Usedomer Literaturtage 2026: Setz, Übersetzung und ein Programm zwischen Geschichte und Gegenwart

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Clemens J. Setz eröffnet die diesjährigen Usedomer Literaturtage als Preisträger des Usedomer Literaturpreises 2026. Damit steht ein Autor im Zentrum, der wie kaum ein anderer die Gegenwart in ihren feinen Verschiebungen beobachtet. Seine Texte arbeiten präzise, oft irritierend, und richten den Blick auf das, was unter der Oberfläche des Alltäglichen liegt.

Clemens J. Setz Clemens J. Setz Usedomer Literaturtagen 2026 MaxZerrahn

Am 18. April 2026 um 11:00 Uhr wird Setz im Seetelhotel Ahlbecker Hof (Ahlbeck) ausgezeichnet und liest aus seinem Erzählband Der Trost runder Dinge. Die Texte kreisen um Wahrnehmung, Kontrolle und die Fragilität scheinbar stabiler Wirklichkeiten. Dass Olga Tokarczuk die Einführungsrede hält, ist dabei mehr als eine prominente Besetzung.

Übersetzerpreis: Literatur entsteht im Dazwischen

Am selben Tag wird erstmals der Usedomer Übersetzerpreis verliehen. Ausgezeichnet werden Lisa Palmes und Lothar Quinkenstein für ihre Übertragungen polnischer Literatur ins Deutsche, insbesondere für ihre Arbeit an Bolesław Prus’ Roman Die Puppe.

Die Preisverleihung findet am 18. April 2026 um 17:00 Uhr im Interferie Hotel Medical SPA in Świnoujście statt. Die Veranstaltung ist deutsch-polnisch mit Simultanübersetzung.

Der Preis rückt eine Tätigkeit in den Mittelpunkt, die im Literaturbetrieb oft im Hintergrund bleibt. Übersetzen ist hier nicht als technische Übertragung gedacht, sondern als kreative Arbeit.

cms.vbzxk.750x500Lisa PalmesUsedomer Literaturtagen 2026Krzysztof Mystkowski

cms.dsemu.750x500Lothar QuinkensteinUsedomer Literaturtagen 2026Grzegorz Litynski

Der Usedomer Literaturpreis: Europäischer Dialog als Leitidee

Der Usedomer Literaturpreis wird jährlich an Autorinnen und Autoren vergeben, die sich dem „europäischen Dialog“ verpflichtet fühlen. Gemeint ist damit eine Literatur, die über nationale Grenzen hinaus denkt und historische wie kulturelle Verflechtungen sichtbar macht.

Zu den bisherigen Preisträgern zählen unter anderem Olga Tokarczuk, Ilija Trojanow, Saša Stanišić, Georgi Gospodinov und Ronya Othmann. Ihre Texte verhandeln Migration, Erinnerung und Identität und zeigen Europa als Raum von Übergängen.

Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert und beinhaltet einen vierwöchigen Aufenthalt auf Usedom.

Das Programm: Termine im Überblick

  • 15. April 2026, 19:30 Uhr · Kaiserbädersaal
    Steffen Kopetzky: Codes aus Peenemünde
  • 16. April 2026, 12:00 Uhr · Haus des Gastes
    Schülerinnen und Schüler der Ostseeschule Ückeritz: Frisches aus der Schreibwerkstatt
  • 16. April 2026, 19:30 Uhr · Baltic Hotel
    Andreas Englisch: Leo XIV. – Der leise Mönch an der Spitze der Macht
  • 17. April 2026, 19:30 Uhr · Kaiserbädersaal
    Durs Grünbein: Im Angesicht des Kometen – Durs Grünbein im Gespräch
  • 18. April 2026, 11:00 Uhr · Seetelhotel Ahlbecker Hof
    Clemens J. Setz, Olga Tokarczuk: Usedomer Literaturpreis 2026
  • 18. April 2026, 17:00 Uhr · Interferie Hotel Medical SPA, Świnoujście
    Lisa Palmes, Lothar Quinkenstein, Olga Tokarczuk: Usedomer Übersetzerpreis 2026

Sonderveranstaltung

  • 10. September 2026, 19:00 Uhr · Kraftwerk Peenemünde
    Angela Merkel: Freiheit — Erinnerungen 1954–2021

Literatur als offenen Raum

Die Usedomer Literaturtage 2026 setzen auf klare thematische Linien: Gegenwartsliteratur, europäische Perspektiven und die Rolle der Übersetzung. Das Programm verbindet etablierte Stimmen mit neuen Perspektiven und zeigt Literatur als offenen, beweglichen Raum.

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