Michael Endes Roman "Momo" feiert in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag. In Endes Geburtsort, Garmisch-Partenkirchen, ist anlässlich des Jubiläums eine umfangreiche Ausstellung über den Kinderbuch-Klassiker geplant. Zu sehen sind unter anderem fantasievolle Illustrationen des Autors sowie Werke seines Vaters.
In seinem Roman "Momo" entwarf Michael Ende mit den "grauen Herren" Bösewichte, deren Handwerk - das Zeit stehlen - uns gerade in der gegenwärtigen, überaus schnelllebigen Zeit extrem zusetzt. Die Früchte dieser Arbeit - Überlastung, Burn-Out, Depressionen - sind sind heute spürbarer denn je. Ende stellte den Zeit-Dieben in seinem Buch die titelgebende Figur Momo entgegen. Seine Antwort auf Zeitknappheit lautet: Zuhören.
In diesem Jahr wird der Roman "Momo" 50 Jahre alt. Dieses Jubiläum feiert das Museum Werdenfels in Garmisch-Partenkirchen mit der Ausstellung "Geh doch zu Momo". Genau das raten die Menschen in Endes Geschichte einander, wenn ihnen die Zeitknappheit und die damit verbundenen Probleme über den Kopf hinauswachsen. Und so ist auch der Ausstellungstitel als ein Angebot zu verstehen, dem trist-rasenden Alltag zu entfliehen und sich in eine Welt zu begeben, die zeigt, wie Alltag anders funktionieren könnte. Im Museum Werdenfels wird Endes Erzählung visuell nachempfunden. Auf diese Übersetzung bestand die Kuratorin und Leiterin des Werdenfels-Museums, Constanze Werner. "Deswegen sind wir auch diesen künstlerischen, poetischen Weg gegangen, ihn in Bilder umzusetzen, so dass man die Literatur spürt, wenn man durch die Ausstellung geht", so Werner.
Innere Bildwelten erschaffen
Für die Umsetzung hat sie sich mit der Theaterwissenschaftlerin und Michael-Ende-Expertin Floriana Seifert zusammengetan. Die Ausstellung beginnt mit einem Porträt Michael Endes, welches von seinem Vater, dem Bildhauer Edgar Ende stammt. Wie sich der Einfluss des Vaters durch das gesamte Leben des Jungen zog, so ziehen sich auch dessen surrealistischen Bildwelten durch die Ausstellung. Von den Werken des Vaters beeinflusst, sah Ende in der Schriftstellerei die Möglichkeit, Bilder in den Menschen zu erzeugen, Innenwelten entstehen zu lassen.
Die Ausstellung nimmt auch Endes schriftstellerischen Prozess in den Blick. So hängen über mehrere Stockwerke lange Papierfahnen mit "Momo"-Zitaten von der Decke herab, Papiere wie aus dem Zettelkasten, mit dem Michael Ende häufig arbeitete. Auch Endes philosophische Gedankenwelt wird zum Thema gemacht.
Ein Raum widmet sich dem Düsseldorfer Marionettentheater, welches einige Erzählungen Endes auf die Bühne brachte. Die Liebe des Schriftstellers zum Theater wird somit ebenso beleuchtet, wie seine Leidenschaft fürs Zeichnen. So sind viele phantasievolle Illustrationen des Autors zu entdecken.
Visueller Höhepunkt der Ausstellung
Auf dem Höhepunkt der Ausstellung erwartet die Besucher in Anlehnung an die Schildkröte Kassiopeia ein riesiger Schildkrötenpanzer, der auf Wände und Decke projiziert wird, und dessen Schuppen sich in Screens verwandelt, die Videos zeigen, welche sich auf die drängenden Probleme unserer Gegenwart - wie etwas die Umweltverschmutzung - beziehen. Dazwischen finden sich animierte Tuschzeichnungen Endes, die teilweise ins Negativ verkehrt wurden. Eine Langzeitaufnahme von einer Berliner Straßenkreuzung führt dann wieder zum Kernthema des Romans: Zeitmangel, Schnelllebigkeit, rasender Stillstand.
"Natürlich hält die Zeit auch an, wie es im Buch auch ist", so Floriana Seifert. "Und dann kommt es am Ende zur Zeit-Befreiung, was wir ja in unserer heutigen Zeit leider ja noch nicht haben."
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