Mit „When the Going Was Good: An Editor's Adventures During the Last Golden Age of Magazines“ legt Graydon Carter, ehemaliger Chefredakteur von Vanity Fair, ein Memoir vor, das zugleich eine Liebeserklärung an den Printjournalismus und ein nostalgischer Rückblick auf eine untergehende Medienära ist. Das Buch ist ein Muss für alle, die sich für Journalismus, Mediengeschichte und das Innenleben der amerikanischen Glamourpresse interessieren.
„When the Going Was Good“ von Graydon Carter – Ein Blick zurück auf das goldene Zeitalter der Magazine
Worum geht es in „When the Going Was Good“?
Carter erzählt mit Witz, Scharfsinn und einer ordentlichen Prise Ironie von seinen Jahrzehnten im Zentrum der Medienwelt: vom Mitbegründer des Satiremagazins Spy über seine Rolle bei Time und GQ bis hin zu seiner berühmten Zeit bei Vanity Fair. Dabei führt er Leser*innen in die Redaktionsflure, Cocktailpartys und Krisenrunden jener Tage, als Printmedien noch die kulturelle und gesellschaftliche Debatte dominierten.
Das Buch bietet mehr als eine lineare Lebensgeschichte: Es ist ein Panorama der Medienwelt der 1980er bis 2000er Jahre, gespickt mit Anekdoten über Prominente, Politik und das Verlagswesen. Ob Treffen mit Donald Trump, Streitgespräche mit Verlegern oder Glamour-Events in Cannes – Carter war immer mittendrin.
Warum dieses Buch mehr ist als ein Memoir
„When the Going Was Good“ ist nicht nur eine Biografie. Es ist auch eine Zeitdiagnose, ein Abgesang auf den Hochglanzjournalismus, wie wir ihn einmal kannten. Carter reflektiert die Ära der großen Budgets, der langen Deadlines und der kreativen Freiheit – und stellt ihr das heutige Clickbait-Zeitalter gegenüber.
Dabei wird klar: Der Autor trauert nicht nur um das Format Print, sondern um journalistische Prinzipien wie Tiefgang, Haltung und Handschrift. Das Buch ist damit auch eine indirekte Medienkritik: Was ist verloren gegangen, wenn Inhalte nur noch für Algorithmen produziert werden?
Erzählstil und Struktur – Elegant, pointiert, nostalgisch
Carter ist ein Erzähler mit Stil. Seine Sprache ist intelligent, ironisch und doch nie herablassend. Er versteht es, Szenen lebendig zu schildern und seine Leser*innen mit gut gesetzten Pointen bei der Stange zu halten. Das Buch ist klar gegliedert, thematisch sortiert und erlaubt sowohl chronologisches als auch selektives Lesen.
Wer sich für Medienkultur interessiert, wird viele Parallelen zu heutigen Debatten entdecken. Gleichzeitig funktioniert der Text auch für Leser*innen, die sich einfach für gut erzählte Insidergeschichten begeistern.
Für wen ist das Buch geeignet?
When the Going Was Good richtet sich an:
-
Leser*innen, die sich für Journalismus, Verlagswesen und Mediengeschichte interessieren
-
Fans von Memoirs mit kulturellem Tiefgang und historischem Kontext
-
Menschen, die das goldene Zeitalter von Magazinen miterlebt haben oder neugierig darauf sind
-
Nachwuchsjournalist*innen, die wissen wollen, wie Medien einmal funktioniert haben
Stärken und Besonderheiten:
✔ Exzellenter Stil: unterhaltsam und dennoch gehaltvoll
✔ Einblick in eine untergegangene Welt der Printkultur
✔ Medienkritik zwischen den Zeilen
✔ Viele prominente Namen & historische Bezugspunkte
Was könnte kritisiert werden?
❌ Carter schreibt aus einer sehr privilegierten Perspektive – nicht alle können sich mit diesem Blick identifizieren
❌ Der Nostalgiefaktor überwiegt teilweise die analytische Tiefe
❌ Nur auf Englisch erhältlich – eine Hürde für manche Leser*innen
Über den Autor: Graydon Carter
Graydon Carter, geboren 1949 in Kanada, gehört zu den legendären Gestalten der amerikanischen Magazinlandschaft. Als Chefredakteur von Vanity Fair prägte er 25 Jahre lang den Ton eines Magazins, das gleichermaßen für Starporträts wie für investigativen Journalismus bekannt war. Carter war nie nur Journalist, sondern auch Netzwerker, Stilinstanz und Kritiker des politischen Establishments.
Seit seinem Rückzug bei Vanity Fair betreibt er unter anderem die Plattform Air Mail, eine digitale Wochenpublikation mit literarischem Anspruch.
Ein literarischer Cocktail aus Glamour, Geist und Gesellschaft
When the Going Was Good ist ein elegantes, unterhaltsames und stellenweise melancholisches Werk über das Ende einer Medienära. Carter schreibt für jene, die das gedruckte Wort lieben – und für alle, die verstehen wollen, was es heißt, Medien zu machen, bevor Likes und Klicks das Sagen hatten. Ein absolut empfehlenswertes Buch für Medienschaffende, Historikerinnen und Liebhaberinnen der gut erzählten Erinnerungskultur.
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