verlieben kann.
Es ist schon lange her, da lebte ich für kurze Zeit mit zwei musizierenden Rauchern in einer Wohngemeinschaft. Einer von ihnen verliebte sich in mich und ich auch in ihn. Wahrscheinlich, weil er so vertraut nach meinem Elternhaus roch. Als er sieben Jahre später das Rauchen erfolgreich aufgegeben hatte (denn das Tuba-Spielen litt unter der Raucherei zunehmend), stellt er fest, dass er mich nicht mehr riechen mochte. Das erfreuliche an der Geschichte war, dass er seinen Geruchs- und Geschmackssinn vollends wieder erlangte. Er veränderte sein Leben und heute ist er ein gefragter Sommelier. Und Lebemann! (Mein Leben veränderte sich ebenfalls, erst zum Schlechteren, dann zum Besseren.)
Es gibt Menschen, die allergisch auf chemische Düfte reagieren, manche von ihnen sind sogar dazu verdammt, auf einsamen Inseln in der Nordsee zu wohnen, um gesundheitsgefährdenden Duftattacken ihrer Mitmenschen zu entgehen. Warum ist so viel Gestank erlaubt? Ich selbst bevorzuge geruchsfreie Kosmetika und würde mir wünschen, diese nicht immer wie eine Nadel im Heuhaufen suchen zu müssen. Das Leben wäre sicher nicht nur für mich angenehmer.
Aber wer hat schon das Leben, das er sich wünscht? Mit Wüschen sollte man eh äußerst vorsichtig umgehen. Der Zeichner TOM hat die Gefahr, die dabei lauert wunderbar in einem Touchè-Cartoon anschaulich gemacht: Einem Mann erscheint eine gute Fee und sagt “Du hast einen Wunsch frei, aber mach schnell”. Der Mann ist clever und sagt “Ich wünsche mir immerzu neue Wünsche, hähä!” Schwupp! Der Mann wurde in einen Wunschbrunnen verwandelt, sicher für den Rest seines Lebens. Für die Fee war der Job bestmöglichst erledigt, sie war natürlich auf Nimmerwiedersehen verschwunden. So kann es einem ergehen, also wollen wir zufrieden sein mit dem, was wir sind und haben, oder?
Hier bestellen
Topnews
Unser Geburtstagskind für den Wintermonat Februar: Gertrude Stein
Ein Geburtstagskind im Januar: Edgar Allan Poe – Dichter der Struktur und des Schreckens
Geburtstagskind im Dezember – Emily Dickinson
Ein Geburtstagskind im November: Astrid Lindgren
Geburtstagskind im Oktober: Benno Pludra zum 100. Geburtstag
Das Geburtstagskind im September: Roald Dahl – Der Kinderschreck mit Engelszunge
Ein Geburtstagskind im August: Johann Wolfgang von Goethe
Hans Fallada – Chronist der kleinen Leute und der inneren Kämpfe
Ein Geburtstagskind im Juni: Bertha von Suttner – Die Unbequeme mit der Feder
Ein Geburtstagskind im Mai: Johannes R. Becher
Ein Geburtstagskind im April: Stefan Heym
Ein Geburtstagskind im März: Christa Wolf
Bertolt Brecht – Geburtstagskind im Februar: Ein literarisches Monument, das bleibt
Wie Banksy die Kunst rettete – Ein überraschender Blick auf die Kunstgeschichte
Ein Geburtstagskind im Januar: Franz Fühmann
Zauberberg 2 von Heinz Strunk
100 Jahre „Der Zauberberg“ - Was Leser heute daraus mitnehmen können
Oschmann: Der Osten: Eine westdeutsche Erfindung“ – Umstrittene russische Übersetzung
Überraschung: Autorin Han Kang hat den Literaturnobelpreis 2024 gewonnen
Freie Fahrt für Alle!
Zeichen und Wunder
Wo der Gast König ist
Gips zu Geld machen
Die Geschäftsidee
Leben im Diorama
Männer in den Kirschen
Der Taucher
Sonst keine Probleme
Berlusconis Haare
Blut und Schokolade
Häusliche Unfälle
Verheiratete leben länger!
Verliebt, verlobt, verheiratet
Tanzen ist schöner als Sex
Aktuelles
Siri Hustvedts „Ghost Stories“ als Literatur der Beziehung
Nachhaltig und günstig lesen: So geht's!
Literaturpreis der deutschen Wirtschaft 2026: Drei Autoren auf der Shortlist
Der Koffer der Milena Jesenská – Ein Fundstück aus dem Schatten Kafkas
„The Bride! – Es lebe die Braut“
„Die Erschöpften“ – Oliver Sturms Hörspiel über eine müde Gesellschaft gewinnt den Deutschen Hörbuchpreis 2026 in der Kategorie „Bestes Hörspiel“
Selfpublishing-Buchpreis 2025/26: Neun Bücher im Finale auf der Leipziger Buchmesse
Marc Elsberg Eden Rezension: Wenn das Sterben beginnt
„The Darlington – Logan & Rose“ – Laura Kneidl krönt ihre Hotel-Saga
Das letzte Kind hat Fell von Tessa Hennig – Wenn der Ruhestand plötzlich bellt
NDR Sachbuchpreis 2026: Die Suche nach den Büchern, die unsere Zukunft erklären
Michael von Kunhardt Mentalgiganten: Was wahre Stärke wirklich ausmacht
Deutscher Buchhandlungspreis: Preisverleihung abgesagt – PEN warnt vor politischer Einflussnahme
Das „Literarische Quartett“ am 13. März 2026
Schilddrüse im Gleichgewicht – Ein Buch, das vielen Betroffenen endlich Antworten liefert
Rezensionen
Happy Head von Josh Silver – Wellness, Wettbewerb, Wahnsinn