Am 22. Januar 2025, dem 296. Geburtstag von Gotthold Ephraim Lessing, wurde im Rahmen der Kamenzer Lessing-Tage der renommierte Lessing-Preis des Freistaates Sachsen verliehen. Der Hauptpreis ging an den Schriftsteller Clemens Meyer, während die Förderpreise an den Theaterregisseur Georg Genoux und die Autorin Tina Pruschmann vergeben wurden. Die Veranstaltung würdigte Künstler, deren Arbeiten in der Tradition Lessings stehen und durch literarischen und gesellschaftlichen Anspruch beeindrucken.
Der Lessing-Preis: Würdigung im Geiste der Aufklärung
Die Auszeichnung, die zu Ehren des sächsischen Aufklärers Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781) alle zwei Jahre verliehen wird, erinnert an dessen Bedeutung für Literatur und Theater. Laut Statut des Preises sollen „herausragende Leistungen im Geiste Lessings“ gewürdigt werden, insbesondere auf den Gebieten der Literatur, der Literaturkritik und des Theaters. Ziel ist es, Persönlichkeiten zu ehren, deren Werke in dieser Tradition stehen und einen nachhaltigen Beitrag zur deutschsprachigen Kunst und Kultur leisten.
Staatsministerin Barbara Klepsch, Vorsitzende des Kuratoriums, betonte in ihrer Rede:„Der Lessing-Preis des Freistaates Sachsen hält das Gedächtnis des großen in Sachsen geborenen Aufklärers wach und zeigt, wie Literatur- und Theaterschaffende aus und in Sachsen mit künstlerischem und gesellschaftlichem Anspruch mit diesem Erbe umgehen.“
Clemens Meyer: Hauptpreisträger 2025
Der Schriftsteller Clemens Meyer, 1977 in Halle an der Saale geboren und heute in Leipzig lebend, erhielt den mit 20.000 Euro dotierten Hauptpreis. Das Kuratorium lobte ihn als „überaus kraftvollen Erzähler“, der sowohl kurze Formen als auch groß angelegte Romane meisterhaft beherrscht.
Meyers literarisches Werk rückt häufig Außenseiter, Ausgegrenzte und sozial Benachteiligte in den Fokus. Seine Figuren bewegen sich in rauen Lebenswelten, geprägt von Gewalt und Hoffnungslosigkeit, ohne jedoch ihre Menschlichkeit zu verlieren. Diese Nahbarkeit und die Kombination mit surrealen Elementen ermöglichen es, neue Perspektiven auf gesellschaftliche Realitäten zu eröffnen.
Zu seinen bekanntesten Werken gehören der Roman Als wir träumten(2006), der die Jugend in der Nachwendezeit beleuchtet, und Im Stein(2013), eine komplexe Auseinandersetzung mit dem Milieu der Prostitution.
Neben Romanen schreibt Meyer Essays, Drehbücher und Theaterstücke und leistet damit Beiträge zu unterschiedlichen Kunstsparten.
Förderpreisträger 2025 Georg Genoux: Theaterarbeit für eine vielfältige Gesellschaft
Der Theater- und Filmregisseur Georg Genoux wurde für seine Arbeit am Thespis-Zentrum in Bautzen ausgezeichnet. Dort hat er ein transkulturelles Theater etabliert, das Menschen aus Krisengebieten, Migranten, Einheimische und Angehörige der sorbischen Minderheit zusammenbringt.
Genoux ermöglicht mit seiner Arbeit eine künstlerische Auseinandersetzung mit Sprache, Gemeinschaft und individuellen Erfahrungen. Seine jüngste Produktion Kinderszenen, sowie das Festival „Willkommen anderswo – In einem Boot“ fanden besondere Anerkennung.
Tina Pruschmann: Einfühlsame literarische Stimmen
Die in Thüringen geborene und in Leipzig aufgewachsene Autorin Tina Pruschmann erhielt den Förderpreis für ihren Roman Bittere Wasser. Das Werk erzählt die Geschichte der Protagonistin Ida, die in einer Zirkusfamilie der DDR aufwächst. Nach der Wende gerät Idas Leben durch den sozialen Umbruch aus der Bahn, und sie folgt der Elefantendame Hollerbusch bis in einen Zoo in Kyjiw.
Die Jury lobte Pruschmanns präzise Recherche, ihre sprachliche Klarheit und die unaufgeregte Erzählweise, die sowohl persönliche als auch historische Dimensionen überzeugend verknüpft.
Lessing´s Werk lebt
Die diesjährigen Preisträger des Lessing-Preises und der Förderpreise spiegeln die Vielfalt und Relevanz künstlerischen Schaffens wider, das sich mit gesellschaftlichen Themen befasst.
Clemens Meyer, Georg Genoux und Tina Pruschmann repräsentieren mit ihren Werken unterschiedliche Ansätze, wie Kunst im Geiste Lessings auf das Hier und Jetzt reagieren kann. Die Preisverleihung in Kamenz unterstreicht nicht nur die Bedeutung dieser Arbeiten, sondern auch die fortwährende Aktualität des Vermächtnisses von Gotthold Ephraim Lessing.
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